Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland

Sie haben Wigald Bonings «Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland» gelesen und sind über die plattdeutsche Geschichte gestolpert? Hier finden Sie die Übersetzung und ein kleines Grußwort von Wigald Boning.

Heißa! Ich bin begeistert!

Sofern Sie sich nicht schnöde verklickt haben, handelt es sich bei Ihnen um einen Leser meines Buches «Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland». Ich heiße Sie herzlich zur Übersetzung des Kapitels «Slipsbinnen in’t Weltruum» willkommen und freue mich, dass Sie, indem Sie hier aufkreuzen, Ihr Interesse an Krawatten, Weltraumforschung, der niederdeutschen Sprache und nicht zuletzt an meiner wissenschaftlichen Arbeit bekunden. Ihre Neugier soll nicht umsonst gewesen sein; gleichsam als Anklickprämie habe ich mir erlaubt, Ihnen den Kapiteltext an dieser Stelle in einer hochdeutschen Premium-Langfassung darzureichen, auf dass Ihr Wissenszuwachs durch die Lektüre nicht nur hinreichend, sondern sogar monumental ausfällt. Auf geht's.

Die Geschichte der Weltraumfahrt

In der Geschichte der Weltraumfahrt tragen Astronauten bis heute zumeist schlichte Gebrauchskleidung, normalerweise einen Anzug, der sich an bäuerlicher Arbeitskleidung orientiert, wobei der Raumfahrerdress zumeist einteilig und nicht zwingend blau ist; viele Raumfahrtagenturen verwenden auch andere Farben, die Europäer zum Beispiel orange, verziert durch vielerlei Aufnäher. Eine Ausnahme ist natürlich der Weltraumspaziergang; hierbei sind Astronauten mit massiven Schutzanzügen ausgestattet, um Sauerstoffversorgung und Temperaturregulation zu gewährleisten.
Meiner Meinung nach werden Raumschiffe irgendwann in der Zukunft weiter reisen, als wir heutzutage annehmen, vorausgesetzt, die Menschheit setzt nicht vorher ihrer Existenz ein Ende.
Stellen wir uns einmal vor, in zwei- oder dreihundert Jahren kommt ein Raumschiff von der Erde zu einem anderen Planeten, nicht dem Mars, nicht dem Jupiter, sondern zu einem völlig anderen Himmelskörper, weit weg von der Erde, aber mit einer humanophilen Atmosphäre und einer elaborierten Zivilisation, einer Welt mit aufgeweckten Bewohnern, die zwar vielleicht keine «Leute» in unserem Sinne sind, also mit Gehirn, zwei Beinen, Augen, Straßen, Häusern, Schule, Telefon, Fernseher, Geldkarte, Rentenversicherung etc., gleichwohl uns in ihrer Intelligenz vergleichbar. Nun stellen wir uns überdies vor, das Raumschiff von der Erde ist erfolgreich gelandet, die Tür wird geöffnet, der Kommandant steigt die Gangway hinab und grüßt die Bewohner des Planeten. Aus Höflichkeit haben diese einen roten Teppich ausgerollt, an dessen Ende der planetare Parlamentspräsident steht. In dieser fremden Welt, die wir uns gerade ausmalen, hat der Chef tatsächlich weder Gliedmaßen noch Kopf, dafür steckt er in einem seidenen Maßanzug mit prächtig aufleuchtenden Schulterstücken – ganz wie ein sich bewegender Spezial-Kartoffelsack. Oha. Ist dies nicht außergewöhnlich peinlich? Das Planetenoberhaupt ist dem Anlass entsprechend gekleidet, während unser Vertreter schlichtes Arbeitszeug trägt – welch unangenehmer Fauxpas.
Um solchen Vorfällen rechtzeitig vorzubeugen, sollten wir uns umgehend mit einer Ausgehuniform für unsere Astronauten befassen. Hauptproblem: Wie bindet man eine Krawatte in der Schwerelosigkeit? Welche Knoten sind weltraumtauglich; darüber hinaus muss der Krawattenstoff feuerfest sein, möglichst leicht, mit Messfühlern und einem Computeranschluss. Sie mögen den Denkansatz für absurd halten; ich habe jedoch einmal einen Kosmonauten kennengelernt, der mir Einblicke in die russische Raumfahrt gewährte. Eigentlich, so sagte er mir, soll ich's nicht an die große Glocke hängen – und darum schreibe ich dies geheimhaltungshalber auf Niederdeutsch.
Sergej ist knapp dreißig Jahre alt und bereits Professor für Raumfahrtmedizin – und gehört zum Pool potenzieller Raumfahrer, weil er hochstudiert ist, dabei kein blasser, ungelenker Büromensch, sondern körperlich und geistig topfit. Und: Er besitzt Pilotenlizenzen, u. a. für Propeller- und Düsenflugzeug sowie Hubschrauber. Ob er jemals ins All kommt, steht in den Sternen. Bis auf weiteres präpariert er sich, indem er raumfahrtspezifische Trainingsprogramme absolviert. Er hat mir z. B. erzählt, dass sich auf der ISS, der Internationalen Raumstation, ein Operationsbesteck für Krankheitsfälle befindet. Und Sergej hat sich daraufhin von einem Mediziner in die Handhabung von Messer, Zange und Tupfer einweisen lassen. Als Testobjekt für seine Übungen brachte er einige Kaninchen von zu Hause mit. In Russland ist es normal, dass ein Professor Kaninchen besitzt; das dortige Gehalt eines Wissenschaftlers erzwingt dies. Im Anschluss an die Lehrstunde wurden die Kaninchen zum Abendessen verzehrt.
„Auf dein Wohl!“, prostete ich daraufhin Sergej zu und trank mit ihm ein Bier. Ob es denn im All auch schon Fälle von Alkoholabusus gegeben habe, wollte ich von ihm wissen. «Eine heikle Angelegenheit», sagte er, «bei den Amerikanern ist Alkohol verboten, aber bei uns Russen nicht. Im Gegenteil: Die russischen Psychologen meinen, dass auf langen Flügen gelegentlicher Alkoholkonsum positiv ist. Darum gehörte ein kleiner Wodkavorrat auf der Mir zur Grundausstattung. Es gab einmal einen Versorgungsflug des Raumtransporters Progress zur Mir, und an Bord befanden sich zwei Amerikaner sowie ein russischer Steuermann. Nun ist das Andocken eine Präzisionsarbeit, die im ersten Versuch nicht gelang. Der Treibstoff reichte nur noch für einen weiteren Versuch. Und was machte der russische Steuermann? Er leerte eine Wodkaflasche. Die amerikanischen Kollegen waren perplex, und die texanische Bodenstation stand Kopf.» «Und dann?» Sergej grinst breit. «Du glaubst nicht, wie sicher unser Steuermann angedockt hat. Auf den Millimeter genau. Heiliger Bimbam – war das ein Meisterstück.» – «Ich habe mal gehört, dass alle Crewmitglieder eine kleine Schachtel mitführen, die von den Raumfahrern nach Gutdünken gefüllt werden darf.» – «Das ist wahr», bestätigt Sergej, «auch früher, unter Chruschtschow und Breschnjew, wurde die Kiste nicht kontrolliert.» – «Und was nimmt man da so mit?» – «In den neunziger Jahren hat sich ein Kosmonaut hundert Fotos von reichen Leuten sowie eine kleine Kamera eingepackt, und im All hat er sich zusammen mit jeweils einem dieser Fotos gefilmt. Die Bilder hat er anschließend an die so Porträtierten teuer verkauft – sie waren ein begehrter Wandschmuck, zu Repräsentationszwecken. Und früher, in den achtziger Jahren, hat sich mal ein Kollege eine Schachtel Zigaretten eingepackt.» – «Warum denn das?» – «Er wollte der erste Mensch sein, der im All eine Zigarette raucht – und hatte Erfolg. Er war nämlich nicht nur Kosmonaut, sondern auch der Chefkonstrukteur des Belüftungssystems an Bord der Mir. Bei der Planung hatte er von Anfang an darauf geachtet, dass die Öffnungsabdeckung des Gebläses abgeschraubt werden konnte, sodass der Kopf eines Rauchers in das Gerät einführbar war, ohne dass die Bodenstation dies bemerkte. Und nicht nur geraucht wurde an Bord der Mir. Für Expeditionen in die Tiefen des Alls ist ein Raumschiff gegebenenfalls Jahre unterwegs. Um auf Langstreckenflügen das Überleben einer Crew zu sichern, ist eine zwischenzeitliche Verjüngung notwendig. Hierzu wurde an Bord der Mir Grundlagenforschung betrieben. Zwar hat man sich im Rahmen von Langzeitaufenthalten nicht an Geburten versucht, wohl aber am hierzu notwendigen Geschlechtsverkehr, unter strikter Aufsicht von Fachmedizinern. Bis dahin war ja keineswegs sicher, ob der Mensch in der Schwerelosigkeit überhaupt fruchtbar ist, ob sich das Ei in der Gebärmutter einnisten kann oder ob beim Mann im All gar Impotenz droht. Die Forschungsergebnisse werden von den Russen bis heute geheim gehalten.» Sergej glaubt aber, dass auch die Amerikaner solche Experimente durchgeführt haben, Fortpflanzung sei damals einer der wichtigsten Forschungsansätze der Weltraummedizin gewesen und nicht nur semirelevante Spielerei.
Zurück zum Thema. Der Schlips ist vor langer Zeit von den Chinesen erfunden worden. Im Grab des Kaisers Shi Huangdi fand man eine Armee aus Tonsoldaten, 7500 Mann, und alle tragen sie geknotete Halstücher. Bis zur Entdeckung dieses Grabes aus dem dritten Jahrhundert v. Chr. glaubte die Wissenschaft, dass es sich bei den ersten Krawattenträgern um Römer gehandelt habe. Im Marmorrelief der Trajanssäule in Rom kann man viele Krawattenträger erkennen, deren Schlipse sogar mit «Four-in-one-Knoten» gebunden sind. Mit Weltraumfahrt hatten die Römer nichts zu tun – im Gegensatz zu den Chinesen, die bereits früh Feststoffraketen fliegen ließen, mit Schwarzpulver als Treibstoff.
Das Wort «Krawatte» stammt übrigens wahrscheinlich von einem kroatischen Kavallerieregiment, das im Dreißigjährigen Krieg für den französischen König Louis XIII kämpfte, und die Soldaten trugen einen Vorläufer des modernen Schlipses. Aber bewiesen ist dies nicht; noch sind die Sprachwissenschaftler diesbezüglich uneins. Das Wort «Rakete» kommt übrigens aus dem Italienischen und bedeutet «Spindel», also auf Niederdeutsch «Spillen». Soso. Einen Durchbruch für die Krawatte erzielte im 19. Jahrhundert der Engländer Beau Brummel. Er war ein besonders modebewusster Stilist, allerdings nicht extrovertiert und eitel, sondern mit dem Ideal unaufdringlicher Eleganz. Brummel war der Auslöser einer europaweiten Schlipsmanie; die Leute waren verrückt nach Krawatten, und bald gab es jene Binder, wie wir sie heute tragen, schmal und einfarbig – in Farbe und Form genau wie eine Rakete.
Das nächste Kapitel in der Geschichte der Krawatte beginnt mit dem Aufkommen des Windsorknotens in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Prinz von Wales hatte sich in eine nichtadelige Dame verliebt, musste daraufhin der Krone entsagen und seinen Namen in «Herzog von Windsor» ändern. Der Skandal schlug damals hohe Wellen und dominierte die Schlagzeilen der Boulevardpresse. Seinerzeit galt der Herzog von Windsor als modisches Vorbild, vor allem galt er als Hohepriester dicker Schlipsknoten, und man sagt, er sei der Erfinder des Windsorknotens gewesen. Dieser Knoten ist großzügig dimensioniert und würdevoll, während sein Nachfolger, der «Halbe Windsor», sonderbarerweise drei Viertel der Größe seines Bruders erreicht. Zu dieser Zeit gab es auch die ersten Ideen für Stufenraketen, mit Sauerstoff und Wasserstoff als Antriebsmittel auf der Grundlage der Ziolkowski'schen Raketengrundgleichung, und was der Herzog von Windsor für die Krawattenknoten, war der deutsche Forscher Wernher von Braun für die Weltraumfahrt. Der große Unterschied: Höhepunkt der Laufbahn Wernher von Brauns war der Start der Saturn-V-Rakete auf den Mond, während der Herzog von Windsor für sein Lebensglück von den Journalisten selber auf den Mond geschossen wurde.
Was die Stufen für eine Rakete, sind die Anzahl der Schritte beim Knoten einer Krawatte. Je mehr Drehungen und Windungen, desto voluminöser das Ergebnis. Der einfachste ist der Überhandknoten. Den kennt jeder Krawattenträger. Zusammen mit dem Reff-, dem Kreuz- und dem Gordingsknoten gehört der Überhandknoten zu jenen Gebilden, die der Physiker «Elementarknoten» nennt. Die meisten Krawatten werden auf diese Weise gebunden. Der erste Physiker, der sich mit Knoten gründlich befasst hat, war der Engländer P. G. Tait, der im 19. Jahrhundert glaubte, alle Materie bestünde aus miteinander verbundenen Schlingen – atomare Strukturen waren ja noch nicht erforscht. Aus heutiger Sicht lag er natürlich falsch, aber immerhin hat er mit seinen Berechnungen die physikalische Knotentheorie entwickelt. Und an dieser Theorie basteln Wissenschaftler bis heute; ein Resultat dieser Arbeit ist die genaue Kenntnis der Krawattenknoten. Gemäß der Fink-und-Mao'schen Krawattenknotentheorie gibt es exakt 85 Möglichkeiten, einen Schlips zu binden, und außerdem eine Bindemethode, die eigentlich gar nicht auf einem Knoten im engeren Sinne basiert, den sogenannten Onassis-Knoten. Der griechische Reeder pflegte die Enden seiner Krawatte nämlich einfach lose übereinanderzulegen, locker wie einen über die Schultern geworfenen Pullover. Der Onassis-Knoten ist darum auch der einzige, der für den Einsatz in der Weltraumfahrt nicht in Frage kommt, da er sich in der Schwerelosigkeit umgehend löst.
Auf den ersten Blick scheint es besser zu sein, wenn der Knoten nicht allzu kompliziert ist, weil die Astronauten zwischen den Experimenten wenig Zeit zum ausgiebigen Binden haben, allerdings gibt es andererseits auch ein Argument für anspruchsvolle Konstruktionen; auf einem langen Flug, z. B. zum overdressten Kartoffelsack, kann es passieren, dass die menschliche Feinmotorik leidet. Die Schlipsbinderei ist vor diesem Hintergrund eine adäquate Methode, zu verhindern, dass die Finger der Besatzungsmitglieder einrosten. Zeitmangel und Training der Feinmotorik müssen austariert werden. Darum sind mittelgroße Knoten, die man mit fünf oder sechs Schritten fertigt, vorteilhaft, und je länger die Reise, desto mehr Zeit sollte ins Krawattenbinden investiert werden. Insofern sind der «Nicky», der «Pratt», der «Viktoria» und der «Halbe Windsor» ideal. Für besonders lange Flüge möchte ich hiermit den «St. Andrew», den «Plattsburgh», den «Windsor», den «Hannover» und den «Grandchester» vorschlagen.
So. Aus welchem Stoff muss der Schlips bestehen? Sicherheit geht vor. Baumwolle, Wolle und Cord scheiden wegen der Feuergefahr aus. Vorzuziehen ist eine leichte Seide, die im nassen Zustand mit feuerabweisender Salzlake und Latex behandelt und unter einer Infrarotlampe getrocknet wird. Noch besser ist das Anreichern des Grundstoffes mit Kevlar oder Vilene-Feuerblocker nach DIN 4102B1, wobei Atmungsaktivität und Tragekomfort in diesem Falle nachrangig sind; wichtiger sind andere Details wie die antistatischen Eigenschaften und dass die Krawatte vor Lichtbögen schützt. Wenigstens die Anforderungen der Euronorm 1149 sollten erfüllt werden. Brauchbare Stoffe könnten z. B. die Gewebe mit den Markennamen «PBI Gold», «Panox», «ProtexM» oder «Nomex» sein. Nomex hat den Vorteil, dass es auch gegen den Einschlag von umherirrendem Weltraumschrott und Kleinstmeteoriten schützt, wenn der Astronaut sein Gefährt verlässt. Um diesen Effekt zu verstärken, sollte man möglichst breite Schlipse vorziehen. Nun bietet solch eine Krawatte Platz für vielfältige Anwendungen, auf der Oberseite, aber auch im Inneren. Außen könnte das Tuch mit einem Solarpanel verkleidet werden, mit biegsamem Monitordisplay und Tastatur, um einen schlipsinternen Kleinstrechner zu bedienen. Der Knoten ist ein optimaler Platz für ein Sprachsteuerungsmikrofon. Das innerschlipsliche Hilfsgehirn könnte z. B. eine To-do-Liste, eine Notizfunktion oder einen MP3-Player beinhalten. Erst in der Schwerelosigkeit zeigt der Schlips, zu welchen Großtaten er fähig ist: Auf der Erde hängt er zumeist untätig herum, aber ohne Gravitation bewahrt er buchstäblich Haltung, nämlich jene, in die man ihn gebracht hat. Das heißt, er steht als Arbeitsplatz allzeit bereit. In den Halsbereich lässt sich überdies ein Puls- und Blutdruckmessgerät integrieren, um so wertvolle medizinische Daten zu registrieren.
Welche Farben sollte ein Weltraumschlips haben? Neben subjektiven Vorlieben gibt es farbpsychologische Gründe, warum gewisse Farbgebungen besser sind als andere. Auch hier ist Sicherheit Trumpf. Grelle Neonfarben sind besser sichtbar, vor allem, wenn ein Kabelbrand in der Kabine die Orientierung behindert. Die Sichtbarkeit kann zudem verstärkt werden, indem selbstleuchtende Farbe verwendet wird. Vielleicht kennen Sie jene Knicklichter, die auf Jahrmärkten oder im Karnevalsfachhandel erhältlich sind. Diese sind mit Oxalsäureester und Wasserstoffperoxid gefüllt. Wenn diese Stoffe miteinander reagieren, kommt es zur Peroxyoxalat-Chemolumineszenz, wahlweise in den Farben Blau, Gelb und Rot. Rot kann aggressiv machen, nicht umsonst sind auch die Muletas im spanischen Stierkampf sowie geschminkte Mädchenmünder rot. Die Farbe soll aber im Gegenteil emotionalen Schieflagen der Raumfahrer entgegenwirken. Gelb hat zwei Seiten und symbolisiert Neid, Eifersucht und Lügen, aber auch Sonne, Freundlichkeit und Vergnügen.
Einen Moment ... soeben fällt mir auf, dass man Knicklichter tunlichst nicht in eine Krawatte einwebt – bei jedem Binden würden die Lichter geknickt und so Alarm ausgelöst werden. Ein ungangbarer Irrweg. Ich bitte um Nachsicht, dass ich Ihnen hiermit Ihre Zeit gestohlen habe. Nach sorgfältiger Betrachtung kommt mir ein anderer Ansatz besser vor: Der Schlips soll ja beim Besuch in der fremden Welt ein Gruß von unserer Erde sein, der dem Kartoffelsack und seinen Freunden etwas über uns, unsere Bräuche, unsere Situation und Lebensweise zu erzählen vermag. Mein Vorschlag: Die Krawatten sind in allen Farben bedruckt, kunterbunt, und demonstrieren so, dass unsere Erde ein Ort ist, der durch erhebliche Vielfalt gekennzeichnet ist. Nicht bloß rot wie auf dem Mars, nicht weiß wie die Venus, auch nicht blau (zwar sagt man oft, wir lebten auf dem «Blauen Planeten», aber dies ist eine sehr oberflächliche Ferndiagnose); nein, das Schlüsselkennzeichen unserer Heimat ist ihr Reichtum an Landschaften, Pflanzen, Tieren, Ideen – und an Farben. Dieser Reichtum sollte sich auch auf den Krawatten widerspiegeln, und zwar in einem karierten Muster. Das Kleinkaro als Symbol für uns engstirnige Dummköpfe ist ein ehrliches Sinnbild und gleichzeitig, im Zugeben unserer Charaktermängel, ein augenzwinkernder Ausweis unserer Bescheidenheit.
Unterm Strich: Auf der Erde mag der Schlips modisches Beiwerk sein oder sogar, wie manche Intellektuelle, etwa Alice Schwarzer, meinen, ein Phallussymbol – in seiner länglichen Form sei der Schlips ein sichtbares Echo des männlichen Geschlechts und dessen Dominanz über die Weiblichkeit, wird behauptet. Aber: Im All wird der Schlips zum hilfreichen Genie und zum besten Freund des Menschen – zumindest, wenn kein Hund an Bord ist. Hoffen wir, dass irgendwann kunterbunte Krawatten den interplanetaren Frieden unterstützen, auf dass unsere Ausflüge in die Ferne Erfolg haben und wir Menschen zum besten Freund des Kartoffelsacks werden.

Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland

Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland

Auf dem Gipfel der Erkenntnis
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Preis: € 8,99
Seitenzahl: 256
rororo
ISBN: 978-3-499-62772-9
01.09.2011
Erhältlich als: Taschenbuch, e-Book
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