30.04.2015   von rowohlt

Boston jagt den Rosenkiller

Eine Warnung vorweg: Wer schwache Nerven hat, sollte unbedingt zu einem anderen Buch greifen ...

© Hauptmann & Kompanie Werbeagentur/Dominic Wilhelm
© Hauptmann & Kompanie Werbeagentur/Dominic Wilhelm

Lisa Gardners Roman Schmerz um die Bostoner Ermittlerin D. D. Warren ist ein gnadenlos spannender Pageturner, der einem den Nachtschlaf rauben kann. Einmal mehr beweist Gardner mit ihremNew-York-Times-Bestseller, dass sie eine der herausragenden US-Thrillerautoren der Gegenwart ist.

«Rock-a-bye, Baby in der Baumkrone…»

Ein Gewaltverbrecher hält Boston in Atem: Zwei junge Frauen wurden ermordet und bestialisch verstümmelt. Genau 153 Hautstreifen hat ihnen der Killer postmortal von Oberkörper und Schenkeln abgezogen und den Tatort anschließend mit Champagner, Rosen und Fell-Handschellen dekoriert – blutiger Zynismus, ein perverses Ritual. Die Boulevardpresse, wie immer auf der Suche nach einem reißerischen Label, wird schnell fündig: Der «Rosenkiller» geht um!
Beide Opfer müssen ihren Mörder arglos in ihre Wohnung gelassen haben; es finden sich keine Spur eines Einbruchs oder eines gewaltsamen Eindringens. Um die Vorgehensweise des Mörders zu rekonstruieren, sucht D. D. Warren die Wohnung des ersten Opfers am Abend erneut auf. In dem stillen Stadthaus lauert ihr der Killer auf, der aus ganz anderen Gründen an den Tatort zurückgekehrt ist. Es kommt zu einem ungleichen Kampf, D.D. wird schwer verletzt – und kann sich später weder an die Tat noch den Täter erinnern.
Eine schmerzhafte Schulterverletzung hält Bostons beste Polizistin noch lange nicht von der Ermittlungsarbeit ab. Diesmal scheint der Zufall auf ihrer Seite zu sein: Sie lernt als Patientin Dr. Adeline Glen kennen, eine mehrfach ausgezeichnete Therapeutin – und gleichzeitig Tochter von Bostons bekanntestem Serienkiller. Harry Day erlangte zweifelhafte Berühmtheit, als er vierzig Jahre zuvor mehrere Frauen qualvoll folterte und ihnen bei lebendigem Leib die Haut abzog, bevor er sie tötete. Die Hautpartikel wurden nach Days Selbstmord in seiner Wohnung gefunden: in Einmachgläsern im Kleiderschrank, sorgfältig in Formaldehyd konserviert und säuberlich mit zahlreichen Details zu den Opfern versehen.

«Wenn der Ast bricht, fällt das Nest...»

D. D. Warren ist wie elektrisiert, als sie herausfindet, dass Harry Days Tochter Shana, die Schwester von D. D.s Therapeutin, im Alter von 14 Jahren ihren ersten Mord begangen hatte. Kann es sein, dass Shana Day trotz strikter Isolation aus dem Gefängnis heraus die Mordserie organisiert? Oder gibt es einen anderen Trittbrettfahrer, der als «Rosenkiller» Angst und Schrecken verbreitet?
Gemeinsam mit Dr. Glen setzt sich D. D. Warren auf die Spur des Rosenkillers – und ihrer Erinnerung. D. D. mag den Killer, der sie in der Wohnung des ersten Opfers niederschlug, nicht erkannt haben. Umgekehrt hat der «Rosenkiller» die Bostoner Ermittlerin sehr wohl erkannt – und nicht vergessen. Ein gnadenlos Katz-und-Maus-Spiel beginnt, eine Jagd, die immer tiefer in die Vergangenheit führt und zeigt, dass nicht nur die direkten Opfer einer Tat leiden, sondern ganze Familien durch einen einzigen Moment ins Unglück getrieben werden können. 
Mit beinahe chirurgischer Präzision und kühl kalkuliertem Spannungsbogen erzählt Lisa Gardner eine dramatische Geschichte, die einem noch lange nachgeht.
Autorin: Lea Ingendahl

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