20.01.2017   von rowohlt

«Scharfkantig, temporeich, brillant»

Deutscher Krimi Preis 2017 für Max Annas' Südafrika-Thriller «Die Mauer»

© Michelle Smith (Autorenfoto);  iStockphoto.com
© Michelle Smith (Autorenfoto); iStockphoto.com

Moses möchte nur eines: nach Hause. Raus aus der Hitze, raus dem weißen Vorort, in dem sein Toyota verreckt ist. Zu seiner Freundin, die auf ihn wartet. Fatalerweise trifft Max eine falsche Entscheidung: Er verschafft sich Zutritt zu The Pines, einer von wohlhabenden Weißen bewohnten Gated Community, in der er jemanden zu kennen glaubt. Aber er ist nicht der einzige Schwarze, der in der Siedlung unerlaubterweise unterwegs ist. Auch Nozipho und Thembi sind dort, um mit einem gut geplanten Diebeszug  Beute zu machen. Aber ausgerechnet in dem Haus, das sie dafür ausgesucht haben, finden sie eine Leiche. Die Treibjagd ist eröffnet. Denn drei unbefugte Schwarze in einer weißen Vorortsiedlung sind drei Schwarze zu viel … «Atemlos, klug und rasant: Max Annas hat den Krimi der Stunde geschrieben.» (taz)


Der Autor: Max Annas. Bis vor kurzem lebte Annas in Südafrika, als Teilnehmer eines Forschungsprojekts zu südafrikanischem Jazz an der University of Fort Hare. Als Journalist hat er viel über Themen aus Politik, Popkultur und Sport publiziert. Für seinen ersten Roman «Die Farm» erhielt Max Annas den Deutschen Krimipreis. «Lange nicht hat ein deutscher Autor so furios, so gewalttätig und so entschieden mit den Bestandteilen des Genres jongliert. Lange nicht ist ein derart radikaler Krimi auf Deutsch erschienen.» (Deutschlandfunk) 


«Knapp, schnell, lakonisch, auf den Punkt und brisant: Max Annas spielt schon nach zwei Büchern an der Spitze der deutschen Kriminalliteratur.» (Thomas Wörtche)

Zur falschen Zeit am falschen Ort


Kaum ist Moses durch das Eingangstor der Gated Community nahe Orchester Heights geschlüpft, ahnt er, dass ihm ein heißes Tänzchen bevorstehen könnte. Dunkel meint er sich zu erinnern, hier in The Pines einen Uni-Kommilitonen besucht zu haben. Nur: wo genau? Die meisten Häuser ähneln sich wie ein Ei dem anderen, die eingeschossigen wie die zweigeschossigen. Mit wachsender Unruhe wandert Moses durch die Straßen, mustert die Häuser. Kein Wunder, dass ihn bald die Security auf dem Schirm hat. Die zufälligerweise einen Schwarzen sucht, auf den die Delikte Hausfriedensbruch, Diebstahl und versuchte Vergewaltigung passen. Da kommt ihnen einer wie Moses gerade recht – auch wenn er mit all dem nichts zu tun hat. 


Die Häuser der Wohnanlage ziehen sich zum Nahoon River herunter; eine Mauer begrenzt das Areal. Gesichert durch Scherben oder Strom, kommt ohne Leiter niemand über die Mauer. Moses gibt sich keinen Illusionen hin. Er sitzt in der Falle, ohne Hilfe von draußen wird sie erbarmungslos zuschnappen. Bald sind ihm drei Gruppen von Verfolgern auf den Fersen, jagen ihn von Straße zu Straße, von Haus zu Haus. Neben der Security und der Polizisten beteiligen sich auch mit Schlagstöcken, Tasern und Schusswaffen bewaffnete Männer der weißen  Bürgerwehr an der Treibjagd. Moses braucht eine Idee. Und einen Plan. Ihm ist klar, dass er ohne seine Freundin Sandi und ohne Flower, das achtjährige weiße Mädchen in ihrer blau-schwarzen Schuluniform, verloren ist …

Kälteschock und Todesangst


 


Für die Absichten von Nozipho und Thembi, den anderen Eindringlingen, könnte dagegen The Pines nicht idealer sein. Suburbia, gehobene Mittelklasse, kaum Security. «Viele Häuser, die Grundstücke nicht zu groß. Um Privatheit zu schaffen, waren überall kleinere und größere Mauern errichtet worden. Als Blickschutz gegen Nachbarn und Leute, die vorübergingen und -fuhren. Nirgendwo aber durchgezogene Mauern, alle Grundstücke waren frei zugänglich. Und auf jedem gab es Möglichkeiten, sich für kurze Zeit zu verbergen. Wenn man wusste, wo die Kameras waren.» 


Und das wissen Thembi und Nozipho sehr genau. Bevor sie irgendwo einsteigen, haben sie alles gründlich ausgespäht. Wer wohnt da, wie viele, wie alt? Wer arbeitet zu Hause, wer in der Stadt? Was gibt es dort abzuschleppen:Geld, Handy, Laptop, Schmuck, wertvolle Accessoires? Und: Wo sind die Kameras angebracht? Normalerweise hätten sie alles Wertvolle zusammengerafft und verstaut und wäre dann rausspaziert, zu ihrem Auto. Aber an diesem Tag ist nichts normal in The Pines. Vor allem das nicht, dass das Diebespärchen in der Garage des Hauses eine Tiefkühltruhe mit einer toten Frau entdeckt ... 

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