19.08.2016   von rowohlt

Ein ungleiches Paar auf einer Reise voller Abenteuer

Europa kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg: Ein historischer Roman wie ein Gemälde – das Stimmungsbild einer Epoche.

Dreißig lange Jahre währte der große Krieg. In Hamburg - einer Insel der Sicherheit - war man von den Wirren der Zeit verschont geblieben. 1650, als endlich Friede herrscht, begibt sich Emma van Haaren auf die lange Fahrt nach Amsterdam. Dort muss ein Erbe verteilt werden. Doch in der Wildeshauser Geest wird Emmas Kutsche überfallen, ihr Mitreisender fällt Mordbuben zum Opfer. Mit seinem Sohn Valentin gelingt Emma im letzten Moment die Flucht. Eine abenteuerliche Reise durch ein so bedrohliches wie spätsommerschönes Land beginnt. Und beide wissen genau: Sie brauchen einander, wenn sie überleben wollen ...

Das Interview

Ihr neuer Roman ist anno 1650 angesiedelt. Warum?
Die gleich nach dem 30-jährigen Krieg angesiedelte Geschichte trage ich schon lange mit mir herum. Ideen und Bilder schleichen sich unversehens in den Kopf, manche bleiben beharrlich. Hamburg war während des Krieges ein sicheres Handelszentrum für alle Parteien, die sich hier auch zu Verhandlungen trafen. Es war rettende Insel für tausende Flüchtlinge, zugleich neben Amsterdam der bedeutendste Umschlagplatz für Rüstungsgüter. Die engen Verbindungen mit dem reichen calvinistischen Nordwesten der Niederlande ist überhaupt sehr spannend – nicht nur wegen der Börse oder Rembrandt & Cons.
Die Protagonisten Ihrer Romane bleiben fast immer an einem Ort. «Emmas Reise» nun isteine Art «Road Novel». Bot Hamburg nicht genug Stoff?
Im Gegenteil – die Vorräte sind unerschöpfl ich. An der Überfülle spannenden Materials in Hamburg wie in Dörfern, Landschaften, Städten entlang der Route wäre das Projekt beinahe gescheitert. Ich bin auf der gesamten Strecke überwiegend zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs gewesen – da empfi ndet und sieht man mehr. Es ging mir von Anfang an um eine lange Wanderung mit einem Ziel, aber durchs Ungewisse. Emma und Valentin kannten nur das Leben hinter den Hamburger Festungswällen. Jetzt müssen sie sich in der wirren Nachkriegszeit auf unbekanntem Terrain durchschlagen, Verfolgern entkommen, ohne den Schutz ihrer Familien überleben. So ändert sich ihr Blick aufeinander und auf die Welt, sie werden erwachsen, vielleicht sogar klüger.
Die beiden sind sehr jung und unterschiedlich.
Alles andere wäre doch öde. Genauso tauchten sie irgendwann auf: Emma, eine junge Frau von fröhlicher Unternehmungslust, Valentin trotz seiner zwölf Jahre verbissen und arrogant, er redet wenig, lacht nie. Sie unterscheiden sich auch durch Erziehung und Religion, bis sie zum Team werden, muss viel geschehen. Ihre Geheimnisse, die Gründe für ihre Reise, vertrauen sie einander lange nicht an. Spannend für mich war auch wieder die Recherche der breiten Palette des Alltaglebens. Zu meinem Vergnügen sind auch Wanderkomödianten, schräge Vögel und ein noch nicht berühmter Maler dabei.

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