25.01.2016   von rowohlt

«Dit heißt, dit dit schwierich is»

Wie Goiko Schulz die Erde rettet – Der neue Roman von Horst Evers: ein Buch wie von einem anderen Stern!

© Hans Baltzer
© Hans Baltzer


Gerade eröffnet und schon wieder Schutt und Asche: Ein riesiges Raumschiff stürzt punktgenau auf den neuen Berliner Flughafen BER. Die Nachricht verbreitet sich in Windeseile um die Welt, die Börsen spielen verrückt, Panik macht sich breit. Sie sind da! Draußen im Universum gibt es hyperintelligente Lebensformen, die mit unserer Erde wenig am Hut haben. Zu abseitig gelegen, zu unentwickelt die Technologie, zu doof die Bewohner. Mit einer Klage vor dem intergalaktischen Gerichtshof soll Goiko Schulz die Verschrottung der Erde durch einen Deal zwischen den Cyanen und den kriegerischen Schorfen verhindern. Ausgerechnet Goiko Schulz!


«Science-Fiction für die Lachmuskeln» (Abendzeitung)


Klar, Science-Fiction ist nicht jedermanns Ding. Allwissender Schleim, sprechende Handyschutzhüllen, Chamäleonsoldaten, außerirdische Hyperintelligenzen in den bizarrsten Gestalten, das ist schon ziemlich schräg. Aber was Horst Evers in seinem Roman veranstaltet, ist dermaßen genial abgefahren, fantasievoll und lustig, dass einem Raum und Zeit förmlich um die Ohren fliegen. Ein Heidenspaß! Schaut man genauer hin, kommen hinter der SF-Fassade ausgesprochen irdische Probleme zur Sprache: Klimawandel, Atomkraft, Militarisierung der Weltgesellschaft, religiöser Wahn und dgl. mehr. Mit anderen Worten: «Alles außer irdisch» ist ein «galaktischer Spaß mit Bodenhaftung» (WAZ).


Schon mal eine grandiose Idee, das Raumschiff Signora, auf dem Goiko zum intergalakatischen Verbrauchergerichtshof fliegen soll, knallhart berlinern zu lassen (danke, Abini Zöllner!). Das klingt dann so: «So, die Herrschaftn, ick hoffe, ick störe jetze nich unjebührlich Ihre jepflegte Unterhaltung, aba ick hätte hier jetze denn doch mal 'n Problem, dit ooch für Sie vielleicht nich ohne Belang is.»


Apropos tolle Ideen und heiße Spekulationen: Falls Sie unbedingt wissen möchten, weshalb gerade der Berliner Großflughafen BER zu einer beispiellosen Skandalposse wurde, der Kölner Dom in einer ewigen Restaurationsschleife feststeckt (und NIEMALS fertiggebaut werden darf!) und der FC Schalke 04 auch in den nächsten 50 Jahren auf keinen Fall deutscher Fußballmeister wird – und was die Prophezeiung der Maya mit alldem zu tun hat: Horst Evers weiß es! Und Sie sind die Ersten, die es erfahren!

BER: Pleiten, Pech & Pannen


Wie das alles anfing? Nur noch wenige Augenblicken, dann soll der als größte Investitionsruine der westlichen Hemisphäre verhöhnte Flughafen den Betrieb aufnehmen – endlich. Wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin und der Ministerpräsident von Brandenburg den Airport für eröffnet erklären, wird ein A380 der Lufthansa zum Jungfernflug nach New York abheben. Mit an Bord: Goiko Schulz und Kira Menzel. Leider wird daraus nichts, nach genau 7,34 Sekunden ist alles vorbei. Weil ein Raumschiff von monströsen Ausmaßen vom Himmel direkt auf das Rollfeld stürzt. Das ist der Beginn einer wahnwitzigen Geschichte. Ob «die Welt/die Erde/wir alle» da gut rauskommen, das wird hier natürlich nicht verraten.


Langzeitstudent Goiko Schulz hat im taufrischen Alter von 36 Jahren seine erste Stelle ergattert, als wissenschaftliche Hilfskraft beim Nietzsche-Experten Prof. Metzger und dessen tyrannischem Kater Zarathustra. Goiko ist ebenso rettungs- wie aussichtslos in eine Frau verliebt, die nicht nur wahnsinnig gut aussieht, sondern zudem promovierte Physikerin, Mathematikerin, Philosophin und Ingenieurin der Nanotechnologie ist. Beim Versuch, die Unerreichbare für ein Date zu gewinnen, verursacht er einen Unfall. Mit der Folge, dass ihm eine Fahrradkurierin ins Gesicht fliegt: eben jene Kira, die bei der Rettung der Menschheit eine ähnlich tragende Rolle spielen wird wie ihre Zufallsbekanntschaft Goiko. Dank eines Radio-Preisausschreiben gewinnen sie im Duo den Hauptpreis: den Jungfernflug nach New York mit der ersten Maschine, die vom BER abheben wird.


Das ist der Plan. Aber daraus wird nichts, weil ja das Ungetüm aus dem All den Berliner Skandal-Airport mit einem gewaltigen Rumms kaputtschlägt. Kein Zweifel: die Außerirdischen sind da – hochentwickelte Zivilisationen, die andere Welten einfach online übernehmen, weil das die smarteste Form der Eroberung neuer Territorien ist.  Das Riesenraumschiff setzt weltweit ungeheure destruktive Energien frei, obwohl es eigentlich … nur so daliegt. Und keinen Mucks von sich gibt, kein Blinken, kein Geräusch, nicht einmal Strahlung. «Die Börsen der Welt waren in ungeheurem Aufruhr. Während die Kurse von Rüstungs- und Sicherheitsfirmen in schwindelerregende Höhen schossen, stürzten Versicherungs-, Banken- und Immobilienwerte in den Keller. Doch nicht nur die. Auch Fluglinien und Modefirmen wurden auf den Markt geschleudert wie stinkender Fisch … Sekunde für Sekunde wurden offenkundig Billionen von Dollar bewegt.»

Also sprach Zarathustra! Die Sache mit Nietzsche ...


Goiko mag nicht das hellste Licht am Firmament sein. Aber er ist unverzichtbar für die kleine Gruppe von Auserwählten, die die Rettung der Erde zu einem erfolgreichen Ende bringen können. Mit Hilfe eines Tolk-Transmitters wird er aus dem havarierten Airbus auf ein im Berliner Umland verstecktes Raumschiff geschossen, die bereits erwähnte Signora. Blöderweise verzögert sich die Reise in die Weiten des Alls noch etwas, weil eine Tür des Raumschiffs nicht schließt. Und warum nicht? Weil Frank fehlt. Wer (besser: was) Frank ist und wie er (bzw. es) beschafft werden kann, das entpuppt sich als eine der dramatischsten Herausforderungen für die Weltrettungs-Crew ...


Wem werden wir bei der «Mission Erdenrettung» begegnen?  Zum Beispiel Runia Sista, einer der brillantesten Wissenschaftlerin aller bekannten Galaxien. (Verblüffend an Runia sind weniger die rund drei Dutzend intergalaktischen Doktoren- und Professorentitel, die sie führt, sondern ihre – unfassbar wandlungsfähige - physische Gestalt: ein zweieinhalb Millionen Kilometer langer Faden von geradezu absurder Intelligenz.) Außerdem Sonoro, die sprechende Handyhülle (auch sie kann jede nur denkbare Gestalt annehmen). Dann der alte russische Zeitreisenspezialist Juri Gregoritsch Antonow Pigorsski, der weiß, dass man nicht in die Zukunft, wohl aber in die Vergangenheit reisen kann (was noch verdammt wichtig sein wird – Stichwort: Nietzsche, Turin 1899, Frank).


Auch dabei: Njiuv, die niemand anderes ist als die attraktive junge Berliner Doktorin, Goikos FU-Schwarm. Außerdem die Zwillinge Dini und Fini, zwei Trickphilosophen vom Planeten Heyy, Commander Fendo als rabiate Chefin einer (irdischen!) Spezialeinheit. Und nicht zu vergessen: die Cyanen, die der Alleinverantwortung für die Erde überdrüssig sind und der Kriegerkaste der Schorfen  aus einer ziemlich dunklen Ecke des Universums ein Übernahmeangebot machen.


Kleiner Vorgriff: Das ominöse Frank wird beschafft. Die Signora wird abheben und zu ihrer weltrettenden Mission aufbrechen. Und Goiko Schulz wird im Morgengrauen den zweiten Stern von rechts ansteuern, und zwar «direkter Kurs!» Vielleicht wird doch noch alles gut ...

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