31.07.2017   von rowohlt

Flos Büffel heißt Schnüffel

Lustig, spannend, liebenswert: das erste Kinderbuch von Bestsellerautor Max Moor

© Julia Ginsbach
© Julia Ginsbach

Für Flo gibt es nichts Schöneres als Ferien auf dem Land bei Opa Ludwig!  Doch dann findet sie gleich am ersten Ferientag ein neugeborenes, mutterloses Wasserbüffelkalb. Klar, dass Flo alles in Bewegung setzt, um es zu retten. Als das Kleine über den Berg ist, stellt Flo fest, dass das kleine Wasserbüffelchen sprechen kann! Und noch dazu die allerwildesten Ideen hat … In Max Moors erstem Kinderbuch, hinreißend illustriert von Julia Ginsburg, geht es ganz schön kurios zu. Oder hast du schon mal einen kleinen Wasserbüffel gesehen, der S-Bahn fährt – wenn auch sehr widerwillig? Und der mit seiner Freundin plötzlich in der Schule aufkreuzt? Genau das macht Flos kleiner Schnüffelbüffel!

Die schönsten Ferien des Lebens


Das fängt ja mal wieder gut an! Irgendwie überrascht es Flo nicht, dass ihre Tante Marie-Claire vergessen hat, sie pünktlich von der Schule abzuholen. Dabei ist Ferienbeginn – und all die Tussen und Schnösel aus der Klasse werden von ihren reichen Eltern abgeholt. Natürlich hat ihre Tante als Übersetzerin (und Aushilfs-Stadtführerin) ganz schön viel um die Ohren; aber ihre Vergesslichkeit, was wichtige Flo-Termine angeht, ist manchmal ganz schön ätzend. 


Flos Mutter hat sich eines Tages in einen Ashram nach Indien abgesetzt und ihr Mädchen bei ihrer Schwester zurückgelassen; mittlerweile ist sie in ihrer neuen indischen Heimat wohl so was wie eine anerkannte Heilerin. Die Mutter fort, der Vater unbekannt – in Flos Leben ist nicht immer alles rund gelaufen. Zum Glück gibt es drei Menschen, die Flo richtig gern haben und sich um sie kümmern: Opa Ludwig (ausgesprochen wie ein eigener Name: Opaludwig), der Fahrradhändler Achmed und eben ihre liebenswerte, aber arg vergessliche Tante Marie-Claire.


Eigentlich heißt Flo ja Florentine, zumindest steht dieser Name in ihrem Schülerausweis. Aber wer will schon Florentine heißen?! Flo dagegen  ist kurz und griffig und passt gut zu ihr, findet sie. Besser als Florentine. Und viel besser als Tine, wie die blöden Typen in der Klasse sie rufen. Tine! «So werden Gänse oder fette Möpse gerufen. Und alte, weinerliche Tanten mit verkniffenem Mund, die nach Putzmitteln riechen.» 


Es gibt eigentlich überhaupt nur einen in der Klasse, den sie mag, weil er sie immer freundlich behandelt: Schanti, ein Junge aus Nepal. Als er in die Klasse kam, hatte er es nicht leicht. Bis ihm die fiesen Sprüche zu viel wurden und er seine Judotricks auspackte – von dem Moment an war er, der stille, freundliche Schanti, der Junge, mit dem alle befreundet sein wollten, Jungen wie Mädchen. Flo und Schanti haben etwas gemeinsam: einen ziemlich eigenwilligen «Style». Während Flo immer über ihren Schnürstiefeletten ein buntes Blumenkleid und einen Strohhut trägt (kein Wunder bei ihren wilden Haaren!), läuft der Junge aus Nepal tagein tagaus mit Hochwasserhose und Ringelhemden herum.

Ein kostbares Fundstück


Irgendwann ist Tante Marie-Claire doch noch in der Schule aufgekreuzt, um ihre Nichte mit dem Taxi raus aufs Land zu bringen, zu Opaludwig und Bauer Werner. Opaludwig war früher Ingenieur, er hat Brücken und Fernsehtürme in aller Welt gebaut. Als seine Frau starb, war er so traurig, dass er nach Indien fuhr und dort eine freundliche Heilerin traf. (Ihr ahnt es schon: Flos Mama!) Die beiden verstanden sich gut – und weil es Ludwig danach viel besser ging, versprach er ihr, sich fortan um das Mädchen zu kümmern. Flo liebt es, an den Wochenenden und in den Ferien raus aufs Land zu Opaludwig zu fahren und nach Herzenslust mit Hund Günther herumzutoben. Am allerliebsten aber ist sie auf der großen Weide mit den vielen wunderbaren Wasserbüffeln von Bauer Werner.


Gleich an ihrem ersten Ferientag erlebt Flo etwas, was ihr Herz höher schlagen lässt. «Im dunklen Schatten des Buschwerks am Waldrand liegt doch was … dort, fast versteckt unter dem Gestrüpp. Kleine Hüflein, dunkelbraunes Fell, ein Schwänzchen mit weißer Spitze. Aber das kann doch nicht wahr sein … da liegt … ein Wasserbüffel-Baby. Was macht das denn hier, ganz alleine? Wo ist seine Mutter?» Dem Büffelbaby geht es sehr schlecht, es liegt da wie tot. Weil Bauer Werner seiner Lotte hinterhergefahren ist, um sie vor ihrem «Kurschatten» zu retten, unternehmen Opaludwig und Flo alles Menschenmögliche, um zu verhindern, dass das Kleine stirbt.


Sie heizen den Bollerofen an, decken das kleine Wesen mit Badetüchern und Wolldecken zu. Dann der große Moment: das Büffelkind trinkt erst vorsichtig, dann immer gieriger sein erstes Fläschchen Milch. Das nächste Wunder gibt es bald zu bestaunen: Das Büffelbaby steht auf und schafft es, auf seinen eigenen dünnen Beinchen zu stehen. Das größte aller Wunder aber ist:  Flos Schnüffelbüffel kann sprechen! Zumindest versteht Flo ihren Findling bestens – vermutlich, weil kleine Mädchen die seltene Gabe besitzen, Büffelisch zu verstehen. Als Erstes einigen sie sich auf den Namen Schnüffel-Büffel beziehungsweise: Schnüffel. Opaludwig hätte das entzückende Kalb am liebsten Dieter genannt. Stell dir vor – Dieter! (Das ist ein kleiner Scherz in eigener Sache, den sich Autor Max Moor hier erlaubt. Der wurde nämlich unter welchem Namen bekannt: Dieter Moor! Eines seiner Bücher heißt «Als Max noch Dietr war». Seit ein paar Jahren gibt es den Dieter Moor jetzt als Max Moor, zum Beispiel als Autor, Schauspieler oder ttt-Moderator im Fernsehen).

Auf Büffeljagd!


Von nun an sind Flo und Schnüffel unzertrennlich. Und wo die beiden sind, ist auch Günther nicht weit. Der temperamentvolle Hund liebt es, das kleine Wesen abzuschlecken und liebevoll in die Seite zu knuffen: ein neuer Spielkamerad, juchhu! Auch wenn Schnüffel wohl nie erfahren wird, wer seine Mutter und sein Vater sind: Bauer Werners gutmütige Wasserbüffelherde nimmt den kleinen Schnüffelbüffel schnell in die Herde auf. 


Ein bisschen wehmütig wird Flo zumute, als die letzten Ferientage anbrechen. Am liebsten würde sie gar nicht mehr in die Stadt zurückkehren, und auf die Schule mit all den eingebildeten Tussen und Schnöseln und so speziellen Lehrern wie der Pfirsich (pardon: Mademoselle de la Pêche) oder dem See (Monsieur Lelac) könnte sie auch gut verzichten. (Nur an Schanti muss sie oft denken. Ein Junge, der sie offenbar so gern mag, dass er für sie sogar seinen Namen ändern möchte: Ren – von FloRENtine …)


So, jetzt muss ich schnell mal mit dem Erzählen aufhören. Nur noch so viel: Anstatt am letzten Ferientag brav zu Tante Marie-Claire zurückzukehren und in den sauren Apfel namens Schule zu beißen, trickst Flo den ahnungslosen Opaludwig aus – und macht sich in aller Herrgottsfrühe auf den Rückweg in die Stadt. Gemeinsam mit Schnüffel! Hätte sie da bloß geahnt, was es für ein Büffelkind bedeutet, mit der S-Bahn zurück in die vor Menschen, Autos und Lärm überkochende Großstadt zu fahren! Aber Flo möchte Schnüffel unbedingt ihre Schule zeigen, also wagt sie das Abenteuer. Kurz darauf ist ihr geliebter Schnüffelbüffel verschwunden …


Wie gut, dass Flo mit Schanti, pardon: mit Ren einen richtig guten Freund an ihrer Seite hat. Klar – wer nepalesische Wurzeln hat, liebt Wasserbüffel! Mal sehen, wie das ausgeht …

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