19.07.2019   von rowohlt

50 Jahre Mondlandung

Fünf außergewöhnliche Bücher – eine kleine Portion Mondstaub für Ihre sommerliche Leseliste ...

Sehnsuchtsobjekt für Träumer und Verliebte, Motiv der Vergänglichkeit – mysteriös, romantisch, unheimlich: Schon immer war der Mond mehr als nur jener Himmelskörper, der in stoischer Gelassenheit die Erde umkreist. In einer Nacht vor 50 Jahren glückte endlich das, worum die USA und die Sowjetunion in der heißen Phase des Kalten Krieges mit ungeheurem finanziellen Einsatz gewetteifert hatten: Die ersten Menschen betraten am 21. Juli 1969 den Mond. Zuerst um exakt 3:56 Uhr MEZ der US-Amerikaner Neil Armstrong, zwanzig Minuten später Buzz Aldrin. Fast 600 Millionen Menschen erlebten den historischen Moment vor den Fernsehgeräten. Die Mondlandung, dieser «kleine Schritt» für die Apollo-11-Astronauten und der «gewaltige Sprung für die Menschheit», entzündet bis heute die Phantasie der Menschen.

Dabei ist es nicht so, dass der Mond, aus der Nähe betrachtet, viel Spektakuläres zu bieten hätte. Tolle Aussicht, keine Frage, ansonsten: Staub, Staub, endlos viel puderfeiner Staub – eine «herrliche Trostlosigkeit», wie Buzz Aldrin lakonisch anmerkte. Und doch haben sich Maler von der Mondlandung inspirieren lassen (Sigmar Polkes Gemälde «Propellerfrau», Peter Heckers Kirchenfenster), entstanden Gedichte und Romane, Popsongs und Kinderlieder, Action- und Science-Fiction-Filme mit Mondmotiven zuhauf. Der Feder des großen Arno Schmidt sind derart viele Mondmetaphern und Mondutopien entflossen, dass er anmerkte: «Es wäre nicht mehr als recht und billig, einen Mondkrater nach mir zu benennen.» Sogar eine Höhle im Süden Namibias wurde nach der Apollo-11-Mission benannt.


Wie bei allen Ereignissen, die die Menschheit elektrisieren, schossen auch nach der Landung der Eagle-Mondfähre Verschwörungstheorien wie Pilze aus dem Boden. Die meisten davon beziehen sich auf ein «Enthüllungsbuch» des US-Autors Bill Kaysing, «We Never Went To The Moon. America’s Thirty Billion Dollar Swindle» - ein Titel, der alles sagt. Die bemannte Mondlandung sei ein einziger Fake gewesen, eine dreiste Fälschung: technisch nicht realisierbar, ein gigantisches, medial aufwändig inszeniertes Ablenkungsmanöver von NASA und US-Regierung - Stichwort: Machtdemonstration gegenüber der Sowjetunion, Proteste gegen den Vietnamkrieg etc.


Mit derlei Abstrusitäten halten wir uns heute, 50 Jahre danach, nicht mehr auf. Und wenden uns stattdessen Büchern zu, die ganz andere als die bekannten Geschichten erzählen. Geschichten vom Fliegen (und Fliehen), vom Aufbrechen (und Dableiben), von Mondstaub (und Erdenschwere). Wir blicken auf fünf aufregende Bücher, die von der lunaren Pioniertat inspiriert sind. Spannendes ist dabei, Romantisches, Wissenschaftliches, Verspieltes – kurz: wunderbare Urlaubslektüre, aus welchem Blickwinkel Sie den Himmel auch immer betrachten wollen.

Von Space Girls und anderen Träumern


Zwischen 1969 und 1972 haben zwölf US-Astronauten den Mond betreten, danach war kein Mensch mehr «oben». Wie viele Frauen darunter waren? Diese Frage führt direkt zu Maiken Nielsens Roman «Space Girls»: Juni wächst in den 50er Jahren auf einem Flugplatz in New Orleans auf; nichts liebt sie, das wilde Kind, so sehr, wie mit ihrem Stiefvater an Flugzeugen herumzubasteln. Zum Mond, zu den Sternen fliegen, das ist ihr großer Traum. Dieser Traum rückt näher, als Juni Jahre später mit zwölf anderen Frauen zum Astronauten-Training der NASA eingeladen wird. Die knallharte Selektion besteht sie mit Bravour. Dann die niederschmetternde Nachricht: Keine der Frauen darf mitfliegen – das Weltall ist Männersache. Juni ist am Boden zerstört. Und nimmt den Kampf auf. Für ihr Recht. Für ihren Lebenstraum.


Als in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond betreten, herrscht auf der fernen Erde der Ausnahmezustand. Abermillionen Menschen schauen dem Spektakel vor dem Fernseher zu, nichts anderes scheint mehr wichtig zu sein – das ist die Ausgangssituation in Norbert Zähringers Roman «Wo wir waren». Martha Rohn, eine Mörderin, entkommt in dieser Nacht aus dem Frauengefängnis; und auch ihrem fünfjährigen Sohn Harry («Waisenkind Nummer 13») gelingt, Zufall oder nicht, die Flucht aus dem Kinderheim, in das er nach Marthas Verurteilung abgeschoben wurde. Bei seinen Pflegeeltern im Rheingau träumt der Junge seinen großen Traum vom Weltall, dem er Jahre später in Amerika sehr nahe kommen wird. Wo waren wir, wo werden wir sein? Das ist die Frage aller Fragen in dieser rasanten, ein ganzes Jahrhundert umfassenden Geschichte.


Auf eine zarte, subtile Weise spielt Bestsellerautorin Catharina Junk in ihrer bittersüßen Familiengeschichte «Bis zum Himmel und zurück» mit Metaphern von All und Aufbruch. Denn es gibt Ereignisse, die wie Meteoriten in einem Leben einschlagen und seelische Verwüstungen anrichten. Als sie ein Kind war, flog Katias Familie in alle Himmelsrichtungen auseinander. Später, als extrem auf Sicherheit bedachte Erwachsene, befindet sie sich auf einer einsamen Umlaufbahn. Aus dieser Bahn wird sie buchstäblich herauskatapultiert, als sich ihre Mutter mit einer erschütternden Nachricht meldet. Und, wie aus dem Nichts, Jella auftaucht, ihre kleine Halbschwester.

Von Marsflügen und abstürzenden Raumtransportern


Was sagt eigentlich die Wissenschaft zur Eroberung des Weltraums, zur Besiedlung von Mond und Mars, zum Fortbestand unseres Planeten? Michio Kaku, einer der Väter der Stringtheorie, zählt zu den berühmtesten Physikern der Gegenwart. In seiner neuen Studie «Abschied von der Erde» macht er wenig Hoffnung, dass es unsere gute alte Erde noch lange geben wird. Ein paar tausend Jahre, vielleicht einige zehntausend – dann war’s das. Sei es durch einen fatalen Meteoriten- oder Kometeneinschlag, eine neue Eiszeit, den Ausbruch des Supervulkans im Yellowstone Park – es gibt viele mögliche Exit-Szenarien. Kaku ist sich sicher: Die mittelfristige Perspektive der Menschheit liegt im Weltraum, in Reisen zu anderen Sternensystemen. Bereits 2030 will die NASA eine bemannte Mission auf den Roten Planeten, den Mars, schicken; dies sei ein erster Schritt, keinesfalls aber der Endpunkt der Entwicklung. Die Zukunft der Menschheit, so Michio Kaku, liegt im Abschied von der Erde.


So weit aber sind wir noch nicht. Bevor hier der oder die Letzte das Licht ausmacht, gibt es eine Breaking News: der Berlin-Brandenburger Flughafen BER eröffnet! An diese Möglichkeit glaubt zumindest Horst Evers, gnadenlos optimistisch wie eh und je. Sein hinreißend komischer (und visionärer!) Roman «Alles außer irdisch» beginnt kurz vorm Jungfernflug. Doch nach exakt 7,34 Sekunden ist Schluss mit lustig. Weil ein irrwitzig großes Raumschiff auf alle drei Startbahnen stürzt ... Dies ist der Auftakt zu einer Geschichte, die alles, was wir über außerirdisches Leben zu wissen meinen, über den Haufen wirft. Und, was glauben Sie, wer wird zur letzten Hoffnung der Menschheit? Eine übellaunige Fahrradkurierin, ein alter russischer Zeitreiseforscher. Und Goiko Schulz, 36 Jahre alt – und eigentlich nur für seine Mutter etwas Besonderes.

Space Girls

Space Girls

Juni wächst in den 50er-Jahren auf einem Flugplatz in New Orleans auf. Für das wilde Kind gibt es nichts Schöneres, als mit ihrem Stiefvater an Flugzeugen herumzubasteln. Doch Juni will mehr: zu den Sternen fliegen. Jahre später kommt sie diesem Traum ein Stück näher: Mit zwölf anderen Frauen wird sie zum Astronauten-Training der NASA zugelassen. ...  Weiterlesen

Preis: € 22,00
Seitenzahl: 432
Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-0331-9
21.05.2019
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
Wo wir waren

Wo wir waren

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 betritt Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Abermillionen verfolgen auf der Erde die Fernsehübertragung. Das machen sich einige zunutze. Martha Rohn etwa, eine Mörderin, entkommt in jener fernsehstillen Nacht aus dem Frauenzuchthaus, und – Zufall oder nicht – ihr fünfjähriger Sohn Hardy flieht aus ...  Weiterlesen

Preis: € 25,00
Seitenzahl: 512
Rowohlt
ISBN: 978-3-498-07669-6
12.03.2019
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
Bis zum Himmel und zurück

Bis zum Himmel und zurück

Bestsellerautorin Catharina Junk («Liebe wird aus Mut gemacht») legt ihren zweiten Roman vor: die Reise einer jungen Frau in den unerforschten Kosmos ihrer Familiengeschichte.
Manche Ereignisse schlagen ein wie Meteoriten und hinterlassen seelische Verwüstungen. Das passierte Katja, als sie zwölf Jahre alt war, und zersprengte ihre Familie in alle ...  Weiterlesen

Preis: € 10,00
Seitenzahl: 352
rororo
ISBN: 978-3-499-27342-1
16.04.2019
Erhältlich als: Taschenbuch, Hardcover, e-Book
Abschied von der Erde

Abschied von der Erde

Unser Dasein auf diesem Planeten wird nicht ewig währen. Ein paar Tausend Jahre noch, wenn's gut läuft, einige Zehntausend - und das pandemische Virus, die nächste Eiszeit, der Supervulkan im Yellowstone Park oder ein großer Komet löscht fast alles Leben auf der Erde aus.
Es wird Zeit, sagt Michio Kaku, die nächste Zivilisationsstufe zu erklimmen ...  Weiterlesen

Preis: € 25,00
Seitenzahl: 480
Rowohlt
ISBN: 978-3-498-03578-5
26.03.2019
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
Alles außer irdisch

Alles außer irdisch

Der Flughafen BER wird eröffnet. Ein großer Tag für Berlin und Brandenburg. Genau 7,34 Sekunden lang läuft er wunderbar. Dann allerdings stürzt ein wirklich großes Raumschiff auf alle drei Startbahnen. Dies ist der Auftakt zu einer Geschichte, die alles, was wir über außerirdisches Leben zu wissen meinten, über den Haufen wirft. Es treten auf: ...  Weiterlesen

Preis: € 9,99
Seitenzahl: 368
rororo
ISBN: 978-3-499-27114-4
24.03.2017
Erhältlich als: Taschenbuch, Hardcover, e-Book
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