02.01.2013   von rowohlt

Mord im Schatten der Schönheitsklinik

Ein neuer Fall für Laura Gottberg und Commissario Guerrini

Donatella Cipriani, eine elegante Italienerin, wird mit intimen Fotos erpresst. Kommissarin Laura Gottberg lässt sich nur widerwillig auf den Fall ein – was hat sie mit den erotischen Irrungen und Wirrungen einer Mailänder Industriellengattin zu tun? Als aber in einem Münchner Luxushotel der Engländer Sir Benjamin Sutton tot aufgefunden wird, erscheint die Sache in einem anderen Licht. Es ist der Beginn riskanter Ermittlungen, die Laura Gottberg in die Toskana führen und ihren Freund, Commissario Angelo Guerrini, beinahe das Leben kosten wird …

Tod eines Verführers

Der Fall Cipriani/Sutton fesselt Lauras Aufmerksamkeit mehr und mehr. Irgendetwas am Tod Suttons im Hotel Vier Jahreszeiten irritiert sie. Auf den ersten Blick sieht alles nach einem natürlichen Ende des britischen Adligen aus; ihr Instinkt sagt ihr aber, dass er ermordet wurde. Die zweite pathologische Untersuchung ergibt, dass zuerst K.o.-Tropfen das Opfer handlungsunfähig machten, bevor eine Kaliumchlorid-Injektion den Tod herbeiführte. «Ein sanfter, intelligenter Mord» – und praktisch nicht nachzuweisen.


Der Tote führte eine Doppelexistenz, er besaß Kreditkarten und einen zweiten Reisepass auf den Namen Henry Tennison. Als man in seinen Unterlagen auch noch Liebesgedichte findet, ist für Laura Gottberg und ihren Kollegen Peter Baumann die Sache klar: Der Mann war ein Gigolo, ein professioneller Verführer, der es auf nicht mehr ganz junge, aber wohlbetuchte Frauen abgesehen hatte. Der Verdacht liegt nahe, dass Sutton selbst die Erpressung organisierte. Sein letztes Opfer: Donatella Cipriani.

Erste Spur – oder falsche Fährte?

Zur gleichen Zeit verbeißt sich Commissario Guerrini in einen Fall, der ihn wütend und hilflos zugleich macht. In den Hügeln südwestlich von Siena treiben skrupellose Geldverleiher ihr Unwesen. Kredite mit Wucherzinsen von bis zu 250 Prozent stürzen Dutzende armer Bauern und Handwerker in den Ruin. Als der Kleinbauer Luigi Bellagamba in der Questura den Fund einer Leiche meldet, zweifelt Guerrini keine Sekunde, dass es sich um eine Mafia-interne Abrechnung handelt: Der Tote wurde mit einem Draht stranguliert, ein Bündel Geldscheine steckt in seinem Mund: ein höhnischer Abschiedsgruß für einen «Verräter».


Die Leiche Cosimo Strettos wurde unweit eines von Zypressen und Pinien umgebenen Anwesens gefunden – kein Ort, den der knorrige Bellagamba freiwillig betreten würde: «Da sitzen welche, die keinen Geldverleiher brauchen. So eine Art Schönheitsfarm ist das, für reiche Weiber aus Rom und Mailand. Wahrscheinlich auch aus Deutschland und sonst woher. Meine Frau liefert denen Ziegenmilch und Schafskäse und Eier.» Guerrini stattet den Betreibern des Instituts Vita divina, einen Besuch ab. Und spürt sofort, dass mit dieser diskreten Kurklinik etwas nicht stimmt. Wenig später überstürzen sich die Ereignisse ...

Wiedersehen mit den Gottbergs

Wie der große Sizilianer Andrea Camillieri hat auch Felicitas Mayall ein feines Gespür für atmosphärische Details: für Städte und Landschaften, für Farben und Stimmungen, für Gerüche und Gerichte. Mayall-Leser freuen sich auf ein Wiedersehen mit den Gottbergs: mit Laura, ihren beiden Kindern und ihrem Vater Emilio, mit Lauras Sieneser Freund Angelo Guerrini und dessen Vater Fernando.


Nachtgefieder ist der siebte Band von Felicitas Mayalls Gottberg-Serie. Wir wandern mit Laura Gottberg durch die Jahre; sie wird älter, weiser und blockiert sich doch immer wieder selbst mit ihren alten Ängsten und Unsicherheiten. Das ist das Schöne an Laura Gottberg: Sie ist eine kluge Kriminalistin – und hat doch so gar nichts von einer coolen, kaltblütig agierenden Heldin im Kampf gegen das organiserte (und unorganisierte) Verbrechen.

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