02.07.2018   von rowohlt

Fiona – verletzlich, eigensinnig, genial

«Fiona Griffiths ist die wohl spektakulärste Heldin in der modernen Spannungsliteratur.» (The Sunday Times)

© Hayden Verry/Arcangel
© Hayden Verry/Arcangel

«Polizeiarbeit ist das Einzige, das ich richtig gut kann. Ein ganz normales Leben zu führen finde ich viel schwieriger.» Fiona Griffiths ist eine Frau voller Probleme – und eine Spitzenpolizistin, die Beste bei der South Wales Police in Cardiff. Ob sie offiziell ermittelt oder undercover unterwegs ist, für Polizeiarbeit ist Fiona prädestiniert. Aber kaum jemand weiß, wer sie wirklich ist. Weshalb sie ist, wie sie ist. Und warum sie so mühelos in andere Rollen schlüpfen kann. Fionas Eigensinn ist ebenso legendär wie ihre kriminalistische Intuition, ihre Verwegenheit grenzt an Selbstgefährdung… Harry Binghams «Fiona»-Serie ist ein großer Wurf: rasant, lakonisch, mit Witz und Biss – und einer Heldin, über die man noch viel mehr lesen möchte.

Über Harry Binghams Fiona -Krimis


Brigitte:
«Sehr schräg und gut.»
Culturmag: «Die Serie gehört zur absoluten internationalen Spitzenklasse und zu den besten Kriminalgeschichten der Gegenwart.»
Kirkus Review: « … so gut, dass man sich fragt, wer in der Verfilmung die Fiona spielen wird.»
USA Today: «Suchen Sie eine harte, überzeugende Geschichte über eine Ermittlerin, die Lisbeth Salander in Sachen Mut und Entschlossenheit gleichkommt? Sie haben Sie gefunden!»
The Boston Globe: «Habe ich erwähnt, dass das Buch irre gut geschrieben ist?»
Seattle Times: «Eine Heldin, die in die Top-Riege britischer Ermittlerfiguren aufsteigen dürfte.»
Tobias Gohlis, Krimibestenliste: «Fiona Griffiths ist klasse! Und eine aufregende Lesegefährtin.»

Routinearbeit ist gut, Geheimnisse sind besser


Fiona Griffiths ist speziell, sehr speziell.
Andere sagen: ziemlich ausgeflippt und reichlich verkorkst. Sie mag Dinge, die außer ihr kaum jemand mag. Zum Beispiel um vier Uhr morgens aufstehen, um in irgendwelchen tristen Großbüros in Cardiff als Billiglöhnerin putzen zu gehen. Sie mag Regeln, strukturierte Abläufe, klare Befehlsketten. Weil sie ihr Sicherheit geben, Orientierung, Halt. Mit Gefühlen kommt sie nicht gut klar; sie weiß oft einfach nicht, welcher Gesichtsausdruck welche Gefühllage abbildet. Trauer, Zorn, Glück oder Furcht. Sehnsucht, Schmerz oder Zärtlichkeit. Immer muss sie überlegen, ob ein Wort zu einem bestimmten Gefühl passt: «Ich habe Angst. Angst …»


Fiona leidet unter einer selten auftretenden Krankheit, die sie in der Pubertät wie aus dem Nichts angefallen hatte und die später immer wieder schubartig auftrat. Dieses Cotard-Syndrom ist keine literarische Erfindung, sondern eine Erkrankung mit oft dramatischen Folgen, von komplett wahnhafter Depersonalisierung bis zum Suizid. Der Arzt Jules Cotard (1840–1889) fand für diese krasse Art von Persönlichkeitsstörung die prägnante Bezeichnung «le délire de négation».


«Zu den wichtigsten Symptomen zählen Wahnvorstellungen und Depressionen, die zu einer extremen Form der Depersonalisierung führen», schreibt Harry Bingham im Nachwort. «Die Betroffenen halten sich für tot … So gut wie in jedem dokumentierten Fall liegt ein traumatisches Erlebnis in der frühen Kindheit zugrunde. Eine vollständige Heilung ist kaum möglich.» Harry Binghams Frau, eine Neurofeedback-Therapeutin, arbeitete mit einer Cotard-Patientin, die sich später das Leben nahm. Die Suizidrate ist hoch – nicht verwunderlich angesichts der Furcht erregenden Wahnvorstellungen, denen sich Menschen mit dem Cotard-Syndrom ausgesetzt sehen. Keine Zigaretten, kein Alkohol, kein Kaffee – wenn überhaupt, dann Kräutertee. Wenn Fiona mal wieder nachts nicht schlafen kann, verordnet sie sich das Dreigestirn Pfefferminztee, Energieriegel und Amy Winehouse. Das braucht sie für ihr körperliches Wohl, ihre Stabilität, ihr Seelenheil.


Dafür macht sie Dinge, auf die ihre Kollegen nur kopfschüttelnd reagieren würden. Unter einem Vorwand schlüpft Fiona bei einer Mordermittlung etwa in den Obduktionssaal, um sich von den beiden Opfern, Mutter und Tochter, zu verabschieden. Streicht ihnen über die Haare, berührt zart ihr Gesicht: «Gute Nacht, Janet. Gute Nacht, April.» Nicht weil sie eine Neigung zu morbiden Exzessen hätte, sondern weil – für sie selbst und in ihr selbst – die Grenze zwischen lebendig und tot sein oft verschwindet. Das ist Teil ihrer Krankheit, die sie nach Jahren therapeutischer Behandlung (und dank der bedingungslosen Unterstützung durch ihre Eltern und ihren Freund Buzz) ziemlich gut im Griff hat.


Das sollte man über Fiona wissen. Und noch etwas: Sie weiß nicht, wo sie herkommt. Weiß nicht, wer ihre leiblichen Eltern sind. Das Einzige, was die geliebten Pflegeeltern ihr sagen können, ist, dass sie am 15. Juni 1986 als vielleicht zweieinhalb Jahre altes Kind auf dem Rücksitz von Dads altem Jaguar XI-S Cabrio gefunden wurde. Keine Nachricht, nichts. Außer einem kleinen Teddybär, den sie fest an sich presste. Fast achtzehn Monate sagte das Mädchen, das sie Fiona nannten, kein einziges Wort. Bis sie mit diesem Satz, der bei den Griffiths wie ein Familienschatz gehütet wird, ihr Schweigen für immer hinter sich ließ: «Mam, kann ich bitte den Käse haben?»


Eine von Fionas Spezialitäten als Polizistin: aus dem Hinterhalt, quasi Columbo-mäßig, tückische Fragen stellen, Fragen wie: «Was das Sexualleben mit Ihrem Mann angeht – hätten Sie das als normal bezeichnet?» Am liebsten ermittelt Detective Constable Griffiths auf eigene Faust – und selbstverständlich ohne ihre Vorgesetzten in Kenntnis zu setzen. Dafür aber ist sie mit einem unfassbaren Instinkt für die richtigen, wichtigen Spuren gesegnet. Das bringt ihr genau die Narrenfreiheit ein, die sie braucht, um Verbrechen aufzuklären – und nicht durchzudrehen.


Bislang liegen drei Fiona-Kriminalromane von Harry Bingham vor. Im Januar und März 2019 erscheinen die Bände 4 und 5: «Unten im Dunkeln» (rororo 27511 ) und «Wo die Toten leben» (rororo 27510). Fiona-Fans dürfen sich jetzt schon auf die Fortsetzung der Cardiff-Krimis freuen.

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