23.01.2016   von Bettina Plecher

Pilztrips und Psychiatrie

Bettina Plecher über die Entstehung ihres Kriminalromans «Isarlauf»

© Henning Koepke
© Henning Koepke

Als mir ein befreundeter Psychiater von seinen «Pilzreisen» an heimliche Orte im bayerischen Hinterland erzählte, war der zweite Teil meiner Krimiserie um den Münchner Toxikologen Quirin Quast schon weit gediehen. Was er berichtete, war jedoch so aufregend und unglaublich, dass ich einen großen Teil meines Textes wegwarf und von neuem zu schreiben begann.

Ein Fall für den Münchner Toxikologen Quirin Quast ...

Dies sollte mir noch einige schlaflose Nächte bereiten – und doch fesselte mich die Geschichte mehr und mehr. Vor allem deswegen, weil dieser Arzt so gar nicht dem Klischee einer drogen-affinen Persönlichkeit entspricht, sondern hocherfolgreich als Psychiater praktiziert und im Umgang seriös, ruhig und rational ist.


Und doch lässt er sich regelmäßig auf ein Wagnis ein, das ihn seine Approbation oder im schlimmsten Fall seine seelische Gesundheit kosten kann: Im vollen Bewusstsein der Risiken geht er immer mal wieder auf «Pilzreise», weil er davon überzeugt ist, dass sich therapeutische Prozesse durch psychoaktive Stoffe beschleunigen lassen.


Auf der anderen Seite begegnete mir im Zuge meiner Recherchen eine Frau, die mir erzählte, dass ihr damals fünfzehnjähriger Sohn sich psychoaktive Pilze beschafft und sie alleine in seinem Kinderzimmer konsumiert habe. Für den Jungen mündete diese Erfahrung in der Katastrophe. Er entwickelte eine Psychose, an deren Folgen er auch heute, mehr als zehn Jahre später, noch leidet.

... und seine Kollegin Frieda May

Ich persönlich maße mir selbst nach intensiver Beschäftigung mit der «psycholytischen Therapie» kein abschließendes Urteil an. Und so soll auch der Leser von «Isarlauf» in das Spannungsfeld zwischen Gefahr und Hoffnung auf Heilung eintauchen.


Die Pilzreisen in meinem Kriminalroman finden in der Provinz statt. Die Mitreisenden im Roman aber kommen aus der Mitte der Gesellschaft, und so steht für sie einiges auf dem Spiel, als der Toxikologe Quririn Quast und seine Mitbewohnerin Frieda May herausfinden, welche klandestinen Aktivitäten im fernen Niederbayern vor sich gehen..


Wer an der riskanten Seite der Pilztrips interessiert ist, kann auch ins Kino gehen und sich die Verfilmung des großartigen Suter-Romans «Die dunkle Seite des Mondes» ansehen.  Übrigens, der Roman selbst spielt bei der Auflösung des Krimi-Rätsels in «Isarlauf» eine nicht unbedeutende Rolle....

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