Die Geschichte des Mittelalters wird von Königen, Rittern und Päpsten dominiert. Alice Rio zeichnet ein radikal neues Bild: Sie lenkt den Blick auf Frauen – und damit auf diejenigen, die sich selbst kleinste Freiheiten erst erkämpfen mussten und deshalb umso klüger und weitsichtiger handelten. Frauen schufen neue Formen der Ehe, prägten Politik und Religion, waren Nonnen, Mütter, Heilige, Herrscherinnen und Händlerinnen.
Rio deckt unzählige unerschlossene Lebenswelten dieser Epoche auf: Wir folgen den Spuren einer koptischen Bäuerin; tauchen ein in die Welt von Theodora, Tochter eines Bärenhalters und Zirkusartisten und Gattin des oströmischen Kaisers Justinian, die mitten in die Kämpfe um Welthoheit gerät; wir erleben die Zeit Judiths, Tochter des Frankenkönigs Karl des Kahlen, in der Wikingerangriffe das Leben der Menschen grundlegend verändern. Rio führt uns in ein überraschend vielfältiges Europa: vom muslimischen el-Andalus über das christliche Irland bis in das oströmische Byzanz. Und zeigt dabei, dass die Geschichte der männlichen Sieger nur ein Faden des dichten Gewebes ist, aus dem die Welt des Mittelalters besteht. Eine brillante, fesselnde Neuerzählung dieser Zeit.