17.11.2015   von rowohlt

«Spröde ist nicht selten das Zusammensitzen»

«Max Goldts Minidramen zählen zu den lustigsten und schrägsten Werken des großen Stilisten» (NZZ am Sonntag)

© Kalligrafie: Frank Ortmann
© Kalligrafie: Frank Ortmann

Vielen gilt er als der eigenwilligste und unterhaltsamste Schriftsteller deutscher Sprache: Max Goldt, «der Impresario des höheren Blödsinns» (Nürnberger Zeitung). «Räusper», Goldts 28. Buch, zeigt, wie aus Comics und Cartoons, aus Bildern mit Texten, wunderbar schräge, frivole, verwegene Texte ohne Bilder werden. «Es ist wie immer bei Max Goldt: Die Nebensächlichkeiten sind die Hauptakteure. Das aber auf so bezaubernd entwaffnende Art, dass man kaum versteht, warum fast alle anderen Autoren es genau andersrum machen.» (sueddeutsche.de)

Die Basis: Arbeiten des Comic-Duos Katz und Goldt


In der Vorbemerkung erfahren wir, wie es zu diesem Buch mit dem prägnanten Untertitel «Comic-Skripts im Dramensatz» gekommen ist. Nämlich so:


«Seit Ende der neunziger Jahre hat das Comic-Duo Katz und Goldt, dem ich als Szenarist angehöre, ein knappes Dutzend Comic- und Cartoonbücher veröffentlicht. Da deren Auflagen sich bislang in den bei diesem Genre üblichen Grenzen hielten, sind die Texte selbst unter denen, die sich als Kenner begreifen, nur vereinzelt bekannt. Hin und wieder habe ich ins Auge gefaßt, die eine oder andere Szene für den Einsatz bei öffentlichen Lesungen umzurüsten …» Aus 30 in den Jahren 2008 bis 2015 entstandenen Szenen sind diese Dramolette entstanden: literarisches Recycling der allerschönsten Art. 


Um was es in den «Räusper»-Dramoletten alles geht? Um dies und das, um alles und nichts – um  «goldene Beobachtungen aus den Niederungen des Lebens …» Zum Anschnuppern einige kurze Textpassagen:

In diesen Texten wird sich viel geräuspert


«Ich meine, Ihr Mann ist doch eigentlich einen Zacken zu hübsch für eine Frau wie Sie. (…) In einer anti-heteronormativen Gaststätte wird ein Mann doch einem attraktiven Herrn noch ein kleines Kompliment machen dürfen!» (Aus: Stets riskant: Ein freier Stuhl)


«Ist doch besser, sie werden Veganer, als daß sie nach Syrien fahren und Menschenrechtsaktivisten enthaupten.» (Aus: Der vegane Kuchen)


«Ohne jede Spur von Scheu und Schamgefühl prangt die Sonne am brutalblauen Himmel. Sie hat keinerlei Skrupel, ihre mißgünstige Visage zu präsentieren und ihre Stacheln, die von einfältigen Beobachtern als ‹Strahlen› bezeichnet werden, weit auszufahren.» (Aus: Wüstenszene)


«Gibt es in Ihrer Szene auch schon die Sub-Subkultur ‹Bärinnen aus der nächsten Tür›? Bei homosexuellen Männern gibt es ja zum einen sogenannte Twinks, also welche, die dünn und jung sind, und zum anderen Guy-next-door-Bären ohne Alters- und Gewichtsbeschränkung.» (Aus: Die stolze lesbische Reckin, der Twink, der Bär und zum Schluß noch ein Fatty)

Von Mißbrauchsnonnen und Schindmähren


Außerdem spazieren Betthasen der Mächtigen durch die Texte, breitbeinige Berufsberater, durchgeknallte Alte, die Jungs vom Streudienst, Kater Karlo und der Rattenkönig, Yum Yum Knabbernudeln, luxemburgische Zwiebelrahmsuppe, die Hackbrät-Tour der Frauenrockgruppe Schindmähre. Ach ja, auch Claudia Roth und Cem Özdemir haben ihren Auftritt.


Und keinesfalls verpassen sollten Sie die kritische Inspektion der Stiftung Lesehemd (siehe: Das schwere Sofa) und einen Besuch in der Kindersargtischlerei Schleckermäulchen (siehe: Besuch der Bonbonfabrikanten). Hier wird gehobelt, dass die Späne nur so fliegen.

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