21.11.2012   von rowohlt

Dr. Feelgood über unsere ewige Suche nach Glück

Dr. med. Eckart von Hirschhausen ist ein Mann der vielen Talente: Arzt, Kabarettist, Wissenschaftsjournalist, Aktivist der Stiftung «Humor hilft heilen», TV-Star – und Bestsellerautor.

© Frank Eidel
© Frank Eidel

Auf Eckart von Hirschhausens Buch Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist? haben viele sehnsüchtig gewartet. Hier ist es: 379 Seiten über Liebe an und für sich, über die Liebe zu Bauch, Beine, Po, zu Sinn und Sinnlichkeit, zu Speis und Trank, zum Detail und auch zum Nicht-enden-Wollen. Ganz schön viel Liebe? Aber ja! Schließlich ist die Liebe ein Thema «so unerschöpflich wie ein Teller Brühe für den, der nur eine Gabel hat».

Bei Eckart von Hirschhausen lachen Männer UND Frauen über Frauen UND Männer. Weil er in seinen Büchern wie in seinen Kabarettprogrammen den richtigen Ton anschlägt, den perfekten Mix präsentiert. Als gelernter Mediziner kann er glaubwürdig belegen, dass Wissenschaft auch nicht mehr ist als der aktuelle Stand des Irrtums. Und als Humorist mit Leib und Seele weiß er, dass Lachen die beste Medizin ist und in jeder Lebenssituation hilft. Im dialektischen Dreischritt tänzelt Hirschhausen in seinem Liebes-Brevier durch das Minenfeld der Gefühle und fragt: 1. Was sagt die Wissenschaft? 2. Was sagt der gesunde Menschenverstand? 3. Was sagen die Frauenzeitschriften?
Liebe und Sex sind dankbare Themen; ihr Unterhaltungswert ist unerschöpflich, auch wenn die Spielarten und Unterabteilungen von Liebe & Co. sich mit der Zeit ändern. Nur ein Beispiel: «Vor zwanzig Jahren war es noch verpönt, Pornos anzuschauen. Heute gilt man als verklemmt, wenn man es nicht tut – und in zwanzig Jahren wird man wahrscheinlich ausgelacht, wenn man keine eigenen ins Netz stellt.»

Neues von «Dr. Feelgood» (Stern)

In sieben (hinreißend bebilderten!) Kapiteln kommen wir den Wechselfällen der Liebe auf die Spur, Schritt für Schritt. Den großen Philosophen aus dem Land der Dichter & Denker ist ja bekanntlich zum Thema nicht allzu viel Sachdienliches eingefallen. Für Immanuel Kant, stets und ständig auf der Suche nach dem mysteriösen Ding an sich, war die Ehe ein Vertrag zur gegenseitigen Nutzung der Geschlechtsorgane. «Da fragt man sich doch: Mensch, gibt es nicht auch Leasing?» Und der alte Zarathustra, pardon: Friedrich Nietzsche? Rät uns, keinesfalls die Peitsche zu vergessen, wenn man zum Weibe geht. Wie bitte? «Was kannte der für Frauen, die keine eigene Peitsche haben?»
In Sachen Partnerwahl ticken Männer und Frauen so was von anders. Männer sortieren nach knallharten Kriterien, etwa dem «Taille-Hüft-Quotienten» (sie tun es selbst dann, wenn sie keine Ahnung haben, was ein Quotient ist!). Und wonach sortiert die Frau? Milan Kundera hat in seinem berühmten Roman Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins etwas sehr, sehr Kluges über die Spezifik des weiblichen Begehrens geschrieben: «Eins der großen Geheimnisse des Lebens: Frauen schauen nicht nach hübschen Männern. Sie schauen nach Männern mit schönen Frauen.»
Ganz anders geht es in einer exotischen Nische der Tierwelt zu: Es gibt einen mexikanischen Süßwasserfisch, den Amazonenkärpfling, der sich um solche typischen Hetero-Probleme keine Gedanken mehr machen muss – das hat sich evolutionär fein geregelt. Eine Zukunftsvision ist Realität geworden: «Die Frauen sind komplett selbständig, und die Männer praktisch überflüssig. Denn von dieser Fischart existieren lediglich Weibchen, die sich klonen …»

Liebeskarten & Streitkarten: ein kleines Best of …

Für sein Bühnenprogramm Liebesbeweise hat sich Eckart von Hirschhausen etwas Besonderes einfallen lassen: Er teilt sein Publikum in eine «Liebesseite» und eine «Streitseite»; in der Pause soll man den schönsten bzw. schlimmsten Satz notieren, den man irgendjemandem gesagt hat oder gesagt bekam. Rote Liebeskarte, schwarze Streitkarte – eine Fundgrube liebevoller wie boshafter Kommentare!
Liebeskarten. «Als ich mein geklautes Fahrrad wiederfand, hat es mein Mann zurückgeklaut, obwohl er Beamter ist. – Ich liebe Dich. Wenn Du mich verlässt, darf ich dann mitkommen? – Mein Freund hat mir gesagt, dass er mich fast lieber mag als die Curry-Soße bei McDonald's. – Nach vielen Jahren des Wünschens bekam ich endlich meinen Streuselkuchen, der NUR aus Streuseln bestand! –– Ich danke deiner Exfrau, dass sie dich verlassen hat. –Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich erwache und mein Schatz liegt neben mir, alternativ kann es aber auch der Hund sein. – Ich erinnere mich noch immer an ein schönes Kompliment, dass ich mit 16 von einem französischen Austauschschüler bekam: ‹In seinem Kopf ist es schön …»
Streitkarten. «Ich wünsche Dir eine Tochter, die so bescheuert ist wie Du. – Ich habe heute Hochzeitstag, du Arsch! – Wenn du nochmal eine Karte für den Hirschhausen kaufst, verlasse ich dich! – Dir würde eine kleine Essstörung auch gut stehen. – Du kannst nicht von der Tapete bis zur Wand denken. – Morgen kommst du ins Heim. – Du hast das Einfühlungsvermögen einer Abrissbirne. – Ich würde mich gerne mit dir geistig duellieren, aber ich sehe, du bist unbewaffnet. – So viel Alkohol gibt es gar nicht, dass ich dich mir schöntrinken kann.»

«Sex wird überschätzt. Lauch auch ...» (BASTA)

Was wir sonst noch lernen können: Weshalb immer mehr Frauen ins Doctor-Fish-Spa gehen, um sich von ausgehungerten Exemplaren der Gattung Rote Saugbarbe Hautschuppen an den Füßen wegknabbern zu lassen, anstatt sich einen handelsüblichen Hornhauthobel für 3 Euro zu besorgen. Weshalb Liebesbotschaften am besten ins linke Ohr des bzw. der Angebeteten zu flüstern sind. Wie viele Liter Tränen der Durchschnittsdeutsche im Laufe seines Lebens vergießt (70 Liter … Ist das jetzt viel oder wenig?) Und auch, dass Shakespeare der Zusammenhang zwischen Erektionsschwäche und Alkohol durchaus klar war («It provokes the desire, but it takes away the performance»).
Ach ja, ein paar klasse Witze hat dieses kluge, vergnügliche Buch auch noch parat. Muss ja nicht immer um Liebe gehen, vor allem nicht, wenn der FC Bayern München ins Spiel kommt, oder? «Sagt der Richter zum Angeklagten: ‹Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die schlechte: Sie sind zum Tode verurteilt, Sie werden erschossen.› Der Angeklagte: ‹Und was ist dann die gute?› Der Richter: «Robben schießt.›»

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