Erscheinungstermin: 25.09.2018

Leseprobe

Leni weint

Vor dem Schreiben liegt das Nichtschreiben – die Berührung mit der Realität, die für Péter Nádas viele Bezirke, Räume, Dimensionen umfasst. Ohne täglich von neuem all dessen innezuwerden, was sich im Bewusstsein drängt, von den Träumen, Alltagsbeobachtungen und ästhetischen Erfahrungen bis zu den verstörenden Nachrichten, könnte er nicht beginnen. Diese unverzichtbare Übung hat, neben seinen Meisterwerken der Erzählkunst, Betrachtungen zu Kunst und Literatur sowie große Abhandlungen hervorgebracht, in denen Nádas historische Verwerfungen und Abgründe des Menschlichen ausleuchtet. "Leni weint" versammelt die wichtigsten dieser Essays aus den Jahren 1989 bis 2014 - ein Vierteljahrhundert, das mit einem politischen Aufbruch in die Freiheit begann und mit dem Rückfall in den aggressiven Populismus endete. Wie es dazu kommen konnte, dass die Bürger Ungarns und anderer osteuropäischer Staaten heute wieder autoritär und nationalistisch regiert werden, wie sehr die Gründe in den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, aber auch in globalen Entwicklungen zu suchen sind, das entwickelt Nádas mit Scharfsinn und Leidenschaft. Seine Kunst, das literarische Subjekt zum Schauplatz der Epoche zu machen, schließt das Nachdenken über anthropologische und moralische Fragen, über Wahrheit und Lüge, Kunst und Verbrechen, Vertrauen und Täuschung ein. Ob es um eine traumatische Erfahrung Leni Riefenstahls, „Hitlers Hofkünstlerin“, geht, um die osteuropäische Schattenwirtschaft oder um die Folgen des 11. Septembers - intellektuelles Engagement und literarische Sensibilität gehören zusammen.

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  • Verlag: Rowohlt Buchverlag
  • Erscheinungstermin: 25.09.2018
  • Lieferstatus: Verfügbar
  • 528 Seiten
  • ISBN: 978-3-498-04699-6
Book Cover
Leni weint

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  • Was Nádas schreibt, leistet nichts weniger als Erkenntnis. Es gibt kaum einen, der die Geschichte abgeklärter in Verbindung brächte mit der menschlichen Natur, Er urteilt und verurteilt nicht, auch, weil er in sich selbst das Unmenschliche entdeckt.

    Eva - Elisabeth Fischer, SZ Extra, 27. September 2018
  • Der Band "Leni weint" versammelt Essays aus den Jahren 1989 bis 2014, in denen Nádas mit jener ihm eigenen unverklärten und unkorrumpierbaren Scharfsicht neben Fragen der Ästhetik und der Literatur das unheilvolle Wechselspiel zwischen System und Individuum erkundet.

    Wiebke Porombka, FAZ.NET, 20. Oktober 2018
  • Vom Ende des Kalten Kriegs bis zur geschlossenen Balkanroute heute: Péter Nádas' Essays stammen aus dieser Zeit und versammeln Menetekel wie Hoffnungsmomente aus dem Europa des gesamten vergangenen Jahrhunderts.

    Tobias Schwartz, Der Tagesspiegel, 22. Oktober 2018
  • Ein klug komponiertes Buch, das einen ungewöhnlich politischen Autor zeigt.

    Jörg Plath, Neue Zürcher Zeitung, 13. November 2018

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