1953 – Eine kleine Jahreschronik
- Januar: Das Fernsehen ist da. Eine Woche, nachdem der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) am ersten Weihnachtsfeiertag 1952 in Hamburg seinen Sendebetrieb aufgenommen hat, beginnen die NWDR-Studios in Berlin (West), Hamburg und Köln die Ausstrahlung eines gemeinschaftlichen Fernsehprogramms. Ungefähr 1.000 registrierte Zuschauer können täglich zwei Stunden lang erleben, wie das «Reich des Geistes» (NWDR-Direktor Adolf Grimme) über sie hereinbricht.
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- Februar: Der Deutsche Bundestag beschließt, die Anwerbung Deutscher für die französische Fremdenlegion unter Strafe zu stellen. Laut Auskunft des französischen Hochkommissars dienen 18.000 Deutsche in der Legion, die derzeit in Indochina kämpft. Von systematischen Werbekampagnen wollen die Franzosen jedoch nichts wissen. Nach ihrer Darstellung ziehen die Deutschen aus purer Abenteuerlust in den Krieg.
- März: Die Ufa eröffnet am Aegidientorplatz in Hannover das größte (1.500 gepolsterte Plätze) und modernste (Ausrüstung für 3-D-Projektion) Kino der Bundesrepublik, um für den Wettstreit mit dem aufkommenden Fernsehen gerüstet zu sein. Nach sieben Monaten Bauzeit wird der auch für Varieté-Aufführungen gedachte Filmpalast auf den Namen «Aegi» getauft. Taufpatin ist Filmstar Marikka Rökk, die einst im Film sang: «Ich brauche keine Millionen». Die Ufa jedoch braucht stolze zwei Millionen Mark für den Neubau mit der auffälligen Fassade aus Glas, Marmor und schwarzen Kacheln.
- April: Als erstes deutsches Regierungsoberhaupt besucht Konrad Adenauer die USA und wird dort überaus freundschaftlich empfangen. Er verspricht, am Kurs der Eingliederung in ein westliches Militärbündnis festzuhalten. In der Sichtweise der sowjetischen Tageszeitung Prawda «hat der Führer der Bonner Revanchisten Westdeutschlands Bereitschaft zu einem uneingeschränkten Beitrag für die berüchtigte Atlantikpolitik weitgehend proklamiert».
- Mai: Bundesweit werden Schüler wieder in Uniform gesteckt, allerdings für einen guten Zweck. Als Schülerlotsen sind sie im Rahmen einer Verkehrserziehungswoche für Jugendliche (Motto: «Sei höflich und hilfsbereit im Straßenverkehr») im Einsatz.
- Juni: Ein Streik gegen die Heraufsetzung der Arbeitsnormen in der DDR weitet sich am 17. Juni in Ostberlin und anderen ostdeutschen Städten zu einem Volksaufstand gegen das SED-Regime aus. Sowjetische Truppen schlagen den Aufstand mit Waffengewalt und unter dem Einsatz schwerer Panzer nieder. Auf Betreiben des SPD-Bundestagsabgeordneten Herbert Wehner, von 1949 bis 1966 Vorsitzender des Bundestagsausschusses für gesamtdeutsche Fragen, wird der 17. Juni in der Bundesrepublik als «Tag der deutschen Einheit» zum Nationalfeiertag und bleibt es bis 1990.
- Juli: Deutschland macht wieder mobil, allerdings (noch) nicht wieder militärisch. In Wolfsburg rollt der 500.000. Volkswagen vom Band, für einen Aufpreis von 250 Mark auch mit Falt-Schiebedach.
- August: Der Auftakt der Qualifikationsrunde für die 1954 stattfindende Fußballweltmeisterschaft läuft nicht gut für die Bundesrepublik. Am 19. August schießt Harald Hennung die Norweger beim Spiel in Oslo in der 40. Minute in Führung. Aber nur vier Minuten später erzielt Fritz Walter den Ausgleich, und die deutsche Nationalelf um Bundestrainer Sepp Herberger beendet das Spiel dann auch mit einem 1:1.
- September: Die Wahl zum 2. Deutschen Bundestag am 6. September endet mit einem deutlichen Sieg der CDU, und Konrad Adenauer bleibt Bundeskanzler. 45,2% der Wählerinnen und Wähler folgen seinem Aufruf: «Wechseln Sie die Pferde nicht mitten im Strom!»
- Oktober: Am 2. Oktober gibt der scheidende Bundesinnenminister Robert Lehr den Wiesbadener Neubau des Bundeskriminalamts zum Bezug frei. 350 Kriminalbeamte sollen hier künftig die nationale Verbrechensbekämpfung sowie die Kontakte zu ausländischen Polizeiorganisationen koordinieren.
- November: Der Abschaffung des bis November erforderlichen Interzonenpasses zum Trotz bleibt der Personenverkehr zwischen der Bundesrepublik und der DDR ein schwieriges bis gefährliches Unterfangen, und Schlaf scheint vor Strafe nicht zu schützen. So lautet ein S-Bahn-Schild in Westberlin: «Achtung! S-Bahn-Reisende, warnt vor Eurem Aussteigen in Spandau Mitreisende (insbesondere Schlafende), da bei Weiterfahrt in Richtung Falkensee (Ostzone) Freiheitsentzug droht.»
- Dezember: Stillstand auf der Autobahn. Die Bundesrepublik erlebt ihren bislang längsten Autobahnstau, als zwischen Frankfurt und Heidelberg der Verkehr auf einer siebzig Kilometer langen Strecke stillsteht. Schuld ist ein Panzer, der von einem amerikanischen Tieflader rutscht und aufgrund dichten Nebels eine Massenkarambolage verursacht.
«Die Akte Adenauer» im Podcast sprenger spricht
- Verlag: Rowohlt Taschenbuch
- Erscheinungstermin: 18.05.2021
- Lieferstatus: Lieferzeit 1-2 Tage
- ISBN: 978-3-499-00475-9
- 400 Seiten
- Reihe: Die Philipp-Gerber-Romane
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Die Mischung aus historischem Hintergrund und spannender Unterhaltung klappt perfekt. Außerdem bringt Ralf Langroth mit klaren Beschreibungen die Welt der fünfziger Jahre im Rheinland zum Leben. Ein starker Start für die neue historische Thriller-Serie.
WDR 4 "Buchtipp", 19. Mai 2021 -
Ralf Langroth hat die Geschichte rund um den von den USA mitfinanzierten Bund Deutscher Jugend und den Technischen Dienst in seinem Spionagethriller «Die Akte Adenauer» verarbeitet, der im Jahr der Bundestagswahl 1953 spielt.
Ralf Langroth, Spiegel Online, 16. April 2021 -
Ralf Langroth hat seine gut recherchierte Handlung in einer spannenden Zeit angesiedelt, in der in Bonn über den Weg der jungen Bundesrepublik entschieden wurde.
Ralf Langroth, General-Anzeiger Bonn, 15. Mai 2021 -
Beste Krimiunterhaltung mit vielen Hinweisen, die politische Bestrebungen der Jetztzeit deutlich machen.
eschborner-stadtmagazin.de -
In seinem historischen Politkrimi ‹Die Akte Adenauer› malt Ralf Langroth ein opulentes Gemälde der jungen Bundesrepublik mit ihren alten Nazis und ihrer noch jungen Demokratie. Ein Wirtschaftswunderland im Kalten Krieg, in dem man Opel Blitz oder Horex fährt, in dem das Gespenst des Kommunismus umgeht, und in dem einarmige Kriegsversehrte in Kiosken Ami-Zigaretten verkaufen. Eine Nation zwischen Camel und Kreml. Langroth präsentiert eine spannende, temporeiche Story – mit historischem Erkenntnisgewinn: Das BKA war damals tatsächlich von alten Nazis durchsetzt, und die Amerikaner finanzierten den stramm antikommunistischen ‹Bund Deutscher Jugend› (BDJ), der im Buch eine wichtige Rolle spielt. Dessen paramilitärischer Arm, der ‹Technische Dienst›, wurde schließlich als verfassungsfeindlich verboten.
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 19. Mai 2021 -
Zeitgeschichtliche Recherche plus Action und als Draufgabe der Fünfziger-Jahre-Sound der neuen deutschen Aufgeräumtheit: Die Story funktioniert trotzdem, weil der Autor den Spannungsbogen im Griff hat.
Hannes Hintermeier, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07. Juni 2021 -
Bei der ‹Akte Adenauer› handelt es sich um einen zeithistorischen deutschen Thriller der Extraklasse, der sich vor seiner ausländischen Konkurrenz nicht verstecken muss. Er liefert hervorragend recherchierte Einblicke in eine Zeit, deren reale Zeitzeugen immer weniger werden. Allerdings hat der Autor mit seinem Serienstart auch die Messlatte für weitere Teile sehr hoch gelegt. So sicher wie der Termin der diesjährigen Bundestagswahl dürfte aber dennoch sein: Die Figur Gerber hat bereits ihre Fans gefunden.
Thomas Badtke, n-tv, 13. Juni 2021 -
Ralf Langroth hat für seinen Thriller intensiv recherchiert. In einem Nachwort legt er offen, welche Quellen er benutzt hat. Beim Lesen dieser gruselt es einen direkt, denn schnell wird dabei klar, dass vieles in diesem Buch auf wahren Begebenheiten beruht. Neben historischen Fakten steckt hier auch jede Menge Spannung drin. ‹Die Akte Adenauer› ist ein Thriller durch und durch. Es gibt jede Menge Tote, Schlägereien und dazu noch eine Liebesgeschichte, die alles andere als prüde daherkommt. Ralf Langroth erzählt spannend von großen Verschwörungen und hat damit ein tolles Sommerbuch geschrieben.
WDR 2 "Lesen", 16. Juni 2021 -
Ein tempo- und actionreicher Politthriller aus einer miefigen Kleinstadt und einer ebensolchen Zeit. Alte Seilschaften gibt es reichlich, und auch die Amerikaner betreiben üble Machenschaften. Einblicke in die Politik des damaligen Kanzlers Adenauer und die damit einhergehende Verschärfung des Ost-West-Konflikts bilden den Rahmen dieses turbulenten, bleihaltigen und wendungsreichen Pageturners.
krimi-couch.de, 21. Juni 2021 -
„Die Akte Adenauer“, ein starker Politthriller, gibt erhellende Einblicke in die bundesdeutsche Nachkriegsgesellschaft.
Volker Albers, Hamburger Abendblatt, 12. Juli 2021 -
Ralf Langroth hat einen starken Politthriller vorgelegt, der erhellende Einblicke zur Geschichte der Nachkriegsgesellschaft liefert.
Berliner Morgenpost, 18. Juli 2021