28.03.2019   von rowohlt

In Irland können sie Geschichten erzählen. Und Geheimnisse bewahren.

«Eine irische Familiengeschichte» von Graham Norton: berührend, melancholisch, mitreißend

© Peter Bartels
© Peter Bartels

Voller Abgründe, Liebe und Tragik: Graham Nortons neuer Roman verbindet grandios zwei Zeitebenen. In der Hauptrolle Elizabeth, die ein unglaubliches Familiengeheimnis aufdeckt.

Der Titel ist eigentlich stark untertrieben: Graham Nortons Roman ist viel mehr als «Eine irische Familiengeschichte». Es ist ein wunderbar erzähltes Frauendrama. Eine Spurensuche. Und vor allem die Geschichte von Elizabeth, die nach dem Tod ihrer Mutter deren Haus in der Nähe von Dublin erbt. Nichts verbindet die junge Frau mit dem Ort ihrer Kindheit. In Irland will sie nur die Formalitäten regeln und dann zurückfliegen in ihr neues Zuhause New York. Als sie im Schrank ihrer Mutter Liebesbriefe entdeckt, beginnt sie Fragen zu stellen. Ihre Mutter hat nie über ihren Vater gesprochen. Angeblich lebte sie einige Zeit bei einem Verlobten, den keiner ihrer Verwandten je zu Gesicht bekam. Monate später kehrte sie aus dem weit entfernten Kilkenny zurück. Ohne Ehering, nur mit einem Säugling im Arm.


Dicht und ungeheuer lebendig beschreibt Graham Norton Elizabeths Reise in die Vergangenheit. Er ist ein glänzender Beobachter, macht Landschaft und Leute spürbar, ihre unerfüllten Träume, ihren Alltag – und ihren Selbstbetrug.


Schnell wird klar, dass Elizabeths Mutter ein Geheimnis gehütet hat. Die Briefe im Schrank sind voller Zärtlichkeit. Ihren Verfasser hat sie damals durch eine Kontaktanzeige kennengelernt, verrät ihr eine alte Freundin. «Ich habe sie danach auf der Farm in Kilkenny besucht», erzählt Rosemary. «Aber ich wurde von der Mutter des Verlobten abgewiesen und durfte sie nicht sehen.» Was ist hinter den verschlossenen Türen passiert? Bei einem Notartermin erfährt Elizabeth, dass sie ein zweites Haus geerbt hat: Castle House, die windumtoste Farm am Fuße einer Burgruine. Der Hof des angeblich toten Vaters.


Meisterhaft vermischen sich hier Gestern und Heute. Graham Norton erzählt von alten und neuen Familien, davon, was sie trägt und woran sie scheitern. Denn auch Elizabeth kämpft mit den Folgen einer schwierigen Beziehung: Sie ist geschieden, ihr 17-jähriger Sohn scheint ihr zunehmend zu entgleiten. Zwischen Liebe und Tragödie findet sie die Wahrheit heraus. Ein wunderbares Buch mit einem unverwechselbaren Ton, das keine Rührseligkeiten braucht, um zu Herzen zu gehen.


Diesen Buchtipp und viele weitere Lese-Highlights finden Sie im «Buch Extra»-Heft, das der Mai-Ausgabe der FürSie, Petra und vital beiliegt.

Eine irische Familiengeschichte

Eine irische Familiengeschichte

Ein irischer Familienroman voller Sehnsucht und voller Geheimnisse von Spiegel-Bestsellerautor Graham Norton.
Elizabeth Keane kehrt zum ersten Mal seit Jahren in die irische Heimat zurück. Ihre Mutter ist gestorben, Elizabeth muss den Haushalt auflösen. Auch ihre Mutter Patricia hatte als junge Frau den Ausbruch gesucht, mit einem Verlobten, den ...  Weiterlesen

Preis: € 22,00
Seitenzahl: 352
Kindler
ISBN: 978-3-463-40720-3
26.03.2019
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
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