07.06.2017   von rowohlt

«Was also ist die Frau von heute?»

«Florian Schroeder bringt beeindruckend präzise auf den Punkt, was heutzutage von Frauen erwartet wird.» (stern.de)

© iStockphoto.com
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Was hat die Frau von heute nicht alles zu sein! Erfolgreich im Job, liebevolle Mutter, verruchte Liebhaberin, beste Freundin – und dabei immer entspannt. Die Ansprüche an Frauen sind scheinbar grenzenlos. Frauen leisten so viel und stehen doch immer wieder im Schatten der Männer. Sie verdienen weniger, zahlen aber mehr – beim Friseur, in der Boutique, bei der Krankenversicherung. Ist eine Frau selbstbewusst, nennt man sie zickig, ist sie emotional, nennt man sie hysterisch. Der Wahnsinn, eine Frau zu sein. Aus der Sicht eines Mannes. Wenn das mal gutgeht – dann ist das hier fast eine Liebeserklärung. 


Verfasst hat sie der Kabarettist und Kolumnist Florian Schroeder. Im Fernsehen moderiert er die «Spätschicht» (SWR/ARD); er ist regelmäßig Gastgeber der «radioeins Satireshow» (rbb) und bloggt alle zwei Monate für Psychologie heute. Wie kaum ein anderer beherrscht der «Philosoph unter den Kabarettisten» die Kunst der intelligenten Provokation. «Florian Schroeder, der mittlerweile zu den Großen in der Kabarettszene gehört, gibt den Entertainer der Extraklasse mit schwarzem Humor.» (Der Spiegel) 


Mit messerscharfer Beobachtungsgabe und hintergründigem Humor analysiert Florian Schroeder in seinem neuen Buch den «Wahnsinn, eine Frau zu sein»: klug und pointiert, scharfsinnig und lustig, liebevoll und wütend. Wie intensiv er an seine Buchthemen Partnerschaft, Sex, Geld, Feminismus und Macht herangeht, verdeutlicht die opulente Literaturliste (siehe: www.florian-schroeder.com/frauen). Dort finden sich Namen wie Eva Illouz und Laurie Penny, Slavoj Zizek und Christina von Braun, Angela McRobbie und Michel Houellebecq – samt Verweisen auf ein ganzes Bündel relevanter Diskurse und theoretischer Inspirationen. 


Hier zum Einlesen einige Passagen:

«Du verstehst uns. Endlich!» (Barbara Schöneberger)


Irrsinnige Ansprüche. «Wie muss die Frau sein? Sie muss topmodelmagerschlank sein, sie muss Kinder wollen, und sie muss sie im richtigen Moment wollen, also nicht mit 20, aber auch nicht mit 40. 20 ist zu früh, 40 zu spät. Sie muss also die richtige Anzahl Kinder mit dem perfekten Mann zum richtigen Zeitpunkt kriegen. Die richtige Anzahl, das ist nicht eins, das wäre ego, aber auch nicht fünf, das wäre assi. Wenn sie dann Kinder hat, muss sie arbeiten, Karriere machen – selbstbewusst sein, aber nicht als Emanze, feministisch organisiert, aber nicht verbissen, und vor allem: gut drauf. Und während sie Karriere macht, darf sie keine Rabenmutter sein, und während sie zu Hause ist, muss sie trotzdem Karriere machen, sie muss weiter topmodelmagerschlank sein, man darf ihr die Kinder, die sie gekriegt hat, nicht ansehen. Ihrem Partner muss sie außerdem Liebhaberin, Mutter, beste Freundin, alles auf einmal sein, und den Stress, den sie  dabei hat, den DARF MAN NIEMALS SPÜREN!»


Feminismus – ein uncooler Männerschreck? «Und was ist überhaupt aus diesem Feminismus geworden? Ist er wirklich der Zombie, zu dem Alice Schwarzer ihn hat verkommen lassen? Spricht man mit Frauen, finden sie ihn wichtig, wollen aber lieber nichts damit zu tun haben. Irgendwie uncool, ein Männerschreck. Der Feminismus ist der Damenbart unter den Geschlechterfragen. Vielleicht ist er einfach nicht mehr anschlussfähig, erschöpft sich zu sehr in reflexhaftem Hashtag-Geschrei, dessen Lautstärke mit seiner Folgen- und Bedeutungslosigkeit zusammenfällt.» 


«Was also ist die Frau von heute, warum ist sie so gestresst, warum hat sie es so schwer mit sich – und warum haben wir Männer es so schwer mit ihr? Diesen Fragen versucht dieses Buch nachzugehen. Aus der Sicht eines Mannes, was an sich schon ein Skandal ist, verschärft durch die Tatsache, dass er sich selbst für ein weißes, heterosexuelles und damit per se privilegiertes Mitt-Enddreißiger-Exemplar dieser ohnehin schon degenerierten Chromosomenfolge hält. Es droht also heteronormativer, eurozentristischer Unfug. Da kann ich nur sagen: Jawoll, freuen Sie sich, liebe «Binnen-I», «_» und «X»-FetischistInnen, wir werden viel Spaß zusammen haben.»


Darauf eine Frozen Margarita ... «Social freezing etwa, die Gebärchance für moderne Paare, die über all dem Social Networking, Liking, Teiling, Favorisiering und Kommentiering das Real-Life-Kindermaching vergessen haben. Und deren Babys dann nicht mehr Scheyenne Savannah oder Jacqueline Chantalle heißen, sondern Frozen Margarita.»

Frau + hohe Absätze = Idealgröße Mann


Wann ist der Mann ein Mann? «Ausgerechnet das akademische Milieu, das sich zugutehält, die wesentlichen Impulse für alle großen gesellschaftlichen Revolutionen wie sexuelle Befreiung und Gleichberechtigung gegeben zu haben, ist am trägsten, was Veränderungen zwischen den Geschlechtern angeht (…) Ausgerechnet hier, im hippen Biospießer-Paradies, zwischen Yoga, Smoothie und Elterninitiativen-Kita, wo man sich von der Selbstüberhöhung ernährt, dem Fleischfresser-Prekariat um Lichtjahre voraus zu sein, ist der Mann noch Jäger und die Frau Sammlerin – von Treuepunkten bei REWE.»


BDM: Bund Deutscher Magersüchtiger. «Ich hatte häufig das Gefühl, für Sarah ging es andauernd darum, sich zu ihrem Körper zu verhalten. Er war mal Feind, der machte, was er wollte, und dann wieder, wenn sie sehr viel gearbeitet und nicht zum Essen gekommen war, der beste Freund. Das Schlimme ist: Die Ansprüche sind auch hier so verdammt widersprüchlich. Du sollst dünn sein, aber nicht dürr, definiert, aber nicht aufgepumpt wie ein McFit-Opfer, straff und faltenfrei, aber ohne Botox. Du sollst attraktiv sein und das auch ausstrahlen. Du sollst nicht hadern und zaudern, sondern stolz auf deinen Körper sein. Der Grat ist so schmal, sobald du ihn betrittst, droht Absturz. Und es gibt nicht einmal einen Rettungsschirm, im Gegenteil: Ganze Armeen von Frauenzeitschriftsredakteurinnen leben ausschließlich davon, mit ‹Fünf Kilo in einer Woche nur mit Schokolade›-Diätkrampf den Aufprall noch ein bisschen härter ausfallen zu lassen. Irgendwann gründen sie einen neuen Leserfanclub mit dem Kürzel BDM, den Bund Deutscher Magersüchtiger.»


Mütter unter Glückszwang.  «Ein Vater, der sich aus dem Staub macht, wird schräg angeguckt. Eine Frau, die ihre Familie verlässt, wird geächtet. Ein Mann darf auch freimütig bekennen, dass er in den ersten zwei bis drei Lebensjahren nichts, aber auch gar nichts, mit dem Kind anfangen konnte, für eine Mutter ist das unvorstellbar. Sie soll eins mit dem Kind sein, und zwar vom ersten Tag an. Sie hat instinktiv zu wissen, was wann zu tun ist. Hat sie ein Problem mit ihrem Muttersein, dann hat sie wohl das Kleingedruckte nicht gelesen, dann ist sie Opfer der modernen Unverbindlichkeit, eine Zalando-Mutter, die nicht kapieren will, dass ein Kind eine Anschaffung ist, für die gilt: Rückgabe ausgeschlossen. Will Mutti aus der Begeisterungsbox auch nur einen Millimeter hinaus, kommt ratzfatz der Deckel drauf. Die Mutter steht unter Glückszwang – und zwar ab dem Moment der Schwangerschaft. (…)  Der Glückszwang ist die Pest der Gegenwart – sie setzt die Messlatte so hoch, dass nur das Unglück die Folge sein kann.»


Scharmützel an der Genderfront. «Es ist schlichtweg unmöglich, eine vollkommen und endgültig diskriminierungsfreie Sprache zu schaffen. Wer keinen ausschließen will, schließt am Ende alle ein – ins Gefängnis einer Sprache, die keiner mehr sprechen kann und will. Eine Sprache, die vollkommen jeden Lebens beraubt ist und auf der ästhetischen Stufe eines trockenen Gesetzestextes angekommen, wird keine Macht mehr haben. Oder lest ihr gerne mal zum Einschlafen euren Kindern das Strafgesetzbuch vor, einfach weil es so prosaisch daherkommt? (…)Von mir aus kann jeder das Geschlecht haben, das er will. Von mir aus kann es so viele Geschlechter geben wie Menschen, und sie sollen alle ihren Platz in dieser Gesellschaft haben … Das Problem besteht in der Verkapselung derer, die das Thema auf die Agenda bringen. Die Frage, worüber man eigentlich sprechen will, gerät dabei völlig ins Hintertreffen. Wer braucht noch Inhalte, wenn die Form schon der Inhalt ist?»


Gerne auch halbnackt … «Ich bin technisch mittelmäßig und handwerklich unterbegabt. Wer also auf lötende, hämmernde und beim 3:0 laut brüllende echte Kerle steht, wird von mir nachhaltig enttäuscht werden. Darum habe ich oft Frauen kennengelernt, die besonders gern Auto fuhren, hämmerten, schraubten und bohrten, den Geruch des Handwerkerkellers an der Vaterbrust wie Muttermilch aufgesaugt hatten. Auch wenn ich weiß, dass Frauen es wahnsinnig sexy finden, wenn er mal eben halbnackt unterm Auto liegend den SUV neu zusammenschraubt, hat mich meine schrauberische Impotenz nie wirklich beschäftigt. Ich kann dafür fehlerfrei die Wäsche aufhängen. Gerne auch halbnackt!

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