«Das Leben ist ein vorübergehender Zustand»
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“Ein erschütterndes Buch, aber es ist eine heilsame, eine befreiende Erschütterung, eine hilfreiche, mit der man deutlich weiter kommt als mit aller wohltuenden Erträglichkeit. [...] im Kern eine Liebesgeschichte – und ein großes Zeugnis.” Sten Nadolny

Ein Schlaganfall, zehn Tage später der zweite, haben ihren Mann aus allem herauskatapultiert, was er bis dahin gelebt hatte. Und aus ihr wird die Frau des Kranken. Wie liebt und hütet man einen Mann, der an dem Tag zusammenbricht, an dem man ihm gesagt hat, man könne nicht mehr leben mit ihm? Wie schafft man die Balance, in der Krankheit zu sein und im Leben zu bleiben? Gabriele von Arnim beschreibt in diesem literarischen Text, wie schmal der Grat ist zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit, Zuwendung und Herrschsucht. Wie leicht Rettungsversuche in demütigender Herabwürdigung enden. Und Aufopferung erbarmungslos wird.

"Das Leben ist ein vorübergehender Zustand" ist eine leidenschaftliche, so kühle wie zärtliche Erzählung eines bedrängten Lebens.

«Bitte lesen Sie dieses Buch, das mit einer solch stillen Wucht daherkommt, dass man zunächst gar nicht merkt, wie es einen umhaut. Ganz große Kunst und so nah am Leben.» Daniel Schreiber

Ein unglaubliches Buch. Eine heilende Zumutung.

Sten Nadolny

Der Beginn der Liebe, hat der französische Philosoph Alain Badiou einmal gesagt, sei die Überwindung einer Unmöglichkeit. Auch davon erzählt das Buch «Das Leben ist ein vorübergehender Zustand» - vom Überwinden einer Unmöglichkeit und noch einer und noch einer …

Eine Frau, die ihrem Mann erklärt, sie könne nicht mehr leben mit ihm, wird am selben Tag aus dem Krankenhaus angerufen und hört: Ihr Mann, zusammengebrochen, Charité, Notaufnahme.
Er hat einen Schlaganfall, wenige Tage später einen zweiten. Zehn Jahre lang kann er nicht lesen, nicht schreiben, nicht gehen und vor allem nicht so artikulieren, dass andere ihn verstehen könnten. Zehn Jahre lebt sie mit ihm in seiner Krankheit - und hat nie wieder daran gedacht, ihn zu verlassen, hat es nie wieder gewollt. Sie wollte die zweite Chance, wollte, dass er lebt. Wollte Unmöglichkeiten überwinden und ihn wieder lieben.

«Dieses Buch erzählt davon, wie man in Zeiten, in denen das Leben mit rohen Zumutungen über einen herfällt, Trost und Kraft findet, um die Zuversicht in ihren Schlupflöchern aufzuspüren, die Resilienz zu stärken, die Heiterkeit eines Moments zu erkennen und sich zu füllen mit ihr.» Gabriele von Arnim

Ein großes Buch, eines für Leser:innen von Joan Didions «Das Jahrmagischen Denkens», Connie Palmens «Logbuch eines unbarmherzigen Jahres», Siri Hustvedts «Die zitternde Frau».

Bitte lesen Sie dieses Buch! Es gibt so kluge, bestechende Antworten auf Fragen, die uns früher oder später alle einmal umtreiben. Wie viel Verantwortung schulden wir den Menschen, die wir lieben? Wie lässt sich auch einem von Schicksalsschlägen gezeichneten Leben innere Freiheit abringen? Wie lassen sich trotz allem Momente der Schönheit und auch des Glücks erfahren? Dabei kommt es mit solch einer stillen Wucht daher, dass man zuerst gar nicht merkt, wie es einen umhaut. Ganz große Kunst und so nah am Leben.

Daniel Schreiber

Leseprobe

Die Freunde reisen. Kommen zurück aus Indien, New York, Marokko, Florenz oder Köln und fragen: Und wie ist es bei euch? Dann sehe ich mich um und sage: Nix Neues. Alles wie immer. Wir sind zu Hause. Sind wie immer zu Hause. Wie ist man immer zu Hause. Wie ist es, immer zu Hause zu sein. Wo gibt es Abwechslung. Woran kann man sich freuen. Es gibt – immer wieder – den Trost der Schönheit. Es gibt das Blätterrauschen der Pappeln vor unseren Fenstern und den Blick auf viel Himmel, es gibt das Eichhörnchen auf dem Balkon, das neugierig von Blumentopf zu Blumentopf hüpft, es gibt die erste Rosenblüte, die Rosinenbrötchen vom Lieblingsbäcker. Trost ist ein gutes Blutbild, ein netter Anruf, die gestampften Süßkartoffeln mit Knoblauch und Koriander. Wir wollen, nein, wir müssen alles genießen, was genießbar ist. Genuss ist das Gegengift für die Zumutungen. Es gilt, in den kleinsten leichten Momenten zu schwelgen. Krisen verengen oft den Blick – auf sich, die eigene Situation, das häusliche Sein. Freude öffnet das Panorama, schenkt Pausen, Aussichten, Belebung. Wie lebt man in der Krankheit und bleibt in der Welt? Wie eine Balance herstellen zwischen dem Drinnen und dem Draußen. Wie viel Welt kann man ertragen. Wie viel Welt braucht man. Türen auflassen oder zumachen. Baut man sich eine Trutzburg, hinter der man sich schutzsuchend verbarrikadiert, oder entflieht man der Einsamkeit durch Gastfreundschaft. Wen möchte man sehen, und wer traut sich zu kommen. Vielleicht habe ich deshalb die Wohnungstür rubinrot streichen lassen. Nie würde ich meine Lippen schminken in diesem Rot. Dafür sind sie zu alt. Die Tür ist auch alt, aber sie verträgt das Rot, wirkt nicht aufgetakelt, wie ich es täte. Vielleicht wollte ich eine rote Haustür, um den Besuchern zuzurufen: Hier ist es, kommt herein, es ist nicht irgendeine Tür im Haus, sondern unsere.

Krankheit und Einsamkeit sind wie Münze und Magnet. Schnellen aufeinander zu und lassen sich nur mit Kraft wieder trennen. Oft pulst das Leben draußen – und drinnen herrscht invalide Ruhe. Es gibt Kranke, die sich einmauern, sich verstecken. Niemand soll sie sehen in ihrem abgewrackten, ihrem vielleicht erbärmlichen Zustand. Er hat sich immer in all seiner Drangsal und Versehrtheit gezeigt, wollte immer Menschen um sich. Eine kluge Entscheidung. Denn wenn man mit einer Krankheit wohnt und alleine bleibt, setzt sich die Gebrechlichkeit in die Wände. Dann werden die Räume still und traurig. Also müssen Menschen kommen, Menschen mit ihren Stimmen. Es müssen Freunde, oder solche, die es werden könnten, am Tisch sitzen, es muss geredet und gegessen werden, damit die Zimmer sich füllen mit Bildern, Tönen, mit Erinnerungen. Und so wurde unser Motto: Da wir nicht in die Welt können, möge die Welt zu uns kommen.

Gabriele von Arnim

Gabriele von Arnim

Gabriele von Arnim wurde 1946 in Hamburg geboren. Sie hat studiert, promoviert und zehn Jahre als freie Journalistin in New York gelebt. Danach schrieb sie u.a. für die DIE ZEIT und DIE SÜDDEUTSCHE, BR und WDR und arbeitete als Moderatorin für ARTE, den SDR/SWR und den SF. Sie schreibt Rezensionen für Zeitungen und Hörfunk, moderiert Lesungen, hat mehrere Bücher veröffentlicht und lebt in Berlin.

Bibliographie

  • Verlag: Rowohlt
  • ISBN: 978-3-498-00245-9
  • Erscheinungstermin: 23.03.2021
  • 240 Seiten
  • Autorin: Gabriele von Arnim
     

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