Jean-Paul Sartre lesen: Der Wegweiser durch sein monumentales Werk
Jean-Paul Sartre (1905–1980) war ein französischer Philosoph, Dramatiker und der führende Kopf des Existenzialismus. Er prägte den weltberühmten Leitsatz «Die Existenz geht der Essenz voraus»: der Mensch ist vollkommen frei und definiert sich erst durch sein Handeln selbst. Sein Werk bei Rowohlt umfasst wegweisende philosophische Abhandlungen wie «Das Sein und das Nichts» ebenso wie einflussreiche Dramen und Romane, die die menschliche Verantwortung in den Mittelpunkt stellen.
Jean-Paul Sartre: Wegweiser durch das Werk des Vordenkers der Freiheit
Jean-Paul Sartre hat das intellektuelle Fundament des 20. Jahrhunderts erschüttert. Als Philosoph, Dramatiker und Literaturnobelpreisträger (den er allerdings nicht annahm) verkörpert er wie kein Zweiter den Typus des engagierten Intellektuellen. Sein Werk ist ein radikaler Aufruf zur individuellen Freiheit und zur absoluten Verantwortung für das eigene Handeln. Doch wie nähert man sich einem Denker, dessen Spektrum vom komplexen philosophischen Wälzer bis zum packenden Theaterstück reicht? Diese Übersicht strukturiert sein monumentales Schaffen für alle, die das Abenteuer Existenzialismus wagen wollen.
Der perfekte Einstieg: «Der Ekel»
Wer Sartres Philosophie nicht nur verstehen, sondern fühlen möchte, sollte mit seinem berühmtesten Roman «Der Ekel» beginnen.
Der Inhalt: In Form eines fiktiven Tagebuchs schildert Antoine Roquentin seine wachsende Entfremdung von der Welt und die plötzliche Erkenntnis der nackten, sinnlosen Existenz der Dinge.
Warum dieses Buch? Es ist die literarische Geburtsstunde des Existenzialismus. Sartre gelingt es hier, die Theorie in eine packende, atmosphärische Erzählung zu verwandeln. Es ist der ideale Bestseller, um zu begreifen, was es bedeutet, wenn die vertraute Welt plötzlich ihre Maske verliert.
Hauptwerke: Denken, das die Welt veränderte
Um die intellektuelle Wucht Sartres zu erfassen, sind diese Werke die zentralen Säulen:
«Das Sein und das Nichts»
Das philosophische Hauptwerk. Hier begründet Sartre seine Theorie, dass der Mensch keine vorgegebene «Natur» hat, sondern sich durch seine Taten erst selbst erschaffen muss.
- Für alle, die Sartres Philosophie in Gänze genießen wollen
«Der Existenzialismus ist ein Humanismus»
In diesem kurzen, klärenden Essay (ursprünglich ein Vortrag) erklärt Sartre seine Thesen aus «Das Sein und das Nichts», räumt mit Missverständnissen auf und entwickelt seine Gedanken weiter. Auch weitere Essays aus den Jahren 1943 - 1948 sind abgedruckt.
- Für alle, die sich Sartres Philosophie in kürzerer Form nähern möchten
«Die Wörter»
In seiner faszinierenden Autobiografie schreibt Sartre über seine Kindheit und seine frühe Obsession mit der Literatur.
- Ein Muss für alle, die den Menschen hinter der Theorie verstehen wollen
«Geschlossene Gesellschaft»
Das meistgespielte Drama des Existenzialismus. Hier kommt die Philosophie auf die Bühne: In der berühmten Szenerie dreier Menschen in einem Raum verhandelt Sartre die radikale Abhängigkeit des Einzelnen vom Blick des Anderen – inklusive des berühmten Satzes: «Die Hölle, das sind die anderen.»
Alle Bücher auf einen Blick
- Philosophische Schriften: Hier manifestiert sich Sartre als einer der scharfsinnigsten Denker der Moderne. In seinen theoretischen Schriften hinterfragt er Machtstrukturen und das menschliche Bewusstsein
- Romane und Erzählungen: In seiner Prosa erweckt Sartre den Existenzialismus zum Leben. Er nutzt die Fiktion als Labor für moralische Dilemmata.
- Dramatische Schriften: Sartres brachte seine existentialistischen Theorien auch auf die Bühne. Seine Stücke stehen bis heute weltweit auf den Spielplänen.
- Autobiografische Schriften: Sartre dokumentierte sein Leben und Denken mit schonungsloser Offenheit.
- Literaturtheoretische Schriften: Sartre forderte die «littérature engagée» – Literatur, die Partei ergreift.
Vita
- 1905 in Paris geboren
- 1929 Kennenlernen Simone de Beauvoir
- 1931-1937 Gymnasiallehrer in Philosophie in Le Havre und Laon, 1937-1944 in Paris
- 1933 Stipendiat des Institut Français in Berlin
- 1938 Veröffentlichung von «Der Ekel»
- 1939 Kriegsdienst, 1940 deutsche Gefangenschaft, 1941 mit gefälschten Entlassungspapieren entkommen
- 1940 Prix du Roman populiste für «Die Mauer»
- 1943 Aufführung seines ersten Theaterstücks «Die Fliegen» und Veröffentlichung von «Das Sein und das Nichts»
- 1945 Gründung der Zeitschrift «Les Temps Modernes»
- 1964 Ablehnung des Literaturnobelpreises
- 1980 verstorben in Paris
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Jean-Paul Sartre
Dies ist der Kernsatz des Existenzialismus. Er besagt, dass der Mensch erst einmal existiert, in die Welt geworfen ist, und sich danach durch seine Entscheidungen und Taten selbst definiert. Es gibt in der existentialistischen Theorie keinen vorgegebenen Plan oder Gott, der unseren «Sinn» festlegt – wir sind selbst dafür verantwortlich.
Sartre lehnte 1964 den Literaturnobelpreis ab, da er befürchtete, durch eine solche offizielle Auszeichnung seine Unabhängigkeit als Schriftsteller zu verlieren. Er wollte sich nicht in eine Institution eingliedern lassen. Er wird dennoch als Literaturnobelpreisträger geführt, da der Nobelpreis eine Ablehnung nicht vorsieht und der Preis für das Jahr nicht neu vergeben wird.
Sie führten eine lebenslange, intellektuell und emotional gleichberechtigte Partnerschaft, ohne jemals zusammenzuwohnen oder zu heiraten. Diese Verbindung war ein radikales Experiment der Selbstbestimmung und prägte das Bild des modernen Paares.
Rowohlt ist die erste Adresse für Sartre, da der Verlag dessen Philosophie ab den 1940er Jahren und nicht zuletzt durch die legendären rororo-Taschenbücher überhaupt erst einer breiten Masse im deutschsprachigen Raum zugänglich gemacht hat. Rowohlt pflegt heute eine der umfangreichsten Backlists des Autors in hochwertig kuratierten Ausgaben und veröffentlicht mit den Büchern von Simone de Beauvoir und Albert Camus die weiteren Werke des Existenzialismus.