02.01.2016   von rowohlt

«Clemencia Garises hat das Zeug zur Kultkommissarin» (Stern)

Bernhard Jaumanns packender Namibia-Kriminalroman

Sein in Namibia spielender Kriminalroman «Die Stunde des Schakals» brachte Bernhard Jaumann den Deutschen Krimipreis 2011 ein: eine spannende, politisch komplexe Geschichte mit einer ungewöhnlichen Heldin, Clemencia Garises (über die der Stern schrieb: «Diese Frau hat das Zeug zur Kultkommissarin»). In «Steinland» lässt Jaumann die aus den Townships stammende Kriminalinspektorin einen Fall von dramatischer Brisanz aufklären: den Mord an einem weißen Farmer.


Jaumanns Namibia-Romane faszinieren, weil sie zwar immer mit der politischen und ökonomischen Konstellation von Schwarz und Weiß im südlichen Afrika zu tun haben, sich in Sachen Moral aber dem simplen Schwarz-Weiß-Denken verweigern. Ein Krimi, sagt der seit einigen Jahren in Namibia lebende Autor, «sollte eine Geschichte über die Auslieferung an das Ungeheuerliche sein und nicht eine verkappte Landschaftsbeschreibung mit Wiedererkennungseffekt für den einheimischen Leser.»

Ein neuer Fall für Clemencia Garises

Namibia im Jahre 2011. Der weiße  Farmer Gregor Rodenbach liegt tot neben einem Bohrloch auf seinem Farmgelände. Erschossen von einer Bande, die er beim Klauen seiner Sonnenkollektoren erwischt hatte. So stellen es die Nachbarn der schwarzen Kriminalinspektorin Clemencia Garises dar. Und die Witwe, Elsa Rodenstein, widerspricht dem nicht. 


Doch warum haben die Diebe auch Thomas, den Sohn des Farmers, entführt? Soll er als Druckmittel benutzt werden, damit Elsa Rodenstein endlich ihre Farm endlich aufgibt? Vor einem halben Jahr hatten die Rodensteins einen potentiellen schwarzen Käufer abgelehnt. Wem nützt jetzt, da staatlich verfügte Enteignungsverfahren anstehen, so ein Mord an einem weißen Farmer? Wie beeinflusst er das politische Klima in einem Land – dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika –, das erst seit gut 20 Jahren unabhängig ist? Im Zuge ihrer Ermittlungen dringt Clemencia bis in höchste Regierungsspitzen vor. Doch was sie schließlich über das wirkliche Geschehen herausfindet, widerspricht allen Erwartungen - vor allem denen des Lesers.

Jenseits aller Schwarzweiß-Klischees

Bernhard Jaumann, der lange in Namibia gelebt hat, hat mit «Steinland» einen fein ausgeklügelten und actionreichen Krimi geschrieben. Bis zur letzten Seite bleibt es aufregend, den immer neuen Verdachtsfährten zu folgen. Und dabei eine Menge zu erfahren über ein Land, das immer noch mit den Folgen der hundertjährigen Fremdherrschaft zu kämpfen hat. 


Wer allerdings – mit postkolonialem Blick – erwartet, dass der Autor Gut und Böse verteilt auf Schwarz und Weiß, der wird enttäuscht: Rassismus, Skrupellosigkeit, politische Intrige und persönlicher Eigennutz haben in dieser Geschichte nicht automatisch eine Hautfarbe. So flicht Jaumann auch, geradezu liebevoll und einfühlsam, einen zweiten Erzählstrang in seine Geschichte ein: wie die Rodensteins über viele Generationen hinweg das Land bewirtschaftet und zu ihrer Heimat gemacht haben. Am Ende dieser Landnahme liegt Gregor Rodenstein erschossen auf seinem Grund und Boden. Ein astreiner Politkrimi - differenziert, kenntnisreich, voller Tempo und feinen Dialogen. 


Aus: Rowohlt Revue 93, Autorin: Mara Tonndorf

Top