
Georg Klein: Meister der geerdeten Phantastik und prägende Stimme der Gegenwartsliteratur
1953 in Augsburg geboren, gehört Georg Klein zu den sprachmächtigsten Autoren der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur. Sein erzählerisches und essayistisches Werk kennt keine Genre-Grenzen und bewegt sich im Zwischenreich zwischen Realismus und literarischer Phantastik.
Sein spektakulärer Durchbruch gelingt Georg Klein 1998 mit «Libidissi», das als eines der besten deutschsprachigen Bücher des Jahres gefeiert und ausgezeichnet wird. Mühelos und mit sprachlicher Finesse bringt Klein schon in diesem Roman Literatur, Phantastik und Genre-Elemente fesselnd zusammen – für die deutschsprachige Literatur bis dahin unerhört und bis heute unerreicht.
Seitdem viele Male ausgezeichnet, etwa mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis oder dem Preis der Leipziger Buchmesse, überrascht, verblüfft und begeistert Georg Klein in all seinen Werken mit profunder Kenntnis, einzigartiger Sprachkunst und unnachahmlichem Stilgefühl.
Seine Bücher sind geprägt von einer geerdeten Phantastik, die manchmal Science-Fiction- oder Krimi-Elemente aufgreift. Wiederkehrendes Thema ist zudem die Erinnerung an eine Stadtrand-Kindheit im Augsburg der Nachkriegszeit. Somit steht er in der stilistischen Tradition eines E.T.A. Hoffmann, Vladimir Nabokov oder auch Franz Kafka, gepaart mit einem unbestechlichen Blick auf das alltägliche Dasein.
Zuletzt brillierte er mit seinem Roman «Bruder aller Bilder» (2021), so gegenwärtig wie entrückt, und dem fein ziselierten Erzählungsband «Im Bienenlicht» (2023), Geschichten, die schrecklich, zart und surreal vom doppelten Boden der sogenannten Realität erzählen.
Für wen schreibt Georg Klein?
Georg Kleins Geschichten und Romane sind nicht immer ohne Herausforderung für die Leser:innen. Sie sind häufig Kippfiguren zwischen einer surrealen und einer realistischen Welt. Er schreibt für Menschen, die sich beim Lesen auf ein Abenteuer einlassen können, die Bücher ohne Genregrenzen schätzen und Erzählkunst auf hohem Niveau genießen wollen.
Was ist ein guter Einstieg in das Werk von Georg Klein?
Unsere Lesetipps für Menschen, die einen ersten Eindruck vom literarischen Werk Georg Kleins gewinnen wollen:
Libidissi
Georg Kleins Durchbruch und Debütroman, der einen Paukenschlag in der deutschsprachigen Literatur bedeutete. Ein packendes Abenteuer, eine phantastische Kulisse, ein stilistisches Meisterstück. So zu erzählen, hatte lange niemand gewagt. Für Leser:innen anspruchsvoller Spannungsromane genauso zu empfehlen wie für Menschen, die an erzählerischen Kunststücken von Weltrang interessiert sind. Kurz: David Lynch verfilmt Franz Kafka!
Bruder aller Bilder
Der vielleicht rätselhafteste, aber auch komischste Roman Georg Kleins. Von einer unaufgeregten Bildgewalt geprägt, erzählt das Buch vom Alltag des etwas abgehalfterten Sportreporters Addi Schmuck und dem «Auskenner», Aussteiger, Philosophen und brüderlichen Freund am Rande der Stadt (vielleicht Augsburg) und der bürgerlichen Existenz. Aber Vorsicht, schon bald droht man als Leser:in den Boden unter den Füßen zu verlieren, denn irgendetwas stimmt in dieser Geschichte ganz und gar nicht!
Im Bienenlicht
Brillante Erzählungen, ins Zwielicht getaucht! Georg Kleins ganze Kunstfertigkeit zeigt sich hier auch auf der kurzen Strecke. Der Ton oszilliert zwischen Komik und Horror, zwischen Alltag und Phantastik. Wir finden uns in Schrebergärten, Fabrikruinen, Werksgeländen oder Kneipen wieder, die alle geheimnisvolle Pforten zu anderen Realitäten zu sein scheinen. Für Leser:innen, die das Surreale schätzen, die sich in Vladimir Nabokov, Arthur Machen oder Ted Chiang verlieren können.
Roman unserer Kindheit
Der erfolgreichste Roman Georg Kleins, der eine Augsburger Stadtrand-Kindheit erzählt, in die der Schrecken des vergangen geglaubten Krieges Einzug hält. So packend, empathisch, detailreich und erschreckend wurde die Nachkriegszeit in der Bundesrepublik selten geschildert.
Werkübersicht: Das literarische Schaffen von Georg Klein
Hier finden Sie einen Überblick über das vielschichtige Schaffen von Georg Klein – von seinen preisgekrönten Romanen über meisterhafte Erzählungen bis hin zu seinen Essays.
Vita Georg Klein
- 1953 in Augsburg geboren
- 1970er Nach dem Zivildienst Studium der Germanistik. Anschließend Tätigkeit als Ghostwriter, Sprachlehrer und freier Autor.
- 1998 Durchbruch mit «Libidissi»
- 1999 Auszeichnung mit dem Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau für «Libidissi»
- 2000 Auszeichnung mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis
- 2010 Preis der Leipziger Buchmesse für «Roman unserer Kindheit»
- 2018 Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse und für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis; Arno-Schmidt-Stipendium
- 2022 Auszeichnung mit dem Großen Preis des Deutschen Literaturfonds für sein herausragendes Gesamtwerk
Häufig gestellte Fragen zu Georg Klein
Ja, Georg Klein wurde für sein Werk mit zahlreichen renommierten Preisen geehrt.
Unter anderem mit:
- Brüder-Grimm-Preis, 1999
- Ingeborg-Bachmann-Preis, 2000
- Preis der Leipziger Buchmesse, 2010
- Niedersächsischer Staatspreis, 2012
- Arno-Schmidt-Stipendium, 2018
- Großer Preis des Deutschen Literaturfonds, 2022
Georg Klein ist in Populär- und Hochkultur gleichermaßen zuhause. Deshalb gibt es eine ganze Bandbreite von Autor:innen, die man als Anreger:innen oder Weggefährt:innen bezeichnen könnte.
- Vladimir Nabokov
- Jorge Luis Borges
- Ursula K. Le Guin
- Franz Kafka
- Arno Schmidt
- Ray Bradbury
- Ted Chiang
Georg Klein verankert seine Geschichten oft in der realen, alltäglichen Lebens- und Arbeitswelt und ihren Kulissen (wie Schrebergärten, Büros oder Vorstädten). Aus dieser scheinbaren Normalität brechen dann schleichend surreale, unheimliche oder phantastische Elemente hervor. Genau diese Verbindung aus greifbarer Realität und doppeltem Boden wird als «geerdete Phantastik» bezeichnet.
Die Stadt Augsburg, Georg Kleins Geburtsort, zieht sich als wiederkehrendes Motiv durch sein Werk. Besonders die Ränder der Stadt, die Nachkriegszeit und die bundesrepublikanische Kindheitserfahrung dienen als atmosphärische Kulisse, am eindrücklichsten in seinem Bestseller «Roman unserer Kindheit».
Als bekanntestes Werk gilt sein Debütroman «Libidissi» aus dem Jahr 1998. Dieser Agententhriller voller phantastischer Elemente bedeutete Kleins literarischen Durchbruch und wird bis heute als Meilenstein der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur gefeiert. Auch «Roman unserer Kindheit» (2010), für den er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt, gehört zu seinen erfolgreichsten Büchern.
Georg Klein ist ein Meister beider Formen. Während er durch große, vielschichtige Romane wie «Libidissi», «Roman unserer Kindheit» oder «Bruder aller Bilder» einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, schätzen Kritiker:innen und Leser:innen ihn ebenso für seine brillanten Erzählbände (wie «Im Bienenlicht» oder «Von den Deutschen»), in denen er seine Sprachkunst verdichtet.
Die verlegerische Heimat von Georg Klein ist der Rowohlt Verlag. Kleins literarischer Weg begann ursprünglich im Alexander Fest Verlag, dessen Programm und Autor:innen im Jahr 2002 in den Rowohlt Verlag integriert wurden. Seitdem begleitet Rowohlt das vielseitige Werk des Autors durchgehend. Rowohlt steht wie kaum ein anderer deutscher Verlag für die ganze Bandbreite des Erzählens zwischen Hochliteratur und Genre – und ist somit das perfekte verlegerische Zuhause für die unnachahmlichen Bücher von Georg Klein.
Im Oktober 2026 widmet die renommierte Zeitschrift für Literatur TEXT+KRITIK Georg Klein eine eigene Ausgabe. Darin beleuchten neben dem Autor selbst Burkhard Müller, Stefan Willer, Stephan Kraft, Steffen Richter, Eva Geulen, Clara Fischer, Philipp Theisohn, Leonie Bartel und Margarethe von Campe die vielfältigen Facetten seines literarischen Werks.





















