23.10.2012   von rowohlt

Nils Mohl erhält den Deutschen Jugendliteraturpreis

In der Kategorie Jugendbuch wurde «Es war einmal Indianerland» von Nils Mohl mit der Momo ausgezeichnet. Aus der Jurybegründung: Mohls in raffinierten Zeitsprüngen konstruierte Erzählung lebt unter anderem von dem konzisen Einsatz filmischer Gestaltungsmittel, wie schnelle Schnitte, Vor- und Rückblenden – typographisch mit den Zeichen für die Vor- und Rückspultasten von DVD-Playern markiert –, die den Leser immer wieder in einen anderen Kontext katapultieren. Die gesamte Handlung in ihrer chronologischen Abfolge fügt sich erst am Ende des Romans zu einem vollständigen Bild. Das ist literarisch anspruchsvoll und verlangt genaues Lesen. Auch die Sprache des Romans will genau erfasst werden: Mohl versteht es, Ellipsen und Parataxen an den richtigen Stellen mit Nebensatzkonstruktionen zu versehen. Ausgiebig nutzt er Parenthesen und Einschübe für eine zweite Textebene, die man zum einen wie Drehbuch-anweisungen lesen kann oder die ein anderes Mal der Atmosphäre erst ihre gänzliche Fülle verleihen. Dabei erweist sich Mohl als ein Meister des Erzählens für alle Sinne: Der Leser riecht das Chlor des Schwimmbades, empfindet die drückende Hitze eines wolkenlosen Sonnentages, sieht die Stadtansichten leibhaftig vor sich, hört den Lärm eines Open-Air-Festivals mit seinen unterschiedlichen Geräuschkulissen am Tag und in der Nacht. Viel zum dichten Flair des Romans trägt der kreative Umgang mit sprachlichen Bildern und Vergleichen bei, die Eskalation bekannter Redewendungen wenn zum Beispiel aus regnenden Katzen und Hunden Säbelzahntiger und Dobermänner werden, und schließlich der sichere Einsatz von filmischen Motiven aus Western und Indianerfilmen. «Es war einmal Indianerland» ist ein kunstvoll gebauter Roman, der mit seinen zahlreichen Neologismen auch sprachlich innovativ und überzeugend ist. Er bietet dem Leser eine neue und aufregende Variante aus Bildungsroman und Liebesgeschichte. Mohl gelingt es, anspruchsvolles literarisches Erzählen thematisch dicht bei seinen jugendlichen Lesern zu realisieren – und das mit viel Herz und Ohr für seine Adressaten.

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