10.01.2017   von rowohlt

«Diebe, die wir gestern festgesetzt haben, winken uns ein paar Tage später wieder an Ort und Stelle zu.»

Ex-Polizist Nick Hein («Polizei am Limit») berichtet von den Mängeln in der deutschen Strafverfolgung und den Folgen.

© Superbass / CC-BY-SA-4.0
© Superbass / CC-BY-SA-4.0

Sie sagen, die Übergriffe in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln und anderswo seien nur ein Symptom. Inwiefern?
Sie sind für mich ein Symptom für das, was generell schiefläuft in der deutschen Strafverfolgung: lasche Gesetze, mangelnde Vernetzung der Polizei, personelle und finanzielle Unterbesetzung, veraltete Ausstattung, Ausbildungsdefizite. Man muss sich fragen, ob wir durch die Mängel in der Strafverfolgung Intensivtäter heranziehen, die jeglichen Respekt vor der Polizei verlieren und ihre kriminellen Aktivitäten immer weiter in den Städten ausdehnen.


Ist die Polizei überlastet?
Definitiv. Nehmen wir den Kölner Hauptbahnhof: Hier treffen täglich Hunderte von Menschen verschiedener Herkunft aufeinander. Diebstähle, Drogendeals, verwirrte Personen, Prügeleien gehören zur Tagesordnung. Die Wache ist unterbesetzt, die Polizisten schieben einen Berg Überstunden vor sich her, haben veraltetes Equipment. Außerdem frisst die Bürokratie einen Großteil der Zeit. Daraus entstehen Konflikte, Frustrationen und das Gefühl der Hilflosigkeit. Die werden befördert durch inkonsequente Strafverfolgung: Diebe, die wir gestern festgesetzt haben, winken uns ein paar Tage später wieder an Ort und Stelle zu.


Speziell geraten Täter mit Migrationshintergrund in den Blick – wie ist Ihre Erfahrung?
Meiner Ansicht nach wären unsere Probleme dieselben, auch ohne die aktuelle Flüchtlingswelle. Sie haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit und sind – zum Teil zumindest – hausgemacht.

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