Annas Bruder lebt zurückgezogen auf Grönland, und schon immer haben den älteren Alex nur Eis und Einsamkeit fasziniert. Nach dem Tod der Eltern will Anna ihm ein Gemälde bringen, das Einzige aus dem Familienhaus am Rebberg, das Alex liebte. Während Anna in der Arktis mit ihren tausend Arten von Weiß nach ihm sucht, brechen alle Geheimnisse der Familie ans Licht, einer fast normalen deutsch-schweizer Familie, die am Bodensee wie fern von den Zeitläuften lebte. Und trotzdem griffen Kriege und Verwerfungen heftig in ihr Leben. Da ist die Geschichte des befreundeten Malers Otto Marquard, der Verfolgten zur Flucht verhalf und selbst verhaftet wurde. Der Großvater Josef, der «Wunderdoktor», der das Eisbaden übertrieb. Und nicht zuletzt die Liebesheirat von Annas deutscher Mutter mit dem schönen Schweizer Paul – aus der ein großes, stilles Drama der Fremdheit wurde. Während Anna alles erzählt, die guten und schlimmen Stunden, die Wunden und Schmerzen, entdeckt sie aber auch die heilende Kraft von Schönheit und Nähe, die trotz allem immer da waren. Und kann das zersplitterte Familienbild neu zusammensetzen.