22.02.2016   von rowohlt

«Kann man die Liebe nicht schnell einfrieren, bevor sie verdirbt?»

Mara Schindlers wunderbares Kinderbuch über die Aufs und Abs der Liebe

© Dorothée Böhlke
© Dorothée Böhlke

Wie ist das mit der Liebe – kann sie plötzlich, von einem auf der anderen Tag, verlorengehen? Das fragt sich die 10-jährige Freddi, nachdem ihre Mama die Koffer gepackt hat und «übergangsweise» aus dem Dörfchen Hoppelstein nach Berlin gezogen ist. Seit sie fort ist, sitzt ihr Papa trübsinnig in seiner Werkstatt. Zum Glück hat Freddi ja noch ihren Hund Valle Müs. Und einen neuen Jungen (samt riesigem Neufundländer) gibt es auch in der Nachbarschaft … Mara Schindler erzählt eine  von Dorothée Böhlke hinreißend illustrierte Geschichte über die Aufs und Abs im Leben und der Liebe:  warmherzig, lustig … und mit einem charmanten Happy End.

Was soll Berlin haben, was Hoppelstein nicht hat?

Das ist wirklich die Frage. Denn eigentlich ist Hoppelstein ein großartiger Ort, um dort Kind zu sein, findet Freddi. In dem Dorf im Mecklenburgischen gibt es zwar keine Kirche, dafür aber ein Schloss (also ein Gutshaus, das aber echt was hermacht!), einen Märchenwald, ein Storchennest, Seeadler, einen Fluss mit Forellen und ganz viel schönste Natur drumherum. Viele Leute wohnen nicht in Hoppelstein, aber dafür sehr besondere.


Zum Beispiel Tante Mary, die eigentlich Marianne heißt und auch nicht Freddis richtige Tante ist. Der Friesenkopf, der mit seinen roten Haaren und dem finsteren Blick wie ein Wikinger aussieht. Oma Friedel, die immer auf ihrer Bank sitzt und sich freut, wenn Freddi guten Tag wünscht. Wen gibt's noch? Ach ja, den Apfelmann und die Apfelfrau. Und natürlich Schäriff Paule aus der Spießerstraße; er war mal Polizist, bevor er Rentner wurde – nun ist Hoppelstein sein Revier. Und nicht zu vergessen: Stucke. Der ist erst fünf («also noch ein richtiges Baby») und hat einen Sprachfehler: Er kann kein P aussprechen, sagt Stucke statt Spucke. Irgendwie ziemlich plöd für einen, der Peter heißt, oder?


Übrigens, Freddi heißt eigentlich Fredrika. «Aber weil sich das so schlecht über den Sportplatz brüllen lässt, hat Papa sie kurzerhand Freddi getauft. Und so hört man es am Wochenende wie die Feuersirene durch das Dorf schallen: ‹Freddi, Essen fassen, aber zack, zack!›» Freddi und ihre Eltern wohnen im Alten Bahnhof (wo nur alle paar Tage mal ein Güterzug vorbeituckert); Valle Müs natürlich auch, Freddis todschicke Promenadenmischung: große Lauscherohren, seidiges Fell, schneeweiße Schwanzspitze. Kurz: Ein Gedicht von einem Hund!

Fredrika von Hoppelstein, du schon wieder!

Ohne ihre Mutter fühlt sich Freddi manchmal ziemlich einsam; ihr Vater ist ihr keine große Hilfe, er leidet selber wie ein Tier, dass seine Frau Lisa weg ist, auch wenn es vielleicht nicht für immer ist. Zu Freddis Geburt hat ihr Vater in seiner Schreinerwerkstatt eine entzückende Wiege gebaut, auf ihr steht: Fredrika, Frucht der Liebe von Lisa & Tim, 3. September 2004. Schöne Frucht der Liebe, denkt sich Freddi? «Und wenn das nun alles vorbei ist? Wenn Mama und Papa sich scheiden lassen? Es gibt Leute, die das tun, das weiß Freddi. Auch wenn sie nicht verstehen kann, warum. Kann die Liebe einfach so zu Ende gehen? Und was wird dann aus all den Äpfeln und Birnen und Erdbeeren? Verfaulen die dann? Will die dann keiner mehr haben?»


Vielleicht kann Freddi ja mit Erik, dem Jungen von nebenan, über die Liebe reden. Der ist nämlich offensichtlich in das Mädchen Merle verliebt («der lange Erik und die dicke Merle, wer hätte das gedacht?»). Die beiden sind Feuer und Flamme füreinander. Für Erik steht fest: «Erste und einzige Liebe, wenn du so willst.» Merle sieht das genauso: «Liebe des Lebens, das ist für immer.» Aber hilft das der grübelnden Freddi wirklich weiter? (Oh ja! Am Ende schreibt Freddi sogar einen grandiosen Schulaufsatz über die Liebe …)


Auch wenn sie es nicht gern zugibt: Freddi versteht schon irgendwie, was ihre Mama nach Berlin zieht. «Eine Stadt, in der es Theater gibt und lustige, kleine Cafés und Menschen aus der ganzen Welt. Fast könnte man meinen, die Welt sei dort zu Hause mit all ihren Klängen und Düften und Farben. Es ist eine Welt, die süchtig macht, eine Welt, nach der man sich sehnen muss, eine Welt, die manche Menschen brauchen, um glücklich zu sein.»


Hier Hoppelstein, da Berlin – alles klar? Überhaupt nicht! Auf einmal kommt ganz schön Bewegung in die verkorkste Situation. Und das liegt nicht zuletzt an Freddis Mama, die plötzlich eine Spitzenidee hat. Und an Tante Mary, die Mama Lisa gründlich die Leviten liest …

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