17.07.2019   von rowohlt

Andrea Camilleri ist gestorben

Wir trauern um unseren Autor

© Basso Cannarsa
© Basso Cannarsa

Der italienische Schriftsteller Andrea Camilleri ist am 17. Juli im Alter von 93 Jahren gestorben.


Camilleri wurde am 6. September 1925 in Porto Empedocle in der Provinz Agrigent auf Sizilien geboren, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte, und zog dann nach Rom. Dort lebte er bis zu seinem Tod.


Seine berufliche Karriere begann Camilleri bei der RAI, der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Italiens. In den dreißig Jahren, die er dort arbeitete, schuf er insgesamt 120 Theaterinszenierungen, 80 Fernsehproduktionen und 1300 Regiearbeiten für das Radio. Erst nach dem Abschied von der Regiearbeit begann er, Bücher zu schreiben. Der große literarische Durchbruch gelang ihm im Alter von fast siebzig Jahren mit seinen Kriminalromanen um den charismatischen und von den Lesern innig geliebten Commissario Salvo Montalbano.


Der in Rom lebende Sizilianer war und ist einer der meistgelesenen Autoren Italiens. Sein Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Literaturpreisen bedacht. Andrea Camilleris literarisches Schaffen, das mehr als 100 Bücher umfasst, ging weit über das Schreiben von Kriminalromanen hinaus. Die Bandbreite seines Werkes erstreckt sich von politisch engagierten Büchern wie «M wie Mafia», einer Rekonstruktion der spektakulären Geschichte von Mafiaboss Bernardo Provenzano, über den in seiner Heimatstadt Porto Empedocle angesiedelten Initiationsroman «Die Pension Eva» und den hintersinnigen Erotikthriller «Mein Ein und Alles» bis hin zu «Gewisse Momente», einer sehr persönlichen Rückschau auf Begegnungen, die Camilleris Leben entscheidend geprägt haben – unter anderem mit Pier Paolo Pasolini, Antonio Tabucchi oder Samuel Beckett.


Camilleri verstand sich immer auch als politischer Autor. Die Auseinandersetzung mit dem Faschismus, der seine Jugendjahre auf Sizilien prägte, mit Berlusconi und der Mafia durchzieht sein literarisches Werk. Zuletzt übte er öffentlich scharfe Kritik an dem rechtspopulistischen Innenminister Matteo Salvini und dessen rigoroser Flüchtlingspolitik. Mit Andrea Camilleri verliert die Welt einen der wichtigsten Intellektuellen Italiens, eine starke, politisch engagierte Stimme und einen begnadeten Erzähler.


Andrea Camilleri ist am 17. Juli in Rom gestorben.


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