Sébastien Japrisot

Lauf, wenn du nicht schießen kannst

Es ist eine sonderbare Gemeinschaft, in die der dreißigjährige Tony Cardot so gewaltsam hineinversetzt worden ist. Vier Männer und zwei Mädchen, nicht unsympathisch, die sich in einem verlassenen Gasthaus an einem Nebenarm des St. Lorenz-Stroms eingerichtet haben. Sie haben Waffen, und sie planen etwas. Ein Verbrechen? Aber warum belasten sie sich dann mit einem Unbekannten?
Wenn er nicht weiß, was er von den Fremden halten soll, so müssen sie sich ihrerseits bestimmt auch über ihn wundern, warum er seine Lage so klaglos hinnimmt.
Woher sollen sie auch wissen, daß drei Männer ihn von Frankreich bis Kanada verfolgt haben, damit er die Schuld bezahlt, die er auf sich geladen hat? Und daß er gerade den tödlichen Schuß erwartete, als sie dazugekommen sind und ihn in ihr Auto gezerrt haben? Es war eine Entführung, die ihm – vorübergehend – das Leben gerettet hat. Ein paar Tage lang hofft Tony sogar gegen besseres Wissen, daß er seine Verfolger vielleicht endgültig abgeschüttelt hat. Und wenn das stimmt, wird er sich gewiß nicht an irgendeinem riskanten Unternehmen beteiligen.
Aber dann klingt vom Fluß her die Melodie zu ihm herüber.
Sie haben ihn eingeholt.
Für einen Mann, dessen Tage gezählt sind, existieren die üblichen Bedenken nicht mehr. Ihn lockt auch nicht das versprochene Geld. Er macht mit, weil mitmachen besser ist, als untätig den Tod zu erwarten.
Verfilmt unter dem Titel «Treibjagd».

Themen:   Moderne und zeitgenössische Belletristik; Klassische Kriminalromane und Mystery

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