19.08.2016   von rowohlt

Wiedergeburt lohnt sich!

Die hinreißende Fortsetzung des Mega-Bestseller «Mieses Karma» – Autor David Safier im Interview

© Oliver Kurth
© Oliver Kurth

Sie trinkt, raucht und bestiehlt auch schon mal ihre WG-Genossen. Gelegenheitsschauspielerin Daisy Becker, Mitte zwanzig, hat keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anfangen will – und was Liebe bedeutet. Und sie wird es in diesem Leben auch nicht mehr erfahren, stirbt sie doch bei einem Autounfall mit dem arroganten Hollywoodstar Marc Barton. Beide werden als Ameisen wiedergeboren – weil sie in ihrem Leben zu viel mieses Karma angesammelt haben. Gutes Karma muss her, um die Reinkarnationsleiter wieder hochzuklettern. Was gar nicht so einfach ist, wenn man sich nicht ausstehen kann. Und sich trotz allem ineinander verliebt …


Wir haben mit David Safier über Reinkarnation und den richtigen «Karma-Sound» gesprochen, über Humor und Zynismus, über Buddha und Casanova. Und ihn gefragt, ob er sich eigentlich für einen Romantiker des Glücks hält …

Das Interview

«Mieses Karma hoch 2» endet schön, geradezu beglückend schön – und das nach einer ziemlich wilden Reinkarnationsodyssee. Wäre es falsch, den Romanautor Safier einen leidenschaftlichen Glücksromantiker zu nennen?
Ich glaube daran, dass Geschichten dazu da sind, das positive Potential der Menschen zu zeigen. Das Negative umgibt uns ohnehin überall. Aber wir Menschen sind zu Großem fähig, zur Wandlung und ja auch zur Liebe. Das muss nicht unbedingt immer in einem Happy End münden, einige meiner Bücher haben ja auch eher ein bitter-süßes Ende; aber bei Komödien wie «Mieses Karma hoch 2» läuft es auf ein Happy End zu.


Entzückend, dass neben Buddha hier noch ein anderer guter alter Bekannter aufkreuzt: Giacomo Casanova, der (um Pep Guardiola zu zitieren) Top-top-top-Liebhaber der Weltliteratur. Dramaturgischer Kniff oder «nur» ein großer Spaß?
In «Mieses Karma hoch 2» habe ich mit der chaotischen Daisy und dem Hollywoodstar Marc Barton gleich zwei Helden, und beide sind so ganz anders als die Heldin von «Mieses Karma». Doch es war schön, noch eine Figur aus dem ersten Buch wieder auftauchen zu lassen. Und Casanova war bei mir und vielen, vielen Lesern sehr beliebt, so dass ein Wiedersehen beim Schreiben Freude machte.


Das Thema Wiedergeburt, der Sprung aus einem Körper in einen anderen, scheint Sie zu faszinieren. Nicht nur in beiden «Karma»-Romanen wird reinkarniert, auch in «Plötzlich Shakespeare». Woher rührt diese Faszination?
Meine Frau glaubt sehr an die unsterbliche Seele, die immer wiedergeboren wird. Und das gibt ihr viel Trost, auch in schweren Zeiten. Ihr Einfluss lässt mich – auch wenn es mir selber schwer fällt, an Reinkarnation zu glauben – mit dem Thema beschäftigen und auseinandersetzen.

Zwischen «28 Tage lang» und «Mieses Karma hoch 2»

Wie kam die Zusammenarbeit mit Oliver Kurth zustande, dem Illustrator der entzückenden Ameisen, Goldfische, Störche und Schnecken?
Aus meinem vierten Roman «Happy Family» wird derzeit ein wirklich toller Animationsfilm im Pixar-Style gemacht; Oliver Kurth hat dafür die Figuren designt. Und die haben mir so gut gefallen, dass wir jetzt an vielen gemeinsamen Projekten sitzen.


Als begeisterter Leser der beiden «Karma»-Romane fragt man sich nach dem Happy-End-Finale: Ist die Geschichte jetzt auserzählt – oder zieht David Safier irgendwann doch noch ein weiteres Karma-Ass aus dem Ärmel?
Im ersten Roman stand eine Mutter-Tochter-Geschichte im Mittelpunkt, der zweite ist eine romantische Komödie. In der Karma-Welt könnte man noch viel mehr erzählen, und ich habe dafür auch viele Ideen. Aber für den zweiten Roman habe ich mir fast neun Jahre Zeit gelassen, und ein dritter Roman wird – wenn überhaupt – auch noch Jahre Zeit brauchen.


Ihren  Roman «28 Tage lang» über den jüdischen Aufstand im Warschauer Ghetto haben Sie ein «Herzensprojekt» genannt. Hatten Sie eigentlich Skrupel, wie das «Safier-Stammpublikum» diesen Roman aufnehmen würde, der so ganz anders ist als das, was Sie bekannt gemacht hat?
Bei meinen Lesungen habe ich festgestellt, dass «28 Tage lang» von sehr, sehr vielen Menschen gelesen wurde, die sich für die anderen Romane nicht interessiert haben. Einige meine Stammleser haben mir gesagt: «Am Anfang war ich skeptisch, aber jetzt finde ich, dass das sogar der beste Roman von Ihnen ist.» Wie dem auch sei, ich bin sehr, sehr glücklich, dass er so gut aufgenommen wurde.


In einem Interview mit der FAZ betonen Sie, wie wichtig es sei, den passenden «Sound» für ein Buch zu finden. Für «28 Tage lang» kann man sich das gut vorstellen. Wie schwer war es, den «Karma»-Sound (mit Störchen, Goldfischen, Schnecken …) zu finden?
Ich schreibe schon seit 26 Jahren lustige Geschichten, erst für das Radio, dann für das Fernsehen und seit fast zehn Jahren in Romanen. Der Klang liegt mir sehr nahe, ist – wenn man so will – meins. Bei meinem ersten ernsten Roman, bei dem es auch gleich um den Holocaust ging, war das eine größere Herausforderung. Goldfisch, Storch, Schnecke, Pandabär – das fällt mir leicht.

David Safier und seine «Gutes Karma Stiftung»

Sie haben sich einmal als «Drauflos-Schreiber» bezeichnet, weil Sie nicht zu jenem Autorentyp zählten, der beim Schreiben minutiös nach Plan vorgehe. Arbeiten Sie eigentlich parallel an verschiedenen großen Projekten – oder passiert das fein säuberlich eines nach dem anderen?
Ich konzentriere mich auf den jeweiligen Roman. Zwischen den Romanen sitze ich an Drehbüchern und konzipiere die nächsten Projekte. Zwischen «28 Tage lang» und «Mieses Karma hoch 2» habe ich zum Beispiel das Drehbuch für den Animationsfilm zu «Happy Family» geschrieben.


Irgendwo war zu lesen, von allen humoristischen Bestsellerautoren Deutschlands seien Sie mit Sicherheit der am wenigsten zynische. Halten Sie diesen gewissen zynischen Touch im Humor für destruktiv?
Ich bin ja selbst kein Zyniker. Ich weiß, dass die Welt nicht so gut ist, wie sie sein sollte, aber das macht mich nicht zum Zyniker. Dafür will ich viel zu sehr an das Positive im Menschen glauben.


Welche Rolle spielt religiöses oder spirituelles Empfinden in Ihrem Leben?
Ich bin selbst gar nicht so religiös, aber da in meiner Ursprungsfamilie alle schon verstorben sind, Eltern und Schwester, mache ich mir über solche existentiellen Fragen viele, viele Gedanken. Bei all der Komödie sind diese ernsten Gedanken auch die Grundierung für Romane wie «Mieses Karma hoch 2».


Sie haben die «Gutes Karma Stiftung» gegründet, die sich um Bildungsprojekte für Kinder mit schlechten Startchancen kümmert. Wie kam es speziell zur Unterstützung des Sundardevi-Schulzentrums in Nepal?
Zwar ist die Schule nicht von dem Erdbeben dort betroffen gewesen, dennoch sammeln wir gerade für die Erdbebennothilfe dort. Die Zusammenarbeit kam zustande, als ich eine junge Frau kennenlernte, die als Kindersklavin in Nepal arbeiten musste, sich dort befreien konnte und jetzt anderen Mädchen hilft, aus dem Zwang heraus und in Bildung hereinzukommen.

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