Zweite Wende

Warum Ostdeutschland uns alle angeht

Im Osten entscheidet sich die Zukunft unserer Demokratie.

Wende verschlafen, Lebensleistungen entwertet, Chefsessel westdeutsch besetzt – eine wirklich gerechte Einheit wurde verpasst. Nicht nur politisch, auch medial, wirtschaftlich und im Alltag: Ostdeutschland wird oft karikiert, als Klischee statt als Realität wahrgenommen.

Marieke Reimann, 1987 in Rostock geboren und im Plattenbau aufgewachsen, kennt die Brüche aus erster Hand. Als Journalistin und ehemalige Chefredakteurin kämpft sie seit Jahren für eine Sichtbarkeit, die über den «Jammer-Ossi» hinausgeht. Warum finden Einheitsfeiern ohne Ostdeutsche statt? Warum ist Friedrich Merz froh, im Westen geboren zu sein? Warum wird da am rechten Rand gewählt, wo es viel Abwanderung und wenig Frauen gibt? Und können Angela Merkel und Tokio Hotel Vorbilder sein?

Marieke Reimann verbindet persönliche Reportage mit scharfer Analyse und benennt die Leerstellen unserer Gesellschaft auf brillante, ungeschönte Art. Ihr Buch ist ein eindringlicher Appell für den Osten – und für eine Zukunft, in der unsere Demokratie nur gewinnen kann, wenn die Wende endlich bei allen ankommt.

«Genau so eine streitbare Stimme brauchen wir jetzt.» Giovanni di Lorenzo

«Marieke Reimann mischt sich pointiert und meinungsstark ein. Erfrischend und unverstellt!» Steffen Mau

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Die Journalistin und Autorin Marieke Reimann steht für eine junge Generation, die ihre ostdeutsche Identität selbstbewusst vertritt, Ungleichheit zwischen Ost und West thematisiert.

Antonie Rietzschel,
rnd.de, 06. August 2026

Ein wütender Weckruf zur großen strukturellen Ungleichheit zwischen Ost und West.


Ostsee-Zeitung, 03. September 2026

Die Themen in «Zweite Wende»

Ob pauschales «Ossi»-Meckern, Plattenbau-Klischees oder die verengte Krisen- und Wahlberichterstattung: Es ist Zeit, Schluss mit abgenutzten Vorurteilen zu machen. Obwohl knapp ein Fünftel der Menschen in Deutschland ostdeutsch sozialisiert ist, bestimmt in Medien, Wirtschaft und Justiz noch immer die westdeutsche Perspektive den Diskurs. Nur 12,2 Prozent der deutschen Spitzenpositionen sind mit Ostdeutschen besetzt. Marieke Reimann räumt mit vereinfachenden Stereotypen gründlich auf. Sie legt offen, was passiert, wenn eine Bevölkerungsgruppe durch klischeehafte Zuschreibungen bevormundet wird, statt auf Augenhöhe stattzufinden. Ein dringender Weckruf für echte Repräsentanz und vielschichtige Realitäten.

Durchschnittlich hunderte Euro weniger Bruttolohn im Monat, deutlich geringeres Vermögen und kaum vererbtes Immobilieneigentum: Die wirtschaftlichen Gräben zwischen Ost und West bestehen fort. Hinzu kommen krasse demografische Verschiebungen in ländlichen Regionen, in denen die Abwanderung junger Frauen zu extremen Männerüberschüssen und Überalterung führte. Marieke Reimann legt die Versäumnisse der etablierten Parteienlandschaft offen. Sie macht verständlich, dass politischer Unmut und radikale Wahlergebnisse nicht aus dem Nichts kommen, sondern das Resultat jahrzehntelanger struktureller Vernachlässigung und fehlender Repräsentanz sind.

Während westdeutsche Frauen lange gegen das konservative Ideal der Hausfrauenehe ankämpften, prägte die DDR eine jahrzehntelange Tradition voll erwerbstätiger und finanziell unabhängiger Frauen. Nach 1990 wurden Millionen Ost-Frauen jedoch zu den Hauptverliererinnen der Transformationszeit und sahen ihre Berufsbiografien entwertet. Das Buch beleuchtet das ostdeutsche Selbstverständnis erwerbstätiger Mütter, den regional unterschiedlichen Gender Pay Gap sowie die Mängel in der westdeutschen Kinderbetreuungsinfrastruktur. Eine analytische Betrachtung von Frauenbildern, echter Vereinbarkeit und der Rolle politischer Vorbilder wie Angela Merkel.

«Zweite Wende» ist weder nostalgische Verklärung noch reine Anklageschrift, sondern eine fundierte Fundamentalkritik an schiefen gesellschaftlichen Verhältnissen. Marieke Reimann verknüpft persönliche Erfahrungen aus ihrer Kindheit im Rostocker Plattenbau mit medien- und soziologischer Schärfe. Das Buch richtet sich an Menschen mit ostdeutschen Wurzeln ebenso wie an Leserinnen und Leser aus dem Westen, die die ostdeutschen Identitäts- und Transformationserfahrungen dechiffrieren wollen. Ein unverzichtbarer Beitrag zur Erinnerungskultur, der aufzeigt, wie wir gesellschaftliche Spaltungen überwinden und Zusammenhalt neu gestalten.

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  • ISBN: 978-3-498-00977-9
  • 240 Seiten
  • Autorin: Marieke Reimann
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