Ein Präsident verschwindet

Historischer Thriller

Die Philipp-Gerber-Romane, Band 2

1954: Über Nacht verschwindet Verfassungsschutzpräsident Otto John – und taucht in Ost-Berlin wieder auf. Wurde er, wie er später behauptet, tatsächlich entführt? Auf Wunsch von Konrad Adenauer übernimmt Philipp Gerber von der Sicherungsgruppe Bonn die Ermittlungen. Gerber hat dem Bundeskanzler schon einmal geholfen, doch diesmal hat er auch ein persönliches Interesse: Seine Geliebte, die Journalistin Eva Herden, ist verschwunden, ein Foto zeigt sie an der Seite von Otto John. Als ein Barbesitzer aus dem Rotlichtmilieu ermordet wird, der viele Geheimnisse der Polit-Elite kannte, steht Eva unter doppeltem Verdacht: als Mörderin und kommunistische Agentin, die den Mann im Auftrag der Sowjets ausgeschaltet haben soll. Auf der Suche nach Eva und den Beweisen ihrer Unschuld gerät Gerber zwischen die Fronten der Geheimdienste.

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Langroth verpackt wahre Begebenheiten der deutschen Nachkriegsgeschichte in packende Politthriller, denen man seine akribische Recherche anmerkt. So setzt er die fiktive Handlung bis ins Detail überzeugend in Szene und belebt damit eine Zeit, in der Spione eben nicht nur aus der Kälte kommen.

Nils Heuner,
kulturnews.de, 01. Mai 2022

1954 – Eine kleine Jahreschronik

  • Januar: In Memphis/USA singt der Lastwagenfahrer Elvis Aaron Presley gegen eine Gebühr von vier Dollar in einem Tonstudio zwei Lieder ein. Bald muss er fürs Singen nicht mehr bezahlen, sondern wird recht gut damit verdienen.
Für die komplette Chronik hier klicken.
  • Februar: Bei den Beratungen im Deutschen Bundestag über einen Gesetzesvorschlag zur Gleichberechtigung von Mann und Frau sagt Bundesfamilienminister Franz-Josef Wuermeling: Er glaube kaum, dass irgendeine Frau und Mutter eine formale Gleichberechtigung zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt wolle. Sie empfinde ja schon die Zunahme ihres Einflusses in der Familie als weitere Belastung.
  • März: Vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden westeuropäischen Verteidigungsbündnisses erklärt die UdSSR ihre Bereitschaft, der NATO beizutreten. Voraussetzung wäre der Verzicht der Westeuropäer auf eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG). Die Westmächte lehnen den unerwünschten Bündnisgenossen ab, aber die EVG kommt auch nicht zustande.
  • April: In Mailand wird Giovanni Guareschi, Autor von Don Camillo und Peppone, wegen Verleumdung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er hatte das Faksimile eines Briefes aus dem Jahr 1944 veröffentlicht, in dem der italienische Ministerpräsident Alcide De Gasperi die Westalliierten gebeten haben soll, zur Beendigung des Krieges Rom zu bombardieren.
  • Mai: Noch vor der John-Affäre erschüttert die Russell-Affäre die junge BRD. Die Amtsgerichte München und Bonn untersagen den Verkauf der Münchner Illustrierten Nr. 22. Das Titelbild von Jane Russell sei «schwer jugendgefährdend». Die Chefredaktion mutmaßt, wahrer Grund für das Verkaufsverbot sei ein Artikel in derselben Ausgabe über die «Teure Hauptstadt Bonn».
  • Juni: Der Krieg geht für viele Deutsche weiter. Nach SPD-Angaben sind bei den aktuellen Kämpfen in Indochina 33.000 deutschsprachige Fremdenlegionäre gefallen oder verschollen.
  • Juli: «… Schäfer flankt nach innen, Kopfball abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt, Tor, Tor, Tor, Tor, Tor für Deutschland ...» Die BRD wird beim Endspiel gegen Ungarn in Bern Fußballweltmeister – wir sind wieder wer!
  • August: Weltpremiere in New York für Alfred Hitchcocks neues Meisterwerk Das Fenster zum Hof mit James Stewart und Grace Kelly.
  • September: Gefechte zwischen Rotchina und dem von den USA unterstützten Nationalchina in der Straße von Formosa lassen die Kriegsgefahr im Fernen Osten wachsen.
  • Oktober: Staatsbesuch: Der deutsche Bundeskanzler reist in die USA. Adenauer und US-Präsident Eisenhower bekräftigen die Forderung nach einem «in Freiheit wiedervereinten Deutschland».
  • November: Jetzt weiß es das deutsche Volk genau – kein Thronfolger für den Schah von Persien in Sicht, wie die Zeitschrift Revue unmissverständlich titelt: «Soraya erwartet kein Kind».
  • Dezember: Alles muss seine Ordnung haben oder Frau sein gegen Bearbeitungsgebühr: Obwohl sich die Bundesregierung dafür erklärt hat, «im amtlichen Verkehr der unverheirateten Frau die Bezeichnung Frau zuzugestehen», spricht sich der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages dafür aus, beim Umgang mit Behörden die Anrede «Fräulein» für unverheiratete Frauen beizubehalten. Ausnahmen: uneheliche Mütter und Adoptivmütter. Sie dürfen die Bezeichnung «Frau» in Anspruch nehmen, wenn sie vor der Polizei ihren Familienstand offenbaren und eine Bearbeitungsgebühr entrichten.

 

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Ralf Langroth Ein Präsident verschwindet
  • Langroth verpackt wahre Begebenheiten der deutschen Nachkriegsgeschichte in packende Politthriller, denen man seine akribische Recherche anmerkt. So setzt er die fiktive Handlung bis ins Detail überzeugend in Szene und belebt damit eine Zeit, in der Spione eben nicht nur aus der Kälte kommen.

    Nils Heuner, kulturnews.de, 01. Mai 2022

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