25.07.2016   von rowohlt

Wo ist Adam Danowski?

Der dritte Fall für Till Raethers Kriminalkommissar Danowski: «Eine herausragende Figur im Krimi-Dschungel.» (Bernhard Aichner)

© iStockphoto.com
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Vermisst, verschwunden ...


Adam Danowski: Kriminalkommissar, Sektion Operative Fallanalyse  beim LKA Hamburg. Als Berliner nach Hamburg gekommen; Anfang 50; verheiratet, 2 Kinder; wohnhaft in Hamburg-Finkenwerder.
«‹Adam, du machst dir doch keine Illusionen, oder? Du bist uns aufgedrückt worden vom Präsidium. Nichts in deiner bisherigen Laufbahn spricht dafür, dass du für die Operative Fallanalyse prädestiniert bist … Nebenbei bist du allerdings zum Sicherheitsrisiko geworden, weil du bei deinen letzten großen Fällen, im Tunnel und auf dem Kreuzfahrtschiff, gegen ungefähr ein Dutzend Vorschriften verstoßen und das LKA in Schwierigkeiten gebracht hast.› – ‹Ich bin doch kein Idiot›, sagte Danowski.»


Besondere Kennzeichen: Hypersensibel, «zu viel Gefühl» – Spitzname «Hypersensibylle». Ausgeprägter Eigensinn; unbekümmertes Verhältnis zu Dienst- und sonstigen  Vorschriften. Häufig begleitet von seiner Mutter (die seit über 30 Jahren tot ist).
«Sein neuer Job stresste ihn zwar nicht mehr so, wie es der alte getan hatte, seine Kopfschmerzen waren fast weg und die Dauererschöpfung nur noch eine gelegentliche. Aber schlechte Laune hatte er immer noch zu oft. Er dachte daran, was der Amtsarzt gesagt hatte, nachdem Danowski ihm gebeichtet hatte, dass er auch den zweiten Meditationskurs und die Gesprächstherapie geschmissen und die Selbsthilfegruppe für Hypersensible nie besucht hatte: ‹Wissen Sie, vielleicht ist es auch nur das Leben.›»


Freunde: Nur zwei: seine Kollegen Finzi und Meta. Die aber würden für Adam durch jeden Sturm und jedes Feuer gehen.
«Erstaunlich, dass Finzi und er sich halbwegs aus der alten Scheiße gezogen hatten. Jeder auf seine eigene Weise. Finzi, indem er dem Alkohol und der Berufsunfähigkeit durch die Versetzung zur Fahrradstreife entgangen war, und Danowski, indem er den Stress der Ermittlungsarbeit hinter sich gelassen hatte … Alles, was ihn über Jahre zermürbt und erschöpft hatte, hatte er zurückgelassen und eingetauscht gegen die übersichtliche Personalstruktur und das Aktenstudium der Operativen Fallanalyse.»


Der Vermisste wurde zuletzt gesehen in Friederikenburg an der Nordsee – ein Ort, der vom Tourismus und der Windkraftindustrie lebt. Adam Danowski wird nach Friederikenburg zur Soko «Leuchtturm» delegiert, um den örtlichen Polizeikräften bei der Aufklärung eines Doppelmordes zur Seite zu stehen. Hier scheint alles irgendwie mit dem wichtigsten Arbeitgeber der Region zu tun zu haben, mit der Silventia, der Betreiberfirma der Offshore-Windparks vor der Küste.
«Wissen Sie, Windpark, das klingt so hübsch und beschaulich, oft ist ja auch von Farm die Rede oder so, als würden wir da ganz beschaulich Wind ernten, aber … das sind Hunderte von großen Kraftwerken, wir erzeugen da große Mengen Strom unter widrigen Bedingungen, bei rauer See, in ausgewiesenen Starkwindgebieten.»

Freundinnen für immer – «bis in den Tod»


Wer sind die Toten? Zwei Frauen, auf dem Weg zum roten Leuchtturm vergewaltigt und erdrosselt: Corinna Karlsson und Stephanie Rother. Gemeinsam mit ihrer Freundin Imke Billings nannte man sie damals die «Leuchtturmkinder».
«Das Dreiergespann, hatte ihr Vater gesagt, als wären sie Pferde gewesen, was ihr anfangs sehr gefiel, ab dreizehn, vierzehn dann aber gar nicht mehr. Wer wollte denn ein Pferd sein. Die drei von der Zankstelle, hatte ihre Mutter gesagt, wenn es mal wieder zwischen ihnen geknallt hatte. (…) Wenn sie das Wort ‹Leuchtturmkinder› dachte, waren die Tränen wieder da. Leuchtturmkinder, weil die Eltern auf der Insel Kellum, die ihre Kinder vermissten, abends am Strand standen und dort zumindest den Leuchtturm sahen, der damals noch in Betrieb war.»


Drei Mädchen, ein Geheimnis. «Freundinnen für immer, bis in den Tod –» diesen Pakt haben die Drei einst geschlossen. Nur einer außer Corinna, Imke und Stefanie weiß von diesem Gelöbnis …
«Hast du auch so Angst, Imke? Liegst du nachts auch wach und denkst an Cori? Bist du auch so allein? Und weißt du, wie leid mir das alles tut, Imke? Ich glaube, Imke, das hat alles mit früher zu tun. Dass Cori tot ist. Ich glaube, das ist wegen früher. Wegen damals.»


Was macht die Polizei? Ordnet einen Massen-Gentest bei sämtlichen Männern im zeugungs- und vergewaltigungsfähigen Alter an. Und Polizeischutz für Imke – die unmittelbar darauf verschwindet …
«‹Massen-Gentest›, sagte einer der Kollegen aus Hannover. ‹Wissen Sie, was das kostet und wie groß die Erfolgsaussichten bei sowas sind?› – ‹Das sind etwa 2500 bis 3000 Personen›, sagte Danowski.» – ‹Das kann einfach keiner von hier gewesen›, sagte der Kollege Leuken aus dem örtlichen Revier. ‹Wenn ihr über Wahrscheinlichkeit und sowas redet, dann schaut auch mal, dass hier seit dem Krieg kein Einheimischer ein Kapitalverbrechen verübt hat …›»


Gesucht wird … Es gibt nur zwei Orte, wohin man Menschen ohne großes Aufsehen verschleppen kann. Der verwaiste Ferienpark von Friederikenburg – oder der wind- und wasserumtoste Offshore-Windpark draußen im Meer … 
«Wenn das hier ein Steuerungsraum der Firma Silventia war, die Windkrafträder in die Nordsee pflanzte, dann war er in der Gondel eines solchen Windrads, direkt hinter dem Rotor, hundertzwanzig Meter über dem gleichgültigen Meer. Vierzig, fünfundvierzig Kilometer vom Ufer der letzten Inselreihe entfernt, gerade so weit, dass von dort niemand mehr die kilometerbreiten Reihen von Windkrafträdern sehen konnte. Wegen der Erdkrümmung.»

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