Fritz J. Raddatz

Tagebücher 1982 - 2001

Ein Buch wie dieses hat es noch nicht gegeben. Von Augstein bis Marion Dönhoff, von Grass bis Enzensberger, von Hochhuth bis Kempowski zeigt es die deutschen Intellektuellen, ja überhaupt die ganze bundesrepublikanische Gesellschaft, wie sie so hellsichtig nie beschrieben worden ist: wahrgenommen mit dem Sensorium eines Hochempfindsamen, subjektiv und zutreffend, anteilnehmend, scharfzüngig. Das Buch, das von der Kritik immer erhofft, von den Schriftstellern aber nie geschrieben worden ist – der große Gesellschaftsroman der Bundesrepublik, das balzacsche Porträt unserer Zeit –, hier ist es.
Und vermutlich war niemand so geeignet, es zu schreiben, wie Fritz J. Raddatz. In Deutschland ist er der widersprüchlichste Intellektuelle seiner Generation: anziehend durch seinen Witz, distanzierend durch seinen Eigensinn, geistreich, gebildet, streitbar und umstritten – und immer, bei aller Geselligkeit, von einer Empfindung der Unzugehörigkeit bestimmt. Schon in den sechziger Jahren hat Erich Kuby über ihn gesagt, daß für so jemanden in Deutschland eigentlich kein Platz sei.
Kubys Urteil bestätigt sich im Lebensgefühl des Tagebuchschreibers. Raddatz zeigt sich hier unmaskiert, als hochmütiger Melancholiker und treuer Freund, als Hypochonder, Misanthrop, Zweifler. Das ist die Entstehensbedingung dieser Aufzeichnungen, die von Raddatz’ letzten Jah­ren als Feuilletonchef der ZEIT bis zum Be­ginn des neuen Jahrhunderts reichen und im Fall der Mauer, in der deutschen Wiederverei­nigung ihren kontroversenreichen Mittelpunkt haben.

Themen:   Deutschland; 1980 bis 1989 n. Chr.; 1990 bis 1999 n. Chr.; 2000 bis 2009 n. Chr.; Tagebücher, Briefe, Notizbücher; Memoiren, Berichte/Erinnerungen; Moderne und zeitgenössische Belletristik; Verlagswesen und Buchhandel, Presse und Journalismus

Fritz J. Raddatz wird mit dem diesjährigen Hildegard-von-Bingen-Preis ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 11. September in Mainz statt. Fritz J. Raddatz , geboren 1931 in Berlin, 1960 bis 1969 stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlages, 1977 bis 1985 Feuilletonchef der ZEIT, seit 1969 Vorsitzender der Kurt-Tucholsky-Stiftung, ...

Top