29.07.2016   von rowohlt

Jon Fosse, der «Beckett des 21. Jahrhunderts»

«Trilogie» – das neue Meisterwerk des international gefeierten norwegischen Dramatikers

© picture-alliance/Afterposten/Tom A. Kolstad
© picture-alliance/Afterposten/Tom A. Kolstad

«Trilogie» besteht aus drei zusammenhängenden Texten: «Schlaflos», «Olavs Träume», «Abendmattigkeit» – ein Roman über die Liebe, ein zeitloses Märchen von großer Zartheit und Poesie. Ausgezeichnet wurde es mit dem wichtigsten Literaturpreis der skandinavischen Länder, dem Literaturpreis des Nordischen Rates 2015. «Mit ihrer formalen Raffinesse und dem forschenden Verhältnis zur Geschichte stellt die ‹Trilogie› einen Höhepunkt in der neueren norwegischen Literatur dar.» (Aus der Jury-Begründung) Mit diesem ergreifenden, suggestiv-melodiösen Triptychon einer verletzlichen Liebe ist einer der großen Autoren der Gegenwart – und seit Jahren hoch gehandelter Literaturnobelpreiskandidat – zu entdecken.

Jon Fosse – Dramatiker, Lyriker, Opernlibrettist, Romancier, Essayist


Geboren 1959 in der norwegischen Küstenstadt Haugesund, aufgewachsen am Hardanger-Fjord. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Oslo und in Hainburg an der Donau/Österreich. Seit 2011 genießt Fosse lebenslanges Wohnrecht in der «Grotte», einer Ehrenwohnung des norwegischen Staates am Osloer Schlosspark. Mit Thomas Ostermeiers Inszenierung von «Der Name» bei den Salzburger Festspielen 2000 setzte der fulminante Erfolg des norwegischen Dramatikers ein. Literarischer Lehrer von Karl Ove Knausgard. Vier Kinder Fosses leben in Bergen; in dritter Ehe mit einer slowakischen Wissenschaftlerin verheiratet, eine gemeinsame Tochter. 2013 konvertierte er zum Katholizismus. Fosse liebt die Musik von Arvo Pärt und die Texte des Mystikers Meister Eckhart; deutliche Berührungspunkte auch mit Peter Handke («Ich sehe die Schönheit der Stille in seinem Werk»).


Über 30 Theaterstücke (dazu Opernlibretti und Adaptionen), die in mehr als 40 Übersetzungen vorliegen und weltweit gespielt werden, von Island bis Iran, von Spanien bis China. 1994 inszenierte Kai Johnson mit «Und trennen werden wir uns nie» das erste Fosse-Stück am Nationaltheater Bergen. Jon Fosse will keine Stücke mehr fürs Theater schreiben, wohl aber Opernlibretti und andere musikalische Arbeiten.


«Trilogie» (brillant übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel) erzählt die Geschichte des jungen Liebespaars Alida und Asle, beide 17 Jahre alt, das in – ein außerhistorisches – Norwegen kommt, nach Bjorgvin (der alte Name für Bergen): an Land gespült, mit nichts als den Kleidern am Leib, entwurzelt, aber voller Hoffnung. Beide haben ihre Väter ans Meer verloren. Alida ist hochschwanger, bringt ihr Kind in einer mitleidlosen, kalten Umgebung zur Welt. Einen glücklichen Ausgang kann diese von biblischen Anklängen grundierte Geschichte von Liebe und Schuld nicht nehmen …

Fosse über Fosse


«Es ist sinnlos, das Schreiben mit einer Absicht zu beginnen – sich etwa vorzunehmen, einen postmodernen, einen feministischen oder katholischen Roman zu schreiben oder mit einem Buch einen Haufen Geld verdienen zu wollen. Man muss sich ganz der Abgeschiedenheit und der Stille anvertrauen.» 


«Mein Wunsch, Schriftsteller zu werden, hatte von Anfang an damit zu tun, der Gesellschaft zu entkommen, nicht mit anderen Menschen zusammenzuleben, sondern ganz und gar nach meinem eigenen Rhythmus. Ich wollte ein stilles, einsiedlerisches Leben führen, und es ist eine der Paradoxien meines Lebens, dass ich ausgerechnet in der Welt des Theaters landete.» (Beide Zitate aus Thomas Davids Interview mit Jon Fosse, Die Welt v. 4.6.2016)


«Für mich bedeutet Dichten in die Stille hineinhorchen.»

Andere über Fosse


«Fosse ist beim Schreiben ein Satzsparfuchs. Ein Leisetreter. Der größte Sprachminimalist der nördlichen Hemisphäre. In seinen wortkargen Dramen sind die Auslassungen und Pausen die wichtigsten Setzungen. (…) Fosses Freunde sind das Meer, die Nacht, das Schweigen, der Wind. Immer geht es darin um das große Ungesagte, um erste und letzte Fragen, um die Liebe und die ‹riesige Stille›, in die alles mündet: den Tod.» (Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung)


«Viele suchen nach einem unverwechselbaren Stil. Jon Fosse hat ihn. Er ist wie der Hardanger-Fjord, wo Fosse aufwuchs, karg, klar und gewaltig. Fosse ist ein Ereignis. Man muss ihn lesen. (…) Es gibt kein Entkommen. Jon Fosses Werke funktionieren wie ein Bann, wie ein Fluch, wie ein Zauberspruch oder Segen, jedenfalls mythisch.» (Christine Richard, Basler Zeitung)


«Das kleine Wörtchen ‹und› verwendet Fosse am liebsten. Auf diese Weise fügt er die Momente weniger in logische oder kausale Zusammenhänge ein, sondern stellt sie gleichbedeutend nebeneinander. Meditation und Reflexion durchdringen sich in diesen flutenden Versen.» (Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung)


«Es ist unheimlich schwer, sich dem Sog von Jon Fosse zu entziehen.» (Stern)


«Es ist schon grandios, wie Fosse dieser eigentlich tieftraurigen Liebesgeschichte einiges von ihrer Schwere nimmt und den Leser mit seiner Sprache geradezu in den Schwebezustand versetzt, in den die Liebe und die Musik die beiden Hauptfiguren bringen.» (Tobias Wenzel, NDR Kultur)

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