18.10.2016   von rowohlt

«How does it feel …»

Blitzinterview mit Markus Berges, Autor des Romans «Die Köchin von Bob Dylan»

© iStockphoto.com
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Unter all den Knaller-Headlines zur Entscheidung des Stockholmer Komitees, den Literaturnobelpreis 2016 Bob Dylan zuzusprechen, sticht eine hervor (die taz mal wieder – Chapeau!): «How many lines must a man write down, before you can give him a prize».  Das könnten sich mit Fug und Recht auch ewige Nobelpreiskandidaten wie Philip Roth, Ngugi wa Thiong'o, Haruki Murakami, Joyce Carol Oates oder Ismail Kadare fragen. Sehr viele Lines, Sätze, Texte auf jeden Fall! Wir kennen jemanden, der die Dylan-Entscheidung eher neutral abnicken würde (im Sinne von: na gut, weshalb nicht): Jasmin Nickenig – sie ist in Markus Berges' Roman Bob Dylans Tourköchin. Grund genug, in der Causa Dylan & Nobelpreis beim Autor des Romans kurz mal vorstellig zu werden. 

Das Interview


Wie war Ihre spontane Reaktion, als Sie erfuhren, dass Bob Dylan den Literaturnobelpreis 2016 zugesprochen bekommen hat: eher erstaunt, begeistert oder irritiert?
Ich lief jubelnd durchs Haus. Es hat mich sowohl für meine Romanfigur Bobby wie für den echten Bob Dylan, wenn es ihn denn geben sollte, gefreut. Außerdem bin ich selbst Singer-Songwriter, da fühlt man sich fast, als ob man einen Nobelpreissplitter abbekommt.


Seit Ihrem jüngst erschienenen Roman, «Die Köchin von Bob Dylan», weiß man, dass Sie ein seriöser Kenner von His Bobness sind. Was sagt eigentlich Ihre Romanheldin Jasmin Nickenig, die ja bekanntlich als Tourköchin für den weltgrößten Barden arbeitet (und darüber hinaus ein Stück ukrainische Vergangenheit mit ihm teilt), zur Entscheidung des Nobelpreiskomitees?
Sie sagt wohl einfach: «Okay?» Und wenig mehr. Kurz darauf aber fängt sie – mäßig musikbegeistert, jedoch eine begeisterte Leserin – vielleicht insgeheim doch an, intensiver Dylan zu hören. Insgeheim deshalb, weil ihr musikalisches Desinteresse ein Einstellungskriterium war. Dylan möchte nämlich in seinem Umfeld vor allem eines nicht: Fans.


Was meinen Sie – wie feiert ein Weltstar wie Bob Dylan, der von den Golden Globes bis zu den Grammy Awards quasi alles schon abgeräumt hat, eine Ehrung wie den Nobelpreis? Mit kreolischem Fischcurry vielleicht, einem großen Teller «Feuerlamm mit Mauren und Christen» – oder doch schlicht mit einer XXL-Portion Clafoutis samt einem Gläschen Champagner?
Bobby verabscheut Wein. Deshalb trinkt er auch keinen Champagner. Nach dem Anruf vom Nobelpreiskomitee ging er mit einem Bier in die Garage. «Der restliche Tag verging wie ein Windstoß.» (Steht in den «Chronicles».)


In ca. fünf Jahren – je nach abgearbeitetem Kontinentalproporz – könnte der Nobelpreis wieder an einen Singer-Songwriter von internationalem Format gehen. Welchem Musiker aus deutschen Landen würden Sie da die besten Chancen einräumen – und weshalb? Hier eine kleine Auswahl: Herbert Grönemeyer, Wolfgang Niedecken, Markus Berges, Peter Maffay, Marius Müller-Westernhagen …
Zuerst kommt mal Reinhard Mey dran. Denis Scheck hat nämlich gesagt, der Nobelpreis für Dylan, das sei wie der Büchnerpreis für Reinhard Mey. Das ist natürlich nicht viel mehr als eine Frechheit, und das soll es wohl auch sein.  Hat bei mir prima funktioniert: Bin entrüstet.  Ein Hans-Henny-Jahnn-Preis für Howard Carpendale!

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