07.11.2017   von rowohlt

Wenn Opa ein bisschen tüddelig wird

Gruselige Krankenschwestern, dümmliche Cops und ein herrlich komischer Opa – Neues von David Walliams!

© Tony Ross (Illustr.)
© Tony Ross (Illustr.)

Jack und sein Opa sind unzertrennlich. Gemeinsam fliegen sie hoch in die Lüfte, jagen feindliche Piloten, kämpfen in der Luftschlacht um England und schlagen ihre Feinde in die Flucht. Doch was für den 12-jährigen Jack aufregende Abenteuer der Fantasie sind, hält sein Großvater für blanke Realität. Er fühlt sich immer mehr in seine Zeit als Kampfpilot im Zweiten Weltkrieg zurückversetzt, doch der ist bereits seit Jahrzehnten vorbei. Das kann ja heiter werden …!

«Es ist wie Disneyland für alte Leute»


Schon früher nannte der alte Mann seinen Enkel «Staffelkapitän». Das war sein Spitzname. Damals, als sein Opa noch auf ihn aufgepasst hat und sie stundenlang alte Kriegsfilme geschaut haben. Doch dann fing sein Opa an zu vergessen. Erst waren es nur Kleinigkeiten, später wurde das Vergessene immer bedeutender: Welches Jahr sie hatten, den Tod seiner Frau oder die Namen seines Sohnes und Enkels. Irgendwann verblasste die Gegenwart vollkommen, während seine glorreiche Vergangenheit als junger Spitfire-Kampfpilot für ihn immer lebendiger wurde. Jetzt denkt er tatsächlich, dass Jack Staffelkapitän ist und mit ihm gemeinsam im Weltkrieg gegen die Nazis kämpft. 


Jacks Eltern machen sich große Sorgen um den verwirrten Mann. Seine Abenteuer verursachen reichlich Tumult; nicht selten bringt Jacks Opa sich selbst in Gefahr. Manchmal büxt er aus, um mit seinem Kampfflugzeug – der Spitfire – England im Zweiten Weltkrieg zu verteidigen. In Wahrheit aber klettert er auf hohe Gebäude oder bombardiert Supermarktmitarbeiter mit Mehlpackungen. Trotz allem genießt Jack die gemeinsame Zeit mit seinem Großvater, denn dessen Welt ist faszinierend, voller Heldentum und Spannung. Jacks langweiliger Alltag wird mit seinem Opa zu einem einzigen Abenteuer.


Doch nach einem mitternächtlichen Ausflug auf das Dach des höchsten Kirchturms beschließen Jacks spießige Eltern, seinen Opa in das berüchtigte Altersheim Twilight Towers zu bringen.  Genau dorthin, findet Jack, gehört sein Opa NICHT! Also versucht er alles, um seine Eltern von ihrem Plan abzubringen. Doch auch Jack muss sich eingestehen, dass er nicht immer und überall auf seinen umtriebigen Opa aufpassen kann.


Und der entwischt erneut. Diesmal ist er tagelang verschwunden – und sein Enkel startet eine erfolglose Suchaktion. Bei einem Schulausflug ins Kriegsmuseum macht Jack eine unglaubliche Entdeckung: Sein Opa liegt schnarchend in einer alten Spitfire, die hoch über dem Boden von der Museumsdecke hängt. Und so beginnt für Jack ein echtes Abenteuer: Er springt über die Tragflächen der ausgestellten Flugzeuge, um zu seinem Opa zu gelangen, verfolgt von einem Gorilla von Wachmann. Als er das Gleichgewicht verliert und von der Tragfläche rutscht, kann ihn nur noch sein Opa retten. 

«Einmal ein Held, immer ein Held»


Es beginnt eine halsbrecherische Flucht. Wachmänner und Polizisten verfolgen sie durch die ganze Stadt, bis sie das Duo schließlich stellen – und Jacks Opa direkt ins Altersheim Twilight Towers bringen. In der Fantasie des alten Mannes handelt es sich dabei um Schloss Colditz, ein  Kriegsgefangenenlager der Nazis. Und tatsächlich hat es mehr Ähnlichkeit mit einem Gefängnis als mit einem Seniorenheim. 


Wachtürme, Suchscheinwerfer, hohe Mauern und ein elektrisches Tor sorgen dafür, dass niemand rein- und erst recht keiner rauskommt. Die Krankenschwestern sind bullig und hässlich, die Vorsteherin fies und mit einem Elektroschocker bewaffnet, das Essen ist vergammelt, die Räume kalt und die Senioren werden mit Pillen ruhiggestellt. Doch Jack und sein Opa lassen sich nicht so leicht unterkriegen und hecken heimlich einen Fluchtplan aus …


David Walliams‘ «Propeller-Opa» ist eine aufregende Geschichte, die mit viel Humor ein wichtiges Thema anspricht. Jacks dementer Großvater könnte eine tragische Figur sein, doch Walliams verleiht ihm so viel Leben, Intelligenz und Witz, dass es Spaß macht, ihn und seinen Enkel auf ihrem großen Abenteuer zu begleiten. 


Autorin: Karoline Krjutschkow


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