05.04.2019   von rowohlt

«Gestatten, Vorstadtprinz.»

Die Geschichte vom kleinen Matthias. Erzählt vom großen Egersdörfer.

© Stephan Minx
© Stephan Minx

Im Franken-Tatort spielt er den grummeligen Chef-Spurensicherer, auf der Bühne gibt er am liebsten den Grantler, und jetzt ist Matthias Egersdörfer auch noch unter die Autoren gegangen. In «Vorstadtprinz» erzählt der preisgekrönte Kabarettist von einem Kind, das wider Willen erwachsen werden muss, und das sich mit einer unbändigen Phantasie über diese enorme Zumutung hinwegträumt und -kämpft.

DAS INTERVIEW


Herr Egersdörfer, jetzt mal ganz ehrlich: Ist Ihnen zwischen Ihren Bühnenprogrammen und den Dreharbeiten zum Tatort langweilig geworden, oder wie sind Sie darauf gekommen, ein Buch zu schreiben?

Der herzensgute Rowohlt Berlin Verlag hat immer wieder mit Engelszungen auf mich eingeredet, ich soll doch ein Buch schreiben. Und dann habe ich mein hart gewachsenes Herz erweichen lassen und hab mich in meiner spärlichen Freizeit auf meinen Hintern gehockt und hab dieses Buch geschrieben. Manchmal war mir langweilig, das war zwar nicht so oft der Fall, aber damit habe ich dann die Langeweile komplett ausgetilgt.


Wie war es denn, an einem dreihundert Seiten langen Roman zu schreiben – das ist ja schon was anderes als Stand-up-Comedy, oder?
Stand-up-Comedy mach ich ja sowieso nicht. Das sind ja Geschichten die ich erzähle, die auch manchmal länger sind. Es war eigentlich ganz wohltuend, Gedanken mal in aller Ruhe auswälzen zu können und sich dann zu überlegen, was nach so einem Gedanken vielleicht als nächstes folgen kann. Ich habe das als sehr angenehm empfunden, wenn es geflutscht ist. Wenn es nicht geflutscht ist, war es eher unangenehm.


Die Fans werden ihren Matthias Egersdörfer also im «Vorstadtprinzen» wiedererkennen?
Die Fans wissen ja, dass ich öfter mal Geschichten aus der Kindheit erzähle. In dieser Pausenlosigkeit wird es vielleicht den einen oder anderen überraschen, aber grundsätzlich sind sie vorgewarnt, was da passieren kann.


Der Untertitel lautet «Roman meiner Kindheit». Da muss die Frage muss gestattet sein: Wie viel Autobiografisches steckt drin?
Der Vorstadtprinz fängt noch vor meiner Zeugung an, aber die Geschichte ist eine Mutmaßung. Da bin ich selber nicht dabei gewesen. Der Roman erzählt dann die Wirrnisse, Abenteuer und Fallgruben, die ein junger Mann beim Heranwachsen erlebt. Viele Sachen sind übertrieben. Manche Sachen entsprechen vielleicht mehr einer Wunschvorstellung als der tatsächlichen Realität. Viele Sachen sind aber leider fast wirklich so passiert.


Was glauben Sie: Wer wird besonders viel Freude beim Lesen haben?
Hei, das ist immer schwierig. Es gibt erwachsene Menschen, denen man immer noch ansieht, dass sie irgendwann mal Kinder waren, die sich irgendwas Kindhaftes erhalten haben. Es ist jetzt die Frage, ob solche Menschen größere Freude dran haben, oder Menschen, die versucht haben zu vermeiden, kindisch zu sein. Unter Umständen gefällt es beiden. Bei jedem, der mal Kind war, ist es ja so, dass es da oft schöne Geschichten zu erzählen gibt. Und vielleicht erinnert er sich wieder an die seinigen, wenn er dann meine liest.

Vorstadtprinz

Vorstadtprinz

In "Vorstadtprinz" erzählt Matthias Egersdörfer von einem Kind, das wider Willen erwachsen werden muss und sich mit unbändiger Phantasie über diese Zumutung hinwegträumt. Existenziell, originell und sehr komisch! Für manche Menschen war die Geburt dann auch schon das spektakulärste Ereignis im Leben. Nicht für Matthias. Seine Phantasie verwandelt ...  Weiterlesen

Preis: € 20,00
Seitenzahl: 320
Rowohlt Berlin
ISBN: 978-3-7371-0009-0
26.03.2019
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
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