
Territorium
"Ein ungeheurer Sog ... Ein Roman, der es in sich hat ... Absolute Leseempfehlung." ZEIT für Literatur
Drei Fragen an Sabrina Janesch
In «Territorium» steckt ein hohes Maß an historischer Realität: Die Ereignisse im Umfeld des Putsches und in den Jahren darauf habe ich jahrelang recherchiert. Ich habe nachvollzogen, wie US-amerikanische Agenten den Sturz der Königin orchestriert haben. Auch die alteingesessene, weitverzweigte deutsche Gemeinschaft vor Ort wird im Roman dargestellt – ebenso wie ihre Rolle erst beim Umsturz und später beim Widerstand gegen die drohende US-Annexion. In gewisser Weise war das Jahr 1893 ein Wendepunkt der Weltgeschichte; eine Lektion, die es wert ist, unvergessen zu bleiben. Der Raub eines souveränen Inselstaats ist ein kolonialer, dramatischer Akt sondergleichen. Wer «Territorium» liest, erfährt viel über die historischen Mechanismen des Jahres 1893 auf Hawai’i – und über unheilvolle Parallelen zur Gegenwart. Gleichzeitig gibt es in "Territorium" natürlich – es handelt sich um einen Roman – eine fiktive Dimension. Zwischenmenschliches und Innerliches etwa lassen sich kaum historisch korrekt wiedergeben, hier greift die Freiheit der Literatur. Ich bin Schriftstellerin; mich interessieren von Berufs wegen die Leerstellen und blinden Flecken, die ich mit Leben fülle.
Im Mittelpunkt stehen drei Hauptfiguren: die hawaiische Königin Lili’uokalani, ihre deutsche Beraterin Gertrude Wolf und die Journalistin Emma Nāwahī. Die Königin bildet das schlagende Herz des Romans. Wolf und Nāwahī stehen für all jene Bürger, die sich mit enormem Mut gegen den kolonialen Landraub stellen. Dabei hat jede Figur einen eigenen Blickwinkel und Handlungsspielraum. Deswegen war dieses Trio in seiner Konstellation so interessant für mich: Die soeben entmachtete Königin, die unter Hausarrest um Haltung und Deutungshoheit ringt; die Journalistin, die versucht, auf legalem Weg das Unheil zu bändigen; und schließlich die Beraterin, eine Deutsche, die sich ihren Platz im Paradies schwer erkämpft hat und ihn nicht kampflos aufgeben will. Zudem gibt es weitere charismatische Figuren, deren Geschicke ich nachvollziehe: etwa Hermann Widemann, ehemaliger Innenminister Hawai’is, Staatsanwalt und Diplomat; seinen Sohn Carl, der in den Widerstand geht, und Eduard Suhr, den Strategen der Annexionisten. Ihre Entscheidungen mitzuverfolgen hat mir erlaubt, ein komplexes Bild der deutschen Beteiligung an Unterdrückung und Annexion, aber auch an Widerstand und Rebellion zu zeichnen.
Die Stimmung lebt von extremen Kontrasten. Da ist das idyllische Setting in Honolulu, die unerhörte Schönheit der Inseln, deren Flora und Fauna nicht liebreizender sein könnten. Vor dieser Kulisse entfaltet sich allerdings das mörderische Treiben der weißen Elite, die den Boden für die Annexion durch die USA bereitet. Diese Gleichzeitigkeit zu demonstrieren – die Hölle im Paradies –, das war während des Schreibens immer wieder eine Herausforderung. Denn wir reden nicht nur davon, eine Staatsform zu ersetzen. Auf Hawai’i wurden mithilfe imperialistischer Mechanismen Minderheiten unterdrückt, entrechtet und jegliche Form von Pluralismus ausgemerzt. Hawaiische Lieder zu singen, Hula zu tanzen oder die Sprache zu unterrichten, wurde kriminalisiert. Das war kein Lauf der Zeit, den es hinzunehmen gilt. Das war das Böse, das sich auf dem Archipel festkrallte. Und das Böse kommt immer vom Menschen. Verständlich, dass im Roman die Nerven blank liegen. Zwei Jahre lang dauerte es bis zur offenen Rebellion gegen die US-amerikanische Politik in Honolulu. Diese Schicksalsjahre schildere ich in «Territorium» – eine Zeit, in der jede Entscheidung und jede aufgekündigte Freundschaft über Leben und Tod bestimmen konnte. Für die Menschen damals war es eine existenzielle Herausforderung, für das einzustehen, woran sie glaubten. Diese Pflicht haben wir heutzutage ebenfalls, vielleicht mehr denn je. Die unrechtmäßige Annexion Hawai’is ist kein rein lokales Problem, sondern eine historische Lektion. In Zeiten, in denen der Imperialismus weltweit wieder erstarkt, erscheint sie aktueller denn je. Die Stimmung in «Territorium» zeichnet sich durch Dringlichkeit und Hochspannung aus. Doch neben dieser Tragik zieht sich noch etwas anderes wie ein roter Faden durch den Roman: die Kraft der Freundschaft und der Liebe.
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Vor der Folie des gegenwärtigen amerikanischen Neoimperialismus trifft Janesch mit ihrem Roman einen Nerv.
Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine ZeitungKraftvolle, lebendige Frauenfiguren in einem bei uns völlig unbekannten Kapitel der Geschichte - Sabrina Janeschs Roman ist ebenso spannend wie erhellend.
Knut ElstermannEin ungeheurer Sog ... Ein Roman über Verwurzelung und Freiheit, über Integrität und Mut, über Unrecht und Recht, der es in sich hat ... Absolute Leseempfehlung.
ZEIT für LiteraturFesselnd und mitreißend erzählt uns Sabrina Janesch von Menschen, die sich widersetzen. Ein Meisterwerk, das tief in die Geschichte Hawaiis eintaucht und dabei überraschend viel über unsere Gegenwart offenbart.
Florian ValeriusAbenteuerlich gut geschrieben.
Cornelia Geißler, Berliner ZeitungBedrückend aktuell ... Auch weil Sabrina Janesch beschreibt, wie Gewissheiten in kürzester Zeit verloren gehen, liest sich ihr Roman absolut gegenwärtig. Und besticht dabei durch einen spannenden Plot.
SWR KulturJanesch erzählt plastisch, detailgenau und mitreißend ... Direkte Bezüge zu heute muss sie dabei gar nicht herstellen, das geschieht im Kopf der Lesenden ... spannend, informativ und unterhaltsam.
NDR KulturSabrina Janesch gelingt immer wieder ein großer Wurf.
radioeins, RBBAktuell wie nie: Sabrina Janesch erzählt im Roman „Territorium“ von der US-Annexion Hawai’is ... versiert, farbenreich und detailscharf.
Frankfurter Allgemeine ZeitungEin Fundstück der Extraklasse ... atemberaubend spannend.
Frankfurter Rundschau


















