Hanns-Josef Ortheil

Jean Paul

Wie gern nähme der Biograph jetzt den Leser und vielleicht auch den Rezensenten mit, um nach Bayreuth zu fahren, von dort aus aber noch weiter nach Osten, ins Fichtelgebirge, ja am besten gleich auf den Ochsenkopf. Dann könnte er einfach in die Gegend deuten und behaupten: Dort liegt Wunsiedel, wo Jean Paul 1763, im Jahr des Hubertusburger Friedens, zu Frühlingsbeginn am Morgen um 1 ½ Uhr zur Welt kam, wofür er später nur freundliche Worte fand: "Wie gern bin ich in dir geboren, Städtchen am langen hohen Gebirge, dessen Gipfel wie Adlerhäupter zu uns niedersehen". Diese Dorfliebe hat damit zu tun, daß Jean Paul sie sich als Bedingung der dichterischen Phantasie dachte. Er war froh, nicht in einer großen Stadt, wo man alles auf einmal kennenlernt und nichts deutlich genug, geboren zu sein, sondern dort, wo im günstigsten Fall der eine noch etwas acht gibt auf den anderen und eine gewisse Lebenswärme entsteht, die dem Dichter später viele Erinnerungen beschert.

Themen:   Thüringen; Bayern; zweite Hälfte 18. Jahrhundert (1750 bis 1799 n. Chr.); erste Hälfte 19. Jahrhundert (1800 bis 1850 n. Chr.); Klassik; Romantik; Biografien: Literatur

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