09.06.2016   von rowohlt

Mythen in Tüten

Zucker macht dick, Fett krank, Rohkost schlank, paleo schön, vegan sexy? Alles Mythen, alles erfunden, sagt Uwe Knop.

© iStockphoto.com
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Basierend auf der Analyse von mehr als tausend aktuellen Studien räumt der Autor und diplomierte Ernährungswissenschaftler Uwe Knop radikal auf mit den Märchen rund um gesunde Ernährung, ungesunde Lebensmittel, Übergewicht und Diäten. Sein Buch liefert nicht nur stichhaltiges Wissen für die eigene Ernährung – nach der Lektüre können Sie auch die Angstmacherei von Veganern, Vegetariern, Paleos, Clean-Eatern, Slow-Carbern, Fett- und Zuckervermeidern, Diätpäpsten und Co. mit einfachen, aber harten Fakten kontern. Ein Buch für «mündige Essbürger».


Fünfmal am Tag je eine Portion Obst oder Gemüse? Vergessen Sie's! «Es fehlt überall an Evidenz, dass Ernährung X gesund oder Ernährung Y ungesund ist – was nicht wundert, es sind ja reine Beobachtungsstudien», sagt Knop im Interview. «Bestenfalls zeigen die Studien Korrelationen auf – und die sind so schwach, dass sie nicht mal für eine Hypothese taugen.» Was ist eigentlich «zu süß», wann ist was «überzuckert». Uwe Knop macht Front gegen die Profiteure der «Ernährungsdiktatur», etwa die Lobbyisten von Forschungsinstituten und all die Ernährungspäpste, die mit ganzen Armeen von Ratgebern und Kochbüchern blendend im Geschäft sind.


Hier ein Blick auf einige der Thesen, die in der Summe frontal gegen den herrschenden «Ernährungswahn» gerichtet sind. Und sich für eine neue kulinarische Lebensphilosophie starkmachen:

«Andere Ernährung, gleiche Sterblichkeit»

«Ich esse, was ich will! Ich werde wieder auf meinen Hunger, meine Lust und meinen guten Geschmack vertrauen! Ich werde nicht länger auf Furchteinflößer und Verzichtspropagandisten hören, die gebetsmühlenartig predigen, genussvolles Essen sei die Quelle von Krankheit und Unglück.»


«Das mediale und vor allem sozialmediale Dauerfeuer an Lobpreisungen der eigenen Ernährungsdenkweise einerseits und Schmähungen/Bashing des ‹Essens der anderen› verunsichern viele (ernährungs)sensible Menschen. Sie wissen irgendwann einfach nicht mehr: Was ist gutes und gesundes Essen, wie esse ich richtig? Wie muss ich ‹politisch korrekt› essen, damit ich nicht krank werde und die Gesellschaft mich akzeptiert?»


«Es gibt keine Beweise, dass ‹gesunde› Ernährung die Gesundheit erhält oder fördert. Es gibt noch nicht einmal gesichertes Wissen, was ‹gesunde› Ernährung überhaupt sein soll.»


«Auch in einigen deutschen Leitmedien regt sich zunehmend Widerstand gegen den ‹Terror auf dem Teller› – viele Redakteure haben es satt, dass Ignoranten, Ideologen, Asketen und die Ernährungsindustrie den Ton bei der schönsten Hauptsache der Welt angeben wollen.»


«Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) fordert: ‹Feiert Orgien mit Messer und Gabel! Werden wir doch endlich ein Volk von Genießern. Essen macht Spaß. Und sehr gutes Essen macht sehr viel Spaß. Wir müssen viel öfter auf den Verzicht verzichten und uns stattdessen der Wollust am Tisch hingeben und manchmal sogar der Völlerei.›»

«Keine Sexregeln, keine Ernährungsregeln»

«Könnte kann alles … Wären diese Meldungen jedoch im Konjunktiv formuliert, dann wäre die Aussage wiederum in Ordnung. Aber ‹Obst könnte vor Herzinfarkt schützen›, ‹Fleischkonsum könnte das Sterberisiko erhöhen› oder ‹Salzreduktion könnte vor Herzschwäche schützen›, das klingt einfach zu lasch.


«Für Ernährungskampagnen wie ‹5 am Tag› muss gelten: entweder den Nutzen nachweisen oder den Mumm haben, sie zu stoppen! (…) Der gesamte staatliche Aktionismus zur Bevormundung des bürgerlichen Essverhaltens basiert auf reiner Willkür.»


«Trendfalle vegane Ernährung: Im Prinzip entsteht ein neuer ‹Ernährungshype› ganz einfach, wenn die Zeit dafür reif ist. Irgendein dicker, unzufriedener Bürokaufmann ändert sein ganzes Leben, wird dabei auch Veganer, nimmt ab, fühlt sich top und schreibt ein Buch ‹Wie ich vom dicken Fleischesser zum fitschlanken Veganer wurde›. Je nach Marketingbudget cleverer Verlagsmanager wird diese essgetriggerte persönliche Katharsis dann zur allgemeingültigen Weisheit, zum neuen Trend stilisiert – besonders, wenn man noch ein paar gutaussehende Prominente an den Tisch holt.»


«Vegetarische und vegane Ernährung sind Moden, die mehr der Profilierung der Persönlichkeit als der Gesundheit dienen – und bei denen ‹Heilsbringer›-Wirkungen unters Volk gebracht werden, angesichts derer sich Baron von Münchhausen vor Wonne im Grabe wälzt.»


«Diäten sind doppelt und dreifach ‹böse›! Denn sie machen den Körper dicker, die Geldbörse schmaler und die Psyche krank. Halten Sie sich von Diäten fern!»


«FAZIT: Jeder Mensch is(s)t anders – daher kann nur der eigene Körper wissen, welches Essen gut und gesund für dieses eine ‹kulinarische Körperunikat› ist.»

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