18.09.2017   von rowohlt

«Wer bist du? Wer zum Teufel bist du, Yassim?»

Packend, exzellent recherchiert, politisch aktuell: der dritte Roman in Joakim Zanders Thrillerreihe um Klara Walldéen

Wenige Tage nach dem Begräbnis von Klara Walldéens Großvater wird die bekannte Menschenrechtsanwältin Gabriella Seichelmann, ihre beste Freundin, in Stockholm verhaftet – «wegen terroristischer Aktivitäten». Zur gleichen Zeit beginnt Jacob Seger, der an der Universität Uppsala kurz vor seinem Abschluss steht, in Beirut ein sechsmonatiges Praktikum an der schwedischen Botschaft. Als er sich in Yassim, einen arabischen Kriegsfotografen, verliebt, kommt eine unheilvolle Entwicklung in Gang. In Brüssel kreuzen sich Klaras und Jacobs Wege. Gemeinsam versuchen sie, die Menschen zu retten, die ihnen am nächsten stehen. Doch wissen sie wirklich, auf welcher Seite Gabriella und Yassim stehen? 


Joakim Zander, 1975 in Stockholm geboren und in Söderköping an der schwedischen Küste aufgewachsen, ist in seinem Leben viel herumgekommen. Er hat in Syrien, Israel und den USA gelebt; der promovierte Jurist arbeitete für das Europäische Parlament und die Europäische Kommission in Brüssel und Helsinki. Seine Klara-Walldéen-Thrillern erscheinen in 31 Ländern und sorgten international für Furore: «Polit-Thriller der Extraklasse!» (Brigitte) «Mehr davon!» (NDR.de, Buchtipps)

Nichts wird jemals wieder gut sein


Klara Walldéens Großvater starb an einem kalten Novembertag 2015 im Sankt-Anna-Schärengarten. Hier, auf der kleinen Insel Aspöja, ist Klara aufgewachsen. Ihre Großeltern hatten sie aufgenommen, nachdem sie als Baby ihre Mutter, eine schwedische Diplomatin, bei der Explosion einer Autobombe in Damaskus verlor – und ihr Vater, dem das Attentat galt, spurlos aus ihrem Leben verschwand. Zwei Jahre vor dem Tod ihres geliebten Großvaters war Klara auf dramatische Weise von ihrer Vergangenheit eingeholt worden: Sie fand ihren amerikanischen Vater wieder, um ihn dann für immer zu verlieren. Es dauerte lange, bis Klara wieder ins Leben zurückfand. Um ihr zu helfen, drängte Gabriella sie, eine Stelle als Assistentin einer schwedischen Professorin am Londoner Institut für Menschenrechte anzunehmen – ohne zu ahnen, dass sie damit ihre Freundin einer tödlichen Gefahr aussetzte. (Mehr erfährt man in den beiden ersten Bänden der Klara-Walldéen-Reihe «Der Schwimmer» und «Der Bruder».)


Zurück in Stockholm muss Klara miterleben, wie Gabriella von Spezial-Einsatzkräften der Polizei aus ihrer Anwaltskanzlei Lindblad & Wiman heraus verhaftet wird. Der Vorwurf: Unterstützung terroristischer Aktivitäten – Genaueres ist nicht zu erfahren. Eine Nachbarin Gabriellas steckt Klara einen Brief zu, geschrieben in der typischen Krakelschrift ihrer Freundin: «Klara, wenn Du das hier liest, gehe ich davon aus, dass mir etwas zugestoßen ist.» Die Nachricht endet mit dem Termin für ein Treffen mit einem Informanten, der sich «Karl» nennt: Brüssel, 24. November 2015 um 16 Uhr am Palais de Justice. 


In Klara steigen die alten Ängste wieder hoch. Panikattacken, die ihr Herz rasen lassen. Quälende Bilder, die sie früher nur mit Alkohol verscheuchen konnte. Ihr Vater, der in ihren Armen stirbt. Ihr Freund Mahmoud, verblutet in einem Pariser Supermarkt. Eines aber steht für Klara außer Frage: Sie wird Gabriella nicht im Stich lassen. Und sie wird nach Brüssel reisen – egal, wer und was sie dort erwartet.

«Ich weiß nicht, wo ich da hineingeraten bin …»


Libanon im August 2015, vier Monate zuvor. Frisch von der Universität in Uppsala als Praktikant der schwedischen Botschaft nach Beirut gekommen, verliebt sich Jacob bei der Dachparty seiner Nachbarin in einen Fremden. Es ist der Moment, der sein Leben unwiderruflich auf den Kopf stellen wird: «Noch ehe er das Gesicht sieht, das zu dieser Stimme gehört, weiß er, dass sich von nun n alles ändern wird, dass es kein Zurück mehr geben kann, keine Vergangenheit, sondern nur noch die Zukunft.» 


Es ist der Beginn einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung zwischen zwei jungen Männern, die beide ein Geheimnis mit sich herumtragen. Yassim, der immer wieder für Tage oder Wochen verschwindet, um – angeblich – in Aleppo Bilder aus dem geschundenen Syrien für internationale Magazine zu schießen. Jacob, der unbedingt im diplomatischen Dienst Karriere machen will – und der in Wahrheit Matti Johansson heißt. Für ihn zählt nur eines: Er möchte seine Vergangenheit hinter sich lassen. Die Erinnerung an die graue, elende Provinz, an den verschwundenen Vater, die alkoholkranke Mutter.


Beirut erlebt Jacob wie im Rausch. Ekstatische Glücksgefühle, schreckliche Vorahnungen. Immer heftiger quälen ihn die Zweifel an der Identität seines arabischen Geliebten. Wieso verschwindet er ständig, ohne Jacob ein Lebenszeichen zu geben? Wo ist er, wen trifft er? Ist Yassim wirklich der, für den er sich ausgibt? Oder stimmt doch das, was Myriam Awad, die rabiate Agentin des Militärischen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes MUST, behauptet: «Dein Freund ist ein Terrorist. Oder schlimmer noch: Er führt die Taten nicht selbst aus, er ist Drahtzieher.» Für Jacob würde eine Welt zusammenbrechen, wäre Yassim wirklich ein verdeckt operierender IS-Kämpfer. Als dieser ihn bittet, für ihn einen Kurierauftrag zu erledigen, willigt Jacob ein …


Joakim Zanders Romane entwickeln ihre enorme Wucht und Spannung durch die wiederkehrende David-und-Goliath-Konstellation: Einzelne Individuen geraten ins Visier mächtiger, übermächtiger Gegner. Mal ist es der amerikanische CIA, mal die Säpo, der nationale Sicherheitsdienst in Schweden, oder der russische Geheimdienst. In dieser düsteren Parallelwelt, in der immer wieder «nationale Sicherheitsinteressen» mit Bürger- und Menschenrechten kollidieren, kennt Zander sich bestens aus: «Spionage ist einfach ein zynisches Geschäft – in der Realität wie in der Fiktion. Es scheint ein Naturgesetz von Regierungen zu sein, dass ‹geheime Institutionen› bis an die Grenzen dessen gehen, womit sie gerade noch so durchkommen.»  


Zanders Thriller endet mit einem atemberaubenden Showdown. Eine Flucht im Auto quer durch Europa, zurück nach Stockholm. Mit dabei: eine Speicherkarte mit hochbrisantem Material. Drei Menschen, verfolgt von Geheimdiensttypen und skrupellosen Killern, die im Zweifelsfall eher ein paar Leichen mehr zurücklassen, als ihre Auftraggeber zu enttäuschen. Was nach all dem droht, ist ein Blutbad – schrecklicher als die Terroranschläge in Paris vom 13. November 2015. Was aber hat Yassim damit zu tun, auf welcher Seite steht er? Und wie passt in dieses Szenario von Fanatismus und Gewalt eine Menschenrechtsanwältin wie Gabriella Seichelmann?

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