24.09.2015   von rowohlt

Alt, aber geil: die TITANIC BoyGroup

Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn – 3 Männer, 3 Ex-TITANIC-Chefredakteure, 3 gescheiterte Existenzen

© Lucas-Emanuel Strehle; Titanic
© Lucas-Emanuel Strehle; Titanic

Sie haben unzählige ausverkaufte Auftritte hinter sich, Millionen zufriedener Kunden zwischen Wien und Berlin, Kiel und Wyhl liegen ihnen zu Füßen: drei Chefredakteure der TITANIC, die als scharfzüngigste BoyGroup der Welt über die Bühnen dieser und angrenzender Republiken touren und ein Lächeln auf die Gesichter ihres verhärmten Publikums zaubern. Heldenhaft haben sie sich mit der Fifa, dem Papst und dem Bundespräsidenten angelegt, haben gespottet, beleidigt, Tabus gebrochen. In diesem knallbunten Prachtband legt die TITANIC BoyGroup alles auf den Tisch (inkl. unscharfer Whirlpoolfotos und unveröffentlichter Minibar-Rechnungen): ein aberwitziges Kompendium, ein Muss für alle Freunde des Hardcore-Humors.

«Ein Nashorn oder nein: ein Reh flog wiehernd übern Baikalsee …»

Oliver Maria Schmitt: Henri-Nannen-Preisträger. Hat sich nicht nur als Chefredakteur des führenden hessischen Faktenmagazins TITANIC einen Namen gemacht; auch als Bewerber für den Posten des Frankfurter Oberbürgermeisters und als offizieller Kanzlerkandidat der Partei DIE PARTEI legte er einen Weltklassewahlkampf hin. Nur ein paar Prozentpunkte mehr, und er wäre … Ach, lassen wir das, Schnee von gestern. Heute – das sind Triumphe mit der alten, aber geilen TBG.


Martin Sonneborn: Grimme-Preisträger.  Gründer der Partei DIE PARTEI und für diese als Abgeordneter im Europa-Parlament in Brüssel. Geborener Weltretter, der ab und an für Olli Welkes «heute Show» berüchtigte Straßeninterviews führt. Pflegt sich folgendermaßen vorzustellen: «Mein Name ist Martin Sonneborn, vielen Dank für Ihren Mitleidsapplaus».


Thomas Gsella: Robert-Gernhardt-Preisträger, lyrischer Feingeist, Redaktionsdichter. Gsella kann alles wegdichten, was ihm vor die Flinte kommt. Ob Städte …
«Die City wie aus Hass gerührt
Der Bahnhof ein Schlamassel.
Leb' du zur Not in Ulm und Fürth,
Doch nie, niemals in Kassel»


… oder Tiere, Gsella kann's einfach:


«Einst alterte mit jedem Tag
Ein einstmals junger Kakerlak.
Und später lag er, vormals jung,
Verstorben in der Umgebung.
Moral: Wer sähe da nicht rot –
Erst ist man jung, dann alt, dann tot!»

Spaß mit «Birne». «Das Merkel» wird Kanzlerin. Und Medienpartner FDP versenkt sich selbst ...…

So viel dazu. Nun aber zum Programm der TITANIC BoyGroup, mit dem sie fette, farbenfrohe 333 Seiten dieses Buches füllen. Und das wird geboten – Menschen, Tiere, Sensationen!


Mauerfall. 16 tolle Jahre mit Helmut Kohl, dem besten Außendienstmitarbeiter der TITANIC. Einzig die Ereignisse im Herbst 1969 trüben die Bilanz: «Ohne dass es einen besonderen Grund dafür gegeben hätte, fiel in einer grauen Novembernacht ein Millionenheer zerlumpter Gestalten über diese Grenze her, um uns hier im Westen unseren Wohlstand wegzufressen.» Die Konsequenz: Die TITANIC (samt Die Partei) verfolgen eine Mission: Die Mauer muss wieder her! Weil: Zwei Deutschlands = zwei Mal so viele Witze. Und soooo viel «satirefähiges Humankapital …»


Kirchenkritik, Religionsspaß. Die katholische Kirche (bis hin zum Vatikan) ist mehrfach gerichtlich gegen TITANIC vorgegangen, sie hat maßgeblich zu ihrem Ruf als «verbotenste Zeitschrift Deutschlands» beigetragen. Ob «Lattengustl», «Papst geht auf Schwule zu» oder die skandalösen «undichten Stelle im Vatikan»: – viel Feind, viel Ehr. Auch wenn Islam und Judentum weit weniger im Focus der TITANICer stehen, generell gilt: «Jede, wirklich jede Religion auf dieser Welt hat das Recht, von TITANIC schlecht behandelt zu werden.»


Weitere Lieblingsobjekte des todkomischen Witzes von Sonneborn & Co.: Hitler (Fahndungsplakat: «Wer kennt diesen Mann?», «Depression: Warum Promis am Leistungsdruck zerbrechen»), die FDP («Das Aus für den gelben Sack!»), Silvio Berlusconi («Berlusconi, wie ihn keiner kennt: Im Büro. Angezogen. Ohne Erektion»), Randberliner, die Fifa («Wie TITANIC einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte» u.v.m.


Berüchtigt sind Sonneborns Telefonterror-Attacken, zum Beispiel gegen Schweizer Banken: «Grüezi. Wir vertreten den ‹Weißen Arischen Widerstand›. Das ist ein eingetragener Verein und der Rechtsnachfolger der NSDAP. Es geht um die Rückführung der Gelder, die wir in den Jahren 1939 bis 1945 bei Ihnen zwischengelagert haben …»

Hymnisches auf dit und dat

Gut abgeschmeckt ist das satirische Angebot mit Thomas Gsellas hinreißend dreisten lyrischen Invektiven. Seinem Kollegen Oliver Maria Schmitt hat er eine feine kleine Hymne auf den Leib getextet, drin heißt es u.a.:


«Sein Traumjob: Feuerwehrorchester,
Sein Traumland: Bundesgartenschau,
Sein Credo: Kuckstu meine Schwester,
Verklopp ich dir die Augen blau.


Sein Lieblingsmahl: dein Mittagessen,
Er wünscht sich: ‹Guten Appetit›,
Und zack, schon hat er's aufgefressen.
That's Oliver Maria Schmitt.»


Auch in Sachen seriöser Berufsberatung wird hier einiges geboten: punktgenaue Protestprosa. Sie wollen Lehrer werden oder Zahnarzt (oder sind es gar geworden)? Dann das:



«Der Lehrer geht um sieben raus
Und ruft vier Stunden: ‹Leiser!›
Um kurz nach eins ist er zu Haus:
Nicht ärmer, aber heiser.»


«Der Zahnarzt ist nicht arm wie du.
Er ist ein reicher Räuber.
Drum wählt er gern die CDU
Und wählte gern den Stoiber.»

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