Die neue Island-Thrillerreihe von Bestsellerautor Michael Hjorth und Bjarni Thorsson
Die neue Reihe um das ungleiche Ermittlerduo Helga & Bjarki: Ihr messerscharfer Verstand trifft auf seinen untrüglichen Instinkt.
Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit und wie ließ sie sich über die Ländergrenzen hinweg realisieren?
Wir haben uns vor etwa zehn Jahren kennengelernt und gemeinsam ein Projekt fürs Fernsehen entwickelt, das leider nie verwirklicht wurde. Während der Pandemie haben wir wieder Kontakt aufgenommen, erneut Ideen ausgetauscht, und dabei entstand das Konzept von Helga und Bjarki – einem isländischen Polizeiduo mit klaren Verbindungen zu Schweden. Die Zusammenarbeit war unglaublich bereichernd. Wir sind sowohl als Menschen als auch als Autoren sehr unterschiedlich, und wir sehen das als eine der größten Stärken unserer Zusammenarbeit. Durch unsere Unterschiedlichkeit ergänzen wir uns und schaffen so eine kreative Dynamik, die die Geschichten vorantreibt. Obwohl wir über nationale Grenzen hinweg arbeiten, fühlt sich der Schreibprozess dank unserer gemeinsamen Vision und des kontinuierlichen Dialogs überraschend nah und organisch an.
Was war die ursprüngliche Idee hinter der Helga & Bjarki-Reihe, und was macht diese Geschichte innerhalb des Scandi-Krimi-Genres für Sie besonders?
Die Idee ergab sich ganz natürlich aus unserer Zusammenarbeit und vielen langen Gesprächen. Wir sind beide begeisterte Krimileser und wollten etwas schaffen, das sich innerhalb der Skandinavischen Krimi-Tradition frisch anfühlt – eine Geschichte, die starke Charaktere mit einer dunkleren psychologischen Note verbindet. Island bot sich als Schauplatz an, da einer von uns Isländer ist. Die abgelegene Insel im Nordatlantik ist ein einzigartiger und fast mythischer Ort, an dem Natur und alte Geschichten noch sehr präsent sind, die isländische Gesellschaft ist zugleich aber sehr modern. Wir wollten die gesamte Insel als Kulisse nutzen, nicht nur einen einzigen Ort. Das unterscheidet uns vielleicht von anderen. Unverfälschtheit, Ehrlichkeit und ein temporeicher Plot sind uns wichtig. Auch wenn Island oft als friedlich angesehen wird, gibt es unter der Oberfläche dunklere Schichten – und diese verborgene Dunkelheit steht im Mittelpunkt unserer Bücher.
Die beiden Hauptpersonen, Helga und Bjarki, sind starke, eigenwillige Charaktere. Was hat Sie daran gereizt, zwei so unterschiedliche Figuren miteinander arbeiten zu lassen?
Für uns sind die Figuren das Herzstück unseres Schreibens, und wir haben uns viel Zeit genommen, dieses Paar zu formen. Helga ist eine frischgebackene Kommissarin – in diesem ersten Band steht sie vor ihrem allerersten Fall. Sie ist eine Außenseiterin, halb Schwedin, im Grunde ein Stadtmensch und in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Bjarki. Er ist von der Natur geprägt, durch Erfahrungen abgehärtet, sparsam sowohl mit Worten als auch mit Gefühlen. Oberflächlich betrachtet müssten sie eigentlich ständig aneinandergeraten – und es gibt auch einige Reibereien –, aber darunter wächst etwas Tieferes und Komplexeres. Eine Verbindung, die keiner von beiden ausleben kann. Uns gefiel die Idee einer Liebesgeschichte, die nie ganz zu einer wird: zwei Menschen, die einen klaren Blick aufeinander haben, vielleicht klarer als irgendjemand sonst, und doch ist das Timing immer falsch und die Umstände immer unmöglich.
Neben den beiden Hauptpersonen ist Island ein weiterer wichtiger Protagonist. Was verbindet alle drei und was trennt sie?
Wir begreifen Island tatsächlich als eine Hauptfigur: immer präsent, immer dramatisch, niemals bloße Kulisse. Was das Setting für uns auf einzigartige Weise nutzbar macht, ist die Tatsache, dass VÅLDET – das Dezernat für Gewaltverbrechen, dem Helga angehört – für schwere Straftaten im ganzen Land zuständig ist. Das verschafft uns etwas Seltenes: die Freiheit, uns überallhin zu bewegen, von Reykjavík bis in abgelegene Fischerdörfer, von Gletschern bis zu Hotels, die auf der Halbinsel Snæfellsnes von Schneestürmen abgeschnitten sind.
Jeder Band der Reihe spielt in einem anderen Island. Was Island mit Helga und Bjarki verbindet, ist vielleicht die Isolation: Island, umgeben vom Ozean – Helga, umgeben von ihrem Außenseiterstatus und Bjarki, umgeben von seiner Trauer. Uns reizt der Kontrast zwischen den persönlichen Wunden der Figuren und der Weite der Landschaft um sie herum.
Island ist geprägt von extremer Natur, kleinen Gemeinschaften und einer starken kulturellen Identität. Wie haben diese Besonderheiten Sie beim Schreiben beeinflusst?
Die isländische Natur ist niemals nur eine Kulisse – sie ist eine aktive Kraft. Stürme ziehen plötzlich auf, das Licht verändert sich innerhalb von Minuten, und die Landschaft erinnert dich ständig daran, wie klein du bist. Diese Unberechenbarkeit findet ganz natürlich ihren Weg in unser Schreiben. Das Wetter kann selbst zu einer Figur werden, die Stimmung und Spannung prägt – manchmal kraftvoller als jeder Dialog. Wie wir in Island oft sagen: Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte fünf Minuten – und genau diese Instabilität eröffnet uns viele Möglichkeiten für dramatische Wendungen.
Kleine Gemeinschaften sind ebenso wichtig. Ein schweres Verbrechen fühlt sich niemals wie etwas weit Entferntes an – es betrifft alle. Selbst wenn man das Opfer nicht persönlich kennt, ist die soziale Distanz so gering, dass es sich nah anfühlt. Da wir sowohl in Großstädten als auch in kleinen Orten gelebt haben, wissen wir, wie sich eine Tragödie in einer Metropole anonym anfühlen kann, während sie in einem Dorf zutiefst intim wirkt. Diese Nähe beeinflusst den emotionalen Ton unserer Helga-&-Bjarki-Geschichten maßgeblich.
Deshalb funktioniert auch eine Figur wie Bjarki – zugleich Polizist und Mitglied des Rettungsdienstes – in einem isländischen Umfeld so gut. In kleinen Gemeinschaften übernehmen Menschen oft mehrere Rollen, und Notfälle gehören zum Alltag. So können wir ihn beinahe jederzeit in Extremsituationen bringen – und damit eine Realität widerspiegeln, in der Natur, Gemeinschaft und menschliches Drama immer nur einen Herzschlag voneinander entfernt sind.