12.05.2017   von rowohlt

Vom Aufstieg und Fall des Hauses Sutpen

Eine große Familiensaga aus dem amerikanischen Süden: William Faulkners bedeutendster Roman «Absalom, Absalom!»

© Alfred Eriss /Time & Life Pictures/Getty Images ; iStockphoto.com
© Alfred Eriss /Time & Life Pictures/Getty Images ; iStockphoto.com

Thomas Sutpen, aus einer armen weißen Familie stammend, heiratet auf Haiti die reiche Eulalia Bon. 1833 taucht plötzlich mit einem Haufen schwarzer Sklaven, die er wie eine Leibgarde hält,  in Jefferson, Mississippi, auf, mit nichts als zwei Colts und einem Silberdollar in der Tasche. Er reißt sich  hundert Quadratmeilen Indianerland unter den Nagel, errichtet ein Herrenhaus, heiratet ein zweites Mal. Aus dieser Ehe gehen zwei Kinder hervor, Judith und Henry; aber Sutpen hat eben auch einen Sohn aus der ersten Ehe, Charles Bon, einen Studienfreund Henrys, der sich ahnungslos in Judith verliebt.  Nach dem Ende des Bürgerkriegs, der die Liebenden für eine Weile trennt, kommt es zu einer fatalen Begegnung zwischen Charles und Henry ... Jetzt als Taschenbuch in der brillanten neuen Übersetzung von Nikolaus Stingl: William Faulkners berühmtester und bester Roman, der die Erzähltechnik revolutioniert und zahlreiche Schriftsteller weltweit beeinflusst hat.

Über William Faulkner


«William Faulkner darf als eines der sieben stilistischen Weltwunder des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden.» (Neue Zürcher Zeitung)


«Faulkner entwickelte eine einzigartige Sprachfinesse, der sich niemand entziehen kann. (…) Seine Romane sind ein Lesevergnügen, wenn man dem Duktus einmal auf die Spur gekommen ist.» (Rolf Hürzeler, Die Weltwoche)


Über «Absalom, Absalom!»


«Faulkners Satzbögen spannen sich … wie die Bögen einer pflanzenhaft emporwuchernden Urwald-Kathedrale, vibrierend vor Fruchtbarkeit und überschüssigem Saft.» (Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung) 


«Eine Faulkner-Lektüre ist … eine oft mühsame Holper-und-Stolper-Partie, ohne Navi und Wegweiser, mitten durch eine undurchdringlich scheinende Landschaft und stets mit dem Gefühl, im Kreise zu fahren. Aber dafür ist die Erzähllandschaft atemberaubend schön, magisch und verwunschen, wild und gefährlich und voller exotischer Blüten.» (Martin Ebel, Tages-Anzeiger)


Über Nikolaus Stingls Übersetzung


«‹Absalom, Absalom!› … von Nikolaus Stingl wunderbar genau und stimmig ins Deutsche gebracht.» (Martin Ebel, Tages-Anzeiger)


«Die neue Übersetzung von William Faulkners Südstaaten-Epos ‹Absalom, Absalom!› ist eine wahre Pionierleistung. (…) Nikolaus Stingl,  als Übersetzer an amerikanischen Hardcore-Avantgardisten wie William Gaddis oder Thomas Pynchon geschult, hat der elefantösen Gewichtslosigkeit von Faulkners Prosa eine kongeniale deutsche Sprachgestalt gegeben. Wie Ballonseide schmiegen sich seine Wendungen an das amerikanische Original und überlassen sich allenfalls allzu unerschrocken der Archaik.» (Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung) 


«Nikolaus Stingl hat den komplexen Roman über eine Südstaatenfamilie zwischen Bürgerkrieg, Blutschande und Homosexualität kongenial übersetzt.» (Wien live)


«Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen»


William Faulkners bester und wichtigster Roman, der ihm 1950 den Literaturnobelpreis einbrachte, breitet ein ganzes Jahrhundert amerikanischer Geschichte vor uns aus. Er spielt zwischen  1807, als der spätere Südstaaten-Aristokrat und Plantagenbesitzer Sutpen geboren wurde, bis ins Jahr 1909, als sein riesiges, schon halb verfallenes Herrenhaus («Sutpen's Hundred») in Flammen aufgeht. «Und in der rauchenden Ruine erlischt zugleich der Mythos des amerikanischen Südens …» (Christopher Schmidt, SZ) Mit der Unerbittlichkeit einer griechischen Tragödie vollzieht sich ein durch Gewalt, Hybris, Rassenwahn und Blutschande herausgefordertes «Schicksal».


Dass der «Poet des amerikanischen Südens» ein writer's writer geblieben ist, bewundert von Autoren wie Gottfried Benn, Heinrich Böll, Arno Schmidt, Alfred Andersch oder Uwe Johnson, liegt an Faulkners avancierten Erzähltechnik. Mit linearem Erzählen wäre der «Homer der Baumwollfelder»  bei seinen Ambitionen nicht weit gekommen; für die Ausgestaltung seines literarischen Universums, dem fiktiven Yoknapatawpha County im nördlichen Mississippi-Delta, benötigte er eine komplexe, polyphone Struktur: mehrere Erzählstimmen, verwirrende Versatzstücke, lange Sätze von berückender Schönheit. 


«Absalom, Absalom!», der Titel des Romans, bezieht sich auf ein Gleichnis aus dem Alten Testament: auf den Klageruf König Davids, dessen abtrünniger Sohn Absalom seinen Halbbruder erschlug, nachdem dieser die Schwester vergewaltigt hatte. Faulkner selbst beschrieb «Absalom, Absalom!» einst mit den Worten: «Sutpen war ein Mann, der Söhne wollte und den die Söhne zerstört haben.» 

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