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Simone de Beauvoir: Wegweiser durch das Werk der Ikone des Feminismus

Foto von Simone de Beauvoir
© ullstein bild - Roger-Viollet / Jack Nisberg

Simone de Beauvoir hat das Denken des 20. Jahrhunderts revolutioniert. Als Philosophin, Aktivistin und Schriftstellerin legte sie das Fundament für den modernen Feminismus und hinterfragte radikal die Rollenbilder ihrer Zeit. Ihr Werk ist ein flammendes Plädoyer für die individuelle Freiheit und die Selbstbestimmung der Frau. Doch welches Buch ist der richtige Einstieg in diesen intellektuellen Kosmos? Diese Übersicht strukturiert ihr vielseitiges Schaffen für neue Leser:innen und Kenner:innen gleichermaßen.

Der perfekte Einstieg: «Die Unzertrennlichen»

Wer die emotionale Wurzel von Beauvoirs Freiheitsdrang verstehen möchte, sollte mit dem Roman «Die Unzertrennlichen» beginnen.

  • Der Inhalt: Das Buch erzählt die Geschichte einer intensiven Mädchenfreundschaft, die an den starren Konventionen der bürgerlichen Gesellschaft zerbricht.
  • Warum dieses Buch? Es ist ein sehr persönliches, fast intimes Zeugnis. Es lässt sich flüssiger lesen als ihre theoretischen Abhandlungen und macht dennoch sofort deutlich, wogegen Beauvoir zeitlebens anschrieb: die Unterdrückung der weiblichen Identität.

Die Unterdrückung der weiblichen Entwicklung, die sie bei Zaza hautnah miterlebt hat, haben sie erst recht dazu gebracht, sich mit den Fragen nach der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Das mündete in ihren berühmt gewordenen Satz: Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht.

Deutschlandfunk Kultur «Lesart», 18. Oktober 2021

Hauptwerke: Denken, das die Welt veränderte

Um die intellektuelle Strahlkraft Simone de Beauvoirs zu erfassen, sind diese drei Werke die zentralen Säulen:

  • «Memoiren einer Tochter aus gutem Hause»: Ein bedeutendes Dokument der weiblichen Selbstwerdung und der Ausbruch aus moralischen Fesseln des Elternhauses und der Gesellschaft
  • «Das andere Geschlecht»: Das Standardwerk des Feminismus. Mit der Analyse der Frau als «das Andere» schuf sie die Basis für weltweite Emanzipationsbewegungen.
  • «Die Mandarins von Paris»: In diesem mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman verwebt Beauvoir Fiktion mit der Zeitgeschichte der Intellektuellen nach dem Zweiten Weltkrieg und schreibt so eine intime Geschichte des Existentialismus.

Mich hat fasziniert, wie zeitgemäß sich die ‹Mandarins› anfühlen, auch dank der neuen Übersetzung. De Beauvoir erzählt über die Pariser Existenzialisten-Szene von Umbruch und Aufbruch nach dem Zweiten Weltkrieg, davon, wie die progressiven Kräfte, im Widerstand noch geeint, sich jetzt aufreiben, von Frauenrollen, Liebe, Sex – vom Leben!

Silvi Feist, Emotion, 05. November 2024

Alle Bücher auf einen Blick

Das erzählerische Werk

In ihren Romanen und Erzählungen erweckt Simone de Beauvoir den Existentialismus zum Leben. Sie nutzt die Fiktion als Labor, um moralische Dilemmata, die Komplexität menschlicher Beziehungen und den Konflikt zwischen Freiheit und Verantwortung zu untersuchen. Von den intellektuellen Zirkeln in «Die Mandarins von Paris» bis zur Rebellion in «Die Unzertrennlichen» – ihr erzählerisches Schaffen macht Philosophie fühlbar.

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Das autobiografische Werk

Kaum eine Autorin hat ihr Leben so radikal und lückenlos dokumentiert wie Simone de Beauvoir. Ihre Autobiografie ist mehr als eine persönliche Rückschau; sie ist eine Chronik des 20. Jahrhunderts. Beginnend mit den «Memoiren einer Tochter aus gutem Hause» zeichnet sie ihren Weg zur Unabhängigkeit nach und reflektiert in Werken wie «Ein sanfter Tod» oder ihren Reisetagebüchern schonungslos über Liebe, Verlust und das Politische im Privaten.

Ein sanfter Tod
Simone de Beauvoir

Ein sanfter Tod

Taschenbuch14,00 *
Alles in allem
Simone de Beauvoir

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Das theoretische Werk

Hier manifestiert sich Simone de Beauvoir als eine der scharfsinnigsten Denkerinnen der Moderne. Mit analytischer Brillanz hinterfragt sie in ihren Essays Machtstrukturen und gesellschaftliche Normen. Während «Das andere Geschlecht» die Welt für Frauen veränderte, widmete sie sich in Werken wie «Das Alter» mit derselben Unbeugsamkeit Themen, die oft an den Rand gedrängt werden. Ihr theoretisches Werk ist ein dauerhafter Aufruf zur kritischen Reflexion.

Das Alter
Simone de Beauvoir

Das Alter

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FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Simone de Beauvoir

Rowohlt ist einer der größten Verlage Deutschlands und eng mit der Geschichte der Weltliteratur verknüpft. Bereits 1908 in Leipzig gegründet, steht Rowohlt seit über einem Jahrhundert für Belletristik und Sachbücher auf höchstem Niveau. Besonders durch den rororo Taschenbuch Verlag, der in der Nachkriegszeit zum Synonym für das Taschenbuch wurde, haben wir die Werke von Simone de Beauvoir einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und pflegen ihre Backlist bis heute als wertvolles Kulturgut, das nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Weil sie in «Das andere Geschlecht» als Erste systematisch darlegte, dass Weiblichkeit ein soziales Konstrukt ist («Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht»).

Dann ist der schmale Roman «Die Unzertrennlichen» ideal. Er vermittelt Beauvoirs Kernthemen auf einer sehr persönlichen und zugänglichen Ebene.

Sie führten eine lebenslange, intellektuell gleichberechtigte Partnerschaft und prägten gemeinsam den Existentialismus. Trotz der engen Verbindung legte Beauvoir stets Wert auf ihre wirtschaftliche und geistige Unabhängigkeit.

Die «Memoiren einer Tochter aus gutem Hause» dienen heute noch als Vorbild für autobiografisches Schreiben, da sie die individuelle Entwicklung untrennbar mit dem gesellschaftlichen Zeitgeist verknüpfen.

Simone de Beauvoir ist die moderne Kompassnadel für eine Generation, die Authentizität und Selbstbestimmung über gesellschaftliche Konventionen stellt. Als Pionierin der Gender-Debatte und Vordenkerin der radikalen Ehrlichkeit inspiriert sie die Gen Z dazu, Identität als ständigen Prozess der Freiheit zu begreifen. Besonders «Memoiren einer Tochter aus gutem Hause», «Die Unzertrennlichen» und «Das andere Geschlecht» erleben durch Hashtags #PhilosophyTok ein virales Revival, da sie das zeitlose Gefühl des Erwachsenwerdens und den Ausbruch aus starren Erwartungen so präzise wie kaum ein anderes Werk beschreiben.

Simone de Beauvoir holte die Philosophie aus dem Elfenbeinturm in die Realität. Während andere über abstrakte Freiheit debattierten, stellte sie die entscheidende Frage nach der «Situation»: Wie frei kann ein Individuum sein, wenn Gesellschaft, Geschlecht oder Klasse Grenzen setzen?

  • Ethik der Freiheit: Sie argumentierte, dass man nur wirklich frei ist, wenn man auch die Freiheit der anderen befördert.
  • Existenz vor Essenz: Ihr berühmtes «Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht» ist die konsequente Anwendung des Existentialismus auf das Geschlecht.

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