10.10.2018   von rowohlt

Teresas Sommer

«Paolo Giordano führt seine Leser zu den wenigen Fragen, die im Leben wirklich zählen. Fesselnde Prosa von großer Reife.» (La Stampa)

© Scarlett Werth
© Scarlett Werth

Sie sind Öko-Aktivisten, Frauen auf der Suche nach Selbstbestimmung, Männer mit ungewöhnlichen Idealen. Teresa lebt mit ihren Eltern in Turin, doch die Sommerferien verbringt sie jedes Jahr bei der Großmutter in Apulien und in einem ganz besonderen Jahr auch mit den Nachbarjungen Bern, Tommaso und Nicola. Die vier Freunde sind unzertrennlich, bis zwischen Bern und Teresa etwas Neues entsteht: die erste große Liebe. Über zwanzig Jahre – von den Neunzigern bis heute – erzählt Paolo Giordano die Geschichte von Menschen, die sich immer wieder finden und verlieren. Mit einer emotionalen Präzision wie kein zweiter schreibt der promovierte Physiker Giordano über Liebe, Freundschaft und Verlust.

«So gestochen scharf sind Seelenbilder selten» (Kölnische Rundschau)


Mit seinem Debüt «Die Einsamkeit der Primzahlen»
(2008) avancierte der damals 26-jährige Paolo Giordano zum gefeierten Bestsellerautor. Neben der literarischen Arbeit trieb der gebürtige Turiner seine Dissertation über Teilchenphysik voran (was sich immer wieder in hinreißenden Formulierungen wie der «Hysterie der Moleküle» niederschlägt). Fünf Jahre nach seinem Debüt legte Giordano mit «Der menschliche Körper» einen eindringlichen Roman über eine Gruppe italienischer Soldaten vor, die in Afghanistan ein Militärcamp mitten im Taliban-Gebiet verteidigen soll – bis ein folgenschwerer Vorfall das Leben aller Beteiligten für immer verändert. «Ein kleines Meisterwerk: spannend, dicht, verstörend.» (Stern)


«Schwarz und Silber», der dritte hochgelobte Roman des italienischen Autors, erzählt die Geschichte einer jungen Familie, die durch den Tod ihrer geliebten Kinderfrau in eine existenzielle Krise gerät. Nicht nur in Italien wurde «Schwarz und Silber» als «eines der schönsten Bücher der letzten Jahre» (Corriere della Sera) gefeiert. Weil es in einer unaufgeregten, klaren, schönen Sprache geschrieben ist. Und weil es um Fragen kreist, die uns alle angehen: Was hält Menschen zusammen, was trennt sie? Was passiert, wenn plötzlich jemand fehlt, der immer da war?


«Ich glaube, es gibt nichts Interessanteres für einen Schriftsteller, als den Menschen von seinen ‹untersten›, den animalischen Neigungen bis hinauf zu den heldenhaftesten und glanzvollsten erforschen zu können.» Menschen in Extremsituationen, das ist Giordanos Thema in allen seinen Büchern – auch in seinem neuen Roman «Den Himmel stürmen».

«Wenn du nächstes Jahr wiederkommst, wird sich nichts geändert haben.»


Jeden Sommer
verbringt Teresa bei ihrer Großmutter in Apulien. Raus aus der Großstadt, aufs Land. Eines Nachts brechen die drei Nachbarjungs ein, um in Großmutters Pool zu schwimmen – und Teresa weiß, dass sie die Jungs kennenlernen muss. Auf dem Nachbarhof eröffnet sich ihr eine neue Welt: Frösche werden nicht mit Chlor getötet, sondern behutsam gerettet. Jedes tote Insekt wird bestattet. Es wird gemeinsam gesungen und gebetet. Die Pflanzen werden gut und schonend behandelt, und fast wie zum Dank beschenken sie die fleißigen Menschen mit einer reichen Ernte.


«Sie gehören einer Art … Sekte an», sagt Teresas Großmutter. Cesare, der religiöse Prediger und Herr des Hauses, seine Frau Floriana, der Sohn Nicola und Tommaso und Bern, die das Ehepaar bei sich aufgenommen hat. Trotz - und wegen - der Andersartigkeit fühlt Teresa sich ohl und die vier Jugendlichen werden unzertrennlich. Teresa und Bern verlieben sich. Einen endlosen Sommer lang. «Wenn du nächstes Jahr wiederkommst, wird sich nichts geändert haben», sagt Bern zu Teresa. Aber im nächsten Jahr findet Teresa das Nachbarhaus verlassen vor.

«Keiner von uns hat das Recht, Bern Grenzen zu setzen …»


Einige Jahre später,
Teresa hat inzwischen erfolgreich ihren Schulabschluss gemacht und studiert, sieht sie bei der Beerdigung ihrer Großmutter Bern wieder. Ihre Jugendliebe, die sie nie vergessen hat, nie vergessen könnte. Bern wohnt wieder nebenan, aber mit ihm leben Umweltschützer in einer Art Kommune. Sie bewirten gemeinsam den Hof – aber nicht mit derselben Art von naiver Naturromantik, wie Cesare es tat. Sie treten bedingungslos für ihre Anliegen ein – Naturschutz um jeden Preis, koste es, was wolle.


Am Küchentisch sitzt jetzt auch Teresa, fasziniert von der Leidenschaft der Gruppe, den ausgeklügelten Aktionen. Und sie bleibt. Auch als ihr Erbe dem gemeinsamen Zweck zufließt, auch wenn Bern noch immer nicht seinen eigenen Kopf hat. Immerhin bleibt auch er, als die anderen zu weiteren Aktionen ausziehen. Aber ihr Glück will einfach nicht glücken, und so wendet sich Bern wieder den Aktivisten zu – mit verheerenden Folgen.

«Viele Jahre früher hatte Großmutter mir gesagt, dass man nie aufhört, jemanden kennenzulernen.»


Zwischen diesen Erzählsträngen
springen wir im Roman viele Jahre in die Zukunft. Teresa und Tommaso schauen zurück auf diesen ersten Sommer, auf Teresas Leben mit Bern und allem was dazwischen war. Tommaso fügt die Puzzleteile für Teresa zusammen – und für uns Leser, die wir merken, wie wenig wir die doch liebgewonnenen Personen kennengelernt haben.


Tommaso erzählt von dem, was verborgen blieb. Von Nicola, der von seinen Eltern bevorzugt wurde: Er durfte als einziger zur Schule gehen, bekam einen eigenen Computer, Zugang zur Außenwelt. Von Cesare, wie er Teresa und Bern, im Schilf versteckt, beim Sex zuschaute. Von Bern, der Nicola und Tommaso mit zur Ausreißerin Violalibera in den Turm nimmt, wo die vier nächtelange Orgien feiern. Von Violalibera, die nicht schwanger sein wollte. Von Nicola, der Polizist wurde. Von Bern, der Umweltaktivist wurde. Und von jener Nacht, in der die beiden ungleichen Brüder sich gegenüberstanden …

Den Himmel stürmen

Den Himmel stürmen

In dem Bestseller aus Italien schreibt Paolo Giordano über vier junge Leute, die ihre Träume leben. Sie sind Öko-Aktivisten, Frauen auf der Suche nach Selbstbestimmung, Männer mit ungewöhnlichen Idealen.
Teresa lebt mit ihren Eltern in Turin, doch die Sommerferien verbringt sie jedes Jahr bei der Großmutter in Apulien, mit den Nachbarjungen Bern, ...  Weiterlesen

Preis: € 22,00
Seitenzahl: 528
Rowohlt
ISBN: 978-3-498-02533-5
09.10.2018
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
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