Sechs Mythen über das Lesen

Lesen macht stark
  • 1. Mythos: Damit Kinder zu selbstbewussten und selbstständigen Leser*innen heranwachsen, ist es das Wichtigste, ihnen vorzulesen

DIE FAKTEN: Kindern vorzulesen, ist unglaublich wichtig! Laut aktuellen Studien ist es jedoch ebenso wichtig, dass Kindern zu Hause eine Menge Bücher zur Verfügung stehen. Kinder, die von Büchern umgeben sind, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Leser*innen. Wenn dann auch noch die Erwachsenen zu Hause mit Freude zu Büchern greifen, umso besser!

  • 2. Mythos: Je früher Kinder Lesen lernen, desto sicherere Leser*innen werden sie später sein.

DIE FAKTEN: Wann Ihre Kinder Lesen lernen, steht in keinem Zusammenhang damit, wie gut oder sicher sie später lesen können. Jedes Kind erlernt das Lesen in seinem ganz eigenen Tempo. Hier bei uns lernen die meisten Kinder mit 7 oder 8 Jahren, selbstständig zu lesen, später als in anderen Teilen der Welt. Warum? Erst in diesem Alter sind die meisten Kinder dazu in der Lage, zu dekodieren (ein wesentlicher Aspekt beim Lesen). Nicht selten haben die gefräßigsten Leser*innen spät angefangen, Bücher zu verschlingen, als ihnen schon komplexes Lesefutter zur Verfügung stand, das ihr Interesse geweckt und sie zum Weiterlesen inspiriert hat.

  • 3. Mythos: Lesen Kinder ein und dasselbe Buch wieder und wieder, ist das ein Zeichen dafür, dass sie feststecken.

DIE FAKTEN: In jedem Alter wachsen wir daran, wenn wir etwas erneut lesen. Wenn Sie Babys und Kleinkindern ein Buch wieder und wieder(und wieder und wieder) vorlesen, profitieren die Kinder davon, indem sie nach und nach eine Verbindung zwischen den Lauten und der dazugehörigen Bedeutung herstellen, sie entwickeln ein Gespür für den Rhythmus und machen sich mit Wörtern vertraut. Ältere Kinder profitieren emotional und kognitiv davon, wenn sie erneut zu ihren «Trostbüchern» greifen. Oft werden uns bestimmte Themen, die sich in einem Text verbergen, erst nach dem zweiten Lesen bewusst. Das geht nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen so. Viele von uns lieben es, sich ein zweites oder sogar drittes Mal in ein Buch oder einen Film zu versenken. Dabei geht es oft nicht nur um den erneuten Genuss der Lektüre, sondern es ist auch eine besondere Form der Wertschätzung.

  • 4. Mythos: Eltern sollten ihren Kindern möglichst früh, etwa während der Vorschulzeit, das Lesen beibringen und dann kontinuierlich dranbleiben, damit ihre Kinder von Jahr zu Jahr besser werden.

DIE FAKTEN: Kinder erlernen die Kulturtechnik des Lesens in der Schule. Zu Hause lernen sie, das Lesen zu lieben. Die Aufgabe der Eltern besteht nicht darin, ihren Kindern das Lesen beizubringen. Statt sich zu fragen: „Wann wird mein Kind endlich lesen?“ oder: „Wie gut liest mein Kind?“ sollte die Frage lauten: „Wie kann ich die Lust aufs Lesen fördern?“, „Für welche Bücher könnte mein Kind sich begeistern?“ und „Wie können wir als Familie gemeinsame Lesezeit genießen?“ Ein Kind zu drängen und unter Druck zu setzen, das noch nicht dazu bereit ist, zu lesen, ist nicht nur aussichtslos, sondern führt womöglich dazu, dass es Bücher mit negativen Gefühlen assoziiert. Wenn Sie Lesen als eine Form des Vergnügens verstehen, als etwas, das Spaß macht, ist es wahrscheinlicher, dass Ihre Kinder Bücher und das Lesen darin ebenso wahrnehmen.

  • 5. Mythos: Ich kann es kaum erwarten, meinem Kind Harry Potter vorzulesen!

DIE FAKTEN: Harry Potter ist fantastisch. Dennoch gibt es keinen Grund, es mit der Lektüre zu überstürzen; Ihre Kinder werden ganz von selbst danach greifen, wenn sie bereit sind. Der erste Harry Potter-Band richtet sich an Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, die folgenden Bände an Kinder ab 10 und älter. Als Eltern müssen Sie Ihre Kinder nicht dazu drängen. Ihre Kinder finden selbst einen Weg in das Harry Potter-Universum.

  • 6. Mythos: Wenn Kinder einmal angefangen haben, Kinderbücher zu lesen, ist es an der Zeit, die Bilderbücher wegzupacken.

DIE FAKTEN: Bilderbücher sind Kunstwerke und eignen sich ganz hervorragend, wenn es darum geht, eine saftige Geschichte zu erzählen. Wie Sie Ihren Kindern im Museum zeigen, ein Kunstwerk zu betrachten und es wertzuschätzen, können Sie ihnen auch die Liebe zu Bilderbüchern näherbringen. Bilderbücher sollten in der Kindheit – und darüber hinaus – Teil des Leselebens bleiben. Wenn ein Kind anfängt, selbstständig zu lesen, sollten Sie als Eltern weiterhin an jedweder Form illustrierter Bücher festhalten – dazu zählen auch Comics und Graphic Novels, Formen, die immer beliebter werden, unter anderem auch, weil sie wunderbar geeignet sind, eher skeptischen Leser*innen (eigentlich allen Leser*innen) vor Augen zu führen, eine Geschichte zu wertschätzen. PS: Sogenannte Coffee Table Books sind Bilderbücher für Leser*innen jeden Alters.

Die Texte wurden von Workman Publishers in Zusammenarbeit mit Pamela Paul und Maria Russo erstellt, danach wurde er uns im Original zur Verfügung gestellt, er wurde durch uns übersetzt.

In dem Buch Lesen macht stark finden Sie viele weitere Tipps und Empfehlungen, wie Sie Kinder für das Lesen begeistern – nach Altersgruppen und Themengebieten unterteilt. Ein perfektes Nachschlagewerk für Eltern, Großeltern und alle, die Bücher lieben und ihre Liebe mit der nächsten Generation teilen möchten.

Lesen macht stark

Was wir als Kinder lesen, prägt uns ein Leben lang. Wer erinnert sich nicht daran, wie es war, sich mit seinem Lieblingsbuch auf die Couch zu kuscheln und stundenlang in Geschichten zu versinken, gemeinsam mit Atréju auf Fuchurs Rücken gen Elfenbeinturm zu fliegen, mit Ronja Räubertochter über den Höllenschlund zu springen, mit Harry Potter den Zauberstab zu schwingen – Expecto Patronum!
Maria Russo und Pamela Paul haben mit LESEN MACHT STARK ein Buch geschrieben, das Eltern, Großeltern, Lehrern und Kindergärtnern dabei zur Seite steht, Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum selbstbewussten Leser zu unterstützen.

Dieses Buch ist angefüllt mit kreativen Ideen, wie man die Lust am Lesen entfacht, es ermutigt zum Vorlesen, es singt ein Loblied auf die Arbeit der öffentlichen Bibliotheken, die Arbeit von engagierten Buchhändlern und Gemeinden, es hilft dabei, eine Auswahl zu treffen, und in einer Welt voller Ablenkungen Ruhe zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass die Liebe zur Literatur dennoch wachsen wird. Es birgt einen unermesslichen Schatz an Erfahrungen und praktischen Tipps, wie wir Kinder und Jugendliche für das Lesen, für Bücher und Geschichten begeistern können: Ergibt es wirklich Sinn, einem Baby etwas vorzulesen (Ja!); Welche Bücher bereiten einem Kleinkind Vergnügen? (Und welche trotzen seinen Zähnchen?); Wie unterstützt man einen angehenden Leser? (Mut zur Ganz-Körper-Lesung!); Und wie hält man die Leselust auch über die bewegten Teenagerjahre hinweg lebendig? (Geduld, Geduld, Geduld!)
In vier Kapiteln, die sich den verschiedenen Lesealtern widmen, wartet jede Seite dieses reich illustrierten Buches mit nützlichen Tipps auf, ob es nun darum geht, Leserituale zu erdenken, den ersten Bibliotheksausweis zu beantragen oder eine scheue Lesemaus zu motivieren. Das Buch schließt mit Leselisten, die randvoll sind mit thematischen Buchempfehlungen für jedes Alter und von Kinder- und Jugendbuchexperten und -expertinnen zusammengestellt wurden.

Ein unverzichtbarer Wegweiser, um Kinder in der Welt des Lesens willkommen zu heißen und ein Muss für jede Familienbibliothek.

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