11.04.2017   von rowohlt

Eine richtige Hausfrau hat das im Gefühl!

Wer seit über sechzig Jahren seinen eigenen Haushalt führt, hat viel zu erzählen – Renate Bergmanns beste Rezepte und Haushaltstipps!

© Rudi Hurzlmeier; iStockphoto.com
© Rudi Hurzlmeier; iStockphoto.com

4 Kilo gemischtes Gulasch, ein paar Kilo Möhren, Kartoffeln, Sellerie und Zwiebeln, eine gute Handvoll Gewürze, 3 Flaschen Rotwein – was das ergibt? Kesselgulasch am offenen Feuer, was sonst? Wem dieses Gericht angesichts aktuell arktischer Temperaturen (Tief Marcel, Tief Norbert!) für Ostern zu heikel erscheint (offenes Feuer, draußen, neenee!), für den hat Renate Bergmann jede Menge vorösterlicher und österlicher Tipps auf Lager: von ausgefuchsten Saubermachideen (Stichwort: Karwoche als Kehrwoche) über richtiges Eierfärben bis  zum sensationell guten Eierlikör. Apropos: Sollten Sie noch ein kleines, feines Mitbringsel zum Osterbrunch benötigen – das hier wär's doch eigentlich: Renates großes Haushalts- und Kochbuch, garniert mit einem Fläschchen Eierlikör aus eigener Produktion.


Kaum zu glauben, was man von «der ollen Bergmann» alles lernen kann! Okay, ein Rezept für Buttercremetorte («mit gut anderthalb Stück Butter») findet man wohl auch anderswo. Aber wussten Sie, wie man Gardinen richtig sauber kriegt, also ohne Grauschleier? (Über Nacht in der Badewanne mit ein paar Päckchen Backpulver einweichen …) Was kommt ins Fensterputzwasser? (Ein guter Spritzer Kölnisch Wasser natürlich; so kriegt es das ganze Haus mit, dass Renates Fenster wieder blitzeblank sind. «Und kommen Se mir nicht mit ‹Sonnenschlieren›! Eine gute Hausfrau putzt morgens, bevor die Sonne aufgeht» …) Wo hilft einem Gebissreiniger weiter? (Um Vasen wieder sauber zu kriegen …) Wie schütze ich mich vor quietschenden Schubladen? (Indem ich die Schienen innen mit Seife ausreibe, klar …) Und was vertreibt Mücken? (Die Schnittflächen einer Zitrone mit reichlich Nelken spicken – altes Hausmittel …)

4 Top-Tipps aus dem Hause Bergmann


Eierfärben. Wegen ihrer mittlerweile auch schon auf die 50 zugehenden radikalesoterischen Tochter Kirsten beschließt Renate, diesmal die Eier «mit Bio zu färben … Wissen Se, es muss nicht immer Chemie sein, Mutter Natur hält einen großen Schatz bunter Farben für uns bereit». Entscheidend ist, dass die Eier exakt zehn Minuten ins kochende Wasser kommen. In das Kochwasser der Eier einen guten Schuss Essig geben; das greift den Kalk der Schale an, macht sie aufnahmebereit für die Farbe. Im Farbsud lassen wir die Eier eine gute halbe Stunde liegen; am Ende werden sie mit einer Speckschwarte blank poliert. Und nun zu den Biofarben! «Rote Beete färbt die Eierschale rot, Rotkohlblätter lassen sie lila werden, Heidelbeersaft macht blau/grau. Birkenblätter färben gelbgrün, von Ahorn werden sie goldgelb, von Möhren orangegelb. Zwiebelschale macht sie braun und Efeublätter, Petersilie und Spinat grün.» Damit kennt sich Renate bestens aus, seit sie für Kirsten die schönsten Smufies zaubert.


Schnittblumen. Ostern bekommt man nicht nur als ältere Dame gern mal einen Strauß frischer Blumen geschenkt. Eigentlich eine nette Geste, aber: «Im Grunde bin ich nicht für Schnittblumen. Sie kosten einen Haufen Geld, sind im Handumdrehen verblüht.» Was aber, wenn gleich mehrere Gäste mit einem Blumenstrauß aufkreuzen? Renate weiß, was zu tun ist: «Wenn die Blumen billig waren und nicht so hübsch, bringe ich sie zum Friedhof. Das geht immer reihum zu einem meiner Männer aufs Grab, da bin ich gerecht. Also, die billigen Sträuße, die Erwin Beusel mir von der Tankstelle mitbringt oder die man im Wahllokal kriegt, wenn man früh gleich die Erste ist, die kommen nach Moabit zu Otto, nach Karlshorst zu Wilhelm, nach Staaken zu Franz oder hier nach Spandau zu meinem Walter. Je nachdem, wer dran ist.» (Sollten Sie noch keine vier Ehepartner unter die Erde gebracht werden, muss man sich halt was anderes Sinnvolles überlegen.) 


Österlich-frische Bettwäsche. Ostern, das klingt nach Frühling, Aufbruch, Licht und Luft. Für nicht mehr ganz junge Menschen, findet Renate, gibt es jede Menge guter Gründe für duftendes Bettzeug, u.a. diesen: «Wissen Se, in meinem Alter … es kann immer mal sein, dass ich des Abends einschlafe und morgens nicht mehr aufwache. Wenn dann die Doktorsche, der Bestatter und vielleicht auch Kirsten kommen und mir die Hände falten – ja, sollen die denken: ‹Ach du je, die Betten hätte sie aber auch mal waschen können?!› Nee! Das soll nicht sein! So achte ich drauf, dass alles immer tipptopp ist. Wenn man schon gehen muss, will man schließlich wenigstens einen guten Eindruck hinterlassen und Veilchenduft.»


Eierlikör. Wie heißt es so schön: «Junge Frauen tragen ihre Waffen im Büstenhalter, ältere haben für den Fall der Fälle immer einen Eierlikör in der Handtasche!» (In Ehren ergraute Rocker wie Udo Lindenberg sicher auch …) Aber unabhängig von jung oder alt gilt: Kein Osterfest ohne selbstgemachten Eierlikör! Hier die Zutaten: 10 Eigelb – 1 Pkt. Kondensmilch, gezuckert – 1 Pkt. Kondensmilch – 3 EL Puderzucker – 1 Prise Vanillezucker – Schnaps (Primasprit), nach Geschmack. «Aber passen Se mit dem Sprit auf, wenn Sie ihn nicht gewohnt sind!» Damit auch nichts danebengeht, hier ein kleines Video zu «Renates Eierlikör» …

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