Im Gespräch

«Die Tage sind lang, aber die Jahre kurz …»

Ein altes Haus inmitten der Elbmarsch – und drei Frauengenerationen, die nach Jahren dort wieder zusammenkommen

Interview mit Romy Fölck
© Kerstin Petermann

Ihr ganzes Leben hat Grete in der Elbmarsch verbracht. Erst kümmerte sie sich um ihre Tochter Anne, dann brauchte ihre Mutter Wilhelmine zunehmend Unterstützung mit Haus und Hof. Jetzt, kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag, bietet sich Grete eine Chance, aus den gewohnten Bahnen auszubrechen. Doch als Wilhelmine schwer stürzt, gerät ihr Plan ins Wanken. Ihre jüngere Schwester Freya reist aus Berlin an. Will sie wirklich helfen oder ihrem eigenen Leben entfliehen? Auch Anne ist gekommen, doch das Verhältnis zu ihrer Mutter ist angespannt – vielleicht weil Grete bis heute beharrlich darüber schweigt, wer Annes Vater ist. Und auch Wilhelmine wird entscheiden müssen, ob sie ein Familiengeheimnis mit ins Grab nehmen möchte … Bestsellerautorin Romy Fölck schreibt über Themen, die viele beschäftigen: das Älterwerden, unerfüllte Kinderwünsche, ungelebte Träume und den Mut, diese noch zu verwirklichen.

DAS INTERVIEW

Als Autorin erfolgreicher Kriminalromane um Kommissarin Frida Paulsen haben Sie sich auf die Spiegel-Bestsellerliste geschrieben. Wissen Sie noch, wann Ihnen zum ersten Mal die Hansen-Frauen als Protagonistinnen eines in der Elbmarsch spielenden Familienromans in den Sinn kamen?
Nicht mehr genau, das ist einige Jahre her. Die vier Hansen-Frauen begleiteten mich schon eine ganze Weile, bis ich, nach einem langen Spaziergang mit meiner wunderbaren Lektorin, endlich anfing, im letzten Herbst das Buch zu schreiben. Manchmal braucht es einen Anstoß.

Vier Frauen, drei Generationen Hansen. «‹Verzeih mir›» zu sagen, hatte keine der Hansens je gelernt», heißt es an einer Stelle. Weshalb fällt es den Hansen-Frauen so schwer, das «leckgeschlagene Beziehungsschiff» mit Vertrauen und Offenheit wieder in ein gutes Fahrwasser zu bringen?
Weil sie es nie gelernt haben, offen über ihre Sorgen und Gefühle zu reden. Mutter Wilhelmine schleppte selbst ein Leben lang ein belastendes Familiengeheimnis mit sich herum. Sie lebte ihren Töchtern vor, dass die Hansens aus hartem Holz gemacht sind und jammern nicht hilft. Dass es schwach ist, Gefühle zu zeigen. Leider erkennen sie alle erst spät, wie sehr sie sich dadurch verletzt haben.

Es war spannend, diese beiden Figuren zu entwickeln, ihre Gemeinsamkeiten und die Unterschiede herauszuarbeiten, da ich beide Perspektiven so gut kenne.

Wilhelmine, die man sich als Leser:in zunächst als emotional eher kalten Typ vorstellt, gewinnt im Verlauf der Geschichte mehr und mehr an Kraft und Tiefe – weil sie vor ihren Töchtern und der Enkelin ein ziemlich trauriges Familiengeheimnis mit sich herumschleppt. Man hat fast den Eindruck, dass Sie sich an die Komplexität Ihrer ältesten Protagonistin erst «heranschreiben» mussten. War das so?
Wenn ich so darüber nachdenke, war das tatsächlich so. Grete und Freya standen anfangs für mich viel mehr im Fokus, Wilhelmine und Anne entwickelten sich erst so richtig im Lauf der Geschichte und bekamen ab der Mitte des Romans mehr Raum und stärkere Konturen. Wilhelmine wuchs mir mehr ans Herz, als ich anfangs geglaubt hatte.

Der Roman vibriert geradezu vor unglaublich schönen Naturbeschreibungen. Kannten Sie sich schon vor Ihrem Umzug in die Elbmarsch mit Vögeln, mit Bäumen und Blumen, mit Wind und Wetter so gut aus? Denn anders als Grete, die immer davon geträumt hat, irgendwann als Vogelwartin im Naturschutz zu arbeiten, sind Sie ja «eigentlich» eine studierte Juristin …
Seit ich hier in der Elbmarsch lebe, ist die Natur viel mehr als früher mein Zuhause geworden. Ich bin jeden Tag draußen im Garten oder gehe laufen in der Marsch, lerne mehr von der Flora und Fauna kennen. Für das Buch habe ich natürlich noch zusätzlich recherchiert, Bücher gelesen, habe mir Fotos der heimischen Vögel angesehen und viel genauer darauf geachtet, was draußen um mich herum passiert. Ich habe das erste Mal im Februar die trompetenden Kranichzüge am Himmel wahrgenommen. Die Jahre davor dachte ich wohl, es wären ziehende Wildgänse.

Die Rückkehr der Kraniche

Ein Familienroman aus Norddeutschland: Ein altes Haus inmitten der Elbmarsch, die Kraft der Natur und drei Frauengenerationen, die nach Jahren dort wieder zusammenkommen. 

Gretes Zufluchtsort ist die Natur, vor allem das Gebiet in der Marsch, wo sie als Vogelwartin arbeitet. Ihr ganzes Leben hat sie hier verbracht: Erst kümmerte sie sich um ihre Tochter Anne, dann brauchte ihre Mutter Wilhelmine zunehmend Unterstützung mit Haus und Hof. Jetzt, kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag, bietet sich eine Chance, aus den gewohnten Bahnen auszubrechen. 

Doch als Wilhelmine stürzt, gerät Gretes Plan ins Wanken. Ihre jüngere Schwester Freya reist aus Berlin an. Will sie wirklich helfen oder vielmehr ihrem eigenen Leben entfliehen? Auch Anne ist gekommen, um der geliebten Oma nahe zu sein. Doch das Verhältnis zu ihrer Mutter Grete ist angespannt – vielleicht weil Grete bis heute beharrlich darüber schweigt, wer ihr Vater ist. Und auch Wilhelmine wahrt noch ein Geheimnis und muss bald entscheiden, ob sie es mit ins Grab nehmen möchte.

Bestseller-Autorin Romy Fölck schreibt über Themen, die Leser:innen beschäftigen: das Älterwerden, unerfüllter Kinderwunsch, ungelebte Träume und den Mut, diese noch zu verwirklichen.


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Den Romantitel hätte ja auch ein Tüpfelsumpfhuhn, ein Bussard, Seeadler oder Kormoran zieren können – tut es aber nicht. Was ist das Faszinierende am Kranich, was macht ihn zu einem «Lieblingsvogel»?
Die erste Szene im Buch ist einem Moment nachempfunden, den ich erlebte, als ein Kranichpaar eines Morgens ganz in der Nähe auf einer dunstigen Wiese stand. Ich hatte hier vorher noch nie so große Vögel gesehen, war fasziniert von der langen Schleppe, ihrem Trompeten. Ein magischer Moment! Als ich den Roman begann, war mir sofort klar, dass es dieser mystische Vogel sein muss, der zu Gretes Lieblingsvogel wird.

Brot backen, Eier sammeln, das Gemüsebeet bestellen, den Zaun flicken, die Sommerbirnen einkochen, den Gitterapfelkuchen für den Nachmittagsbesuch backen: All das, was Landfrauen so tun – ist das mittlerweile auch Ihre Leidenschaft?
Absolut! Ich liebe es, Brot zu backen und unseren Nutzgarten zu bestellen, Gäste mit selbst gebackenem Kuchen zu bewirten und das Landleben so richtig auszukosten. Diese Tätigkeiten entschleunigen mich, sind das kleine Glück eines jeden Tages.

Dürfen Sie schon verraten, was als Nächstes aus dem Hause Fölck kommt: eine Fortsetzung der Hansen-Story? (Grete und Hauke, Freya und Gregor, nicht alle Geschichten sind mit der Rückkehr der Kraniche auf den Ruden auserzählt …) Oder doch ein neuer Krimi – die herbstliche Marsch scheint ja ein ideales Setting für düstere Vorkommnisse zu sein?
Momentan schreibe ich an Band 6 meiner Elbmarsch-Krimireihe. Aber ein neuer Roman mit neuen Figuren beginnt schon, in meinem Kopf mehr und mehr Gestalt anzunehmen. Was aber sicher ist: Er wird zum großen Teil in der Natur spielen.

Romy Fölck

Romy Fölck

Romy Fölck wurde 1974 in Meißen geboren. Sie studierte Jura und arbeitete viele Jahre in der Wirtschaft. Mit Mitte 30 entschied sie, ihrem Traum, Schriftstellerin zu sein, eine Chance zu geben. Sie kündigte Job und Wohnung in Leipzig und zog in den Norden. Hier lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann und dem zugelaufenen Huhn Helga und schreibt Romane in einem Haus zwischen Deichen und Apfelbäumen an der Elbe.