16.10.2015   von rowohlt

Messeimpressionen, Tag 4

Tolle Bücher, aufregende Autoren, miserables Wetter: die Frankfurter Buchmesse 2015.

© iStockphoto.com
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Wer Bücher liebt …

… kauft in der Buchhandlung. Immerhin gibt es 4782 zur Auswahl laut Vorsicht Buch!, der Kampagne, mit der Buchhandel, Zwischenbuchhandel und Verlage aus Deutschland gemeinsam neugierig machen auf Bücher und Geschichten. Im Mittelpunkt stehen die Lust am Lesen und die Vorteile des Buchhandels vor Ort.
Wer Bücher liebt, wird auf der Frankfurter Buchmesse ein wahres Feuerwerk an Buchinspiration mitnehmen können. Das Spektrum ist gewaltig: politisches Sachbuch und Wissenschaft, Esoterik und Fotokunst, Kinderbuch und große Literatur. Die Spannweite ist gigantisch: von Frank Witzel (Gewinner des Deutschen Buchpreises 2015 mit «Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969») und Jonathan Franzen («Unschuld») bis, sagen wir mal …



Noch ein Messe-Hingucker: Daniela Katzenberger

Die «Katze» ist Medienprofi durch und durch, Kultblondine mit viel Humor. Auf der Buchmesse präsentiert sich die Katzenbergerin mit ihrem neuen Buch: «Eine Tussi wird Mama», im Hintergrund kritisch beäugt von Fußballer Kevin-Prince Boateng. Zwei Medienprofis unter sich.


Trubel am Rowohlt-Stand in Halle 3.1

Zu den eigenartigen, irritierenden Phänomenen zählt das der Ungleichverteilung von Menschenansammlungen in Zeit und Raum. Was ich sagen will: Zu jeder Zeit während der fünf Messetage sind mehrere Zehntausend buchaffine Besucher gleichzeitig unterwegs. Es gibt Phasen, oft sind es nur wenige Minuten, wo die am Stand arbeitenden KollegInnen sich verblüfft anschauen: Ist irgendwas – wo sind die bloß alle? Und dann, ohne dass etwas Weltbewegendes am Stand passieren: neugierige, buchhungrige Menschen, so weit das Auge reicht. Man kann es sich nicht erklären. Vielleicht spieltheoretisch oder chaostheoretisch (aber daran müssten sich andere versuchen, nicht ich). Das Schöne ist: Beides gehört zur Buchmesse. Anspannung und Entspannung, die Phasen des Trubels und de Momente der Ruhe.


Stress, lass nach!

Wo wir schon beim Thema sind: So sieht es (nicht nur bei Rowohlt!)  aus, wenn die letzten Besucher gen Ausgang eilen. Müde Füße, schicke Schuhe, tröstende Kaltgetränke … Vor allem die Vertriebskolleginnen sind im kräftezehrenden Dauerstress: Tausend Fragen, die am Infotresen auf einen einprasseln: Wo ist Lektor X? Wann erscheint der neue Hjorth & Rosenfeldt? Ist Ildikó von Kürthy in diesem Jahr auf der Messe? (Und warum nicht?) Gibt es Freiexemplare für unseren Love-and-Landscape-Blog? Habt ihr noch eine Dose Gangsta-Drops? (Dazu später mehr.) Außerdem sind ständig Bücher nachzusortieren, Autoren und Journalistinnen mit Kaffee, Cola und Gebäck zu versorgen usw. usf. Und das von morgens 9 bis abends um 18.30 Uhr. Stress, lass nach – bitte!!!


Leningrad Cowboys empfehlen: Wurzeln schlagen!

Auch bei der Buchmesse gibt es ein Davor und ein Dahinter. Vorne gleißendes Licht, schöne Bücher, interessante AutorInnen. Manchmal auch ein Fernsehteam auf der Jagd nach Jojo Moyes oder anderen prominenten Gesichtern. Oder eine Schulklasse, die wie eine Heuschreckenwolke einfällt und alles einstecken möchte, was bunt, billig (also: kostenlos) und süß ist (zum Beispiel die Sara-Gruen-Leseprobe mit aufgeklebten Karamellbonbons, oder besagte Gangsta-Drops). Dahinter tut sich ein kleines Reich der (relativen) Stille auf: das Buchlager. Hier kann man für ein paar Minuten abtauchen, mit einem Snack, einem Tee und – zum Beispiel – der Messebeilage von Süddeutscher, Welt, taz, FAZ oder Spiegel. Hier ist es «Die Literarische Welt», mit gleich zwei Rowohlt-Autoren auf dem Titel: Lena Gorelik («Null bis unendlich») und Gary Shteyngart «Kleiner Versager»). Sie äußern sich im Interview ausführlich zum Thema  «Emigration und Immigration», für beide ist es ein Lebensthema: Shteyngart wurde 1972 geboren, Lena Gorelik 1981, und beide in Leningrad. Der Tenor des Gesprächs: «Probleme haben wir, wenn keine Einwanderer kommen wollen».


Vince Ebert trifft Dietrich Faber

Auch das ist Buchmessenalltag: Autoren, die normalerweise allein vor sich hin denken und schreiben, kommen am Rowohlt-Stand miteinander ins Gespräch. Vince Ebert, studierter Physiker und Kabarettist, ist gesuchter Spezialist einer seltenen Kunst: wissenschaftliche Zusammenhänge mit den Mitteln des Humors zu erklären Sein im Februar 2016 erscheinendes Buch «Unsichtbar» hat einen Untertitel, der das auf den Punkt bringt, was Ebert umtreibt: «Warum das Leben zu komplex ist, um es perfekt zu planen». Sein Gesprächspartner bei Rowohlt: Dietrich Faber, Krimiautor und Kabarettist. Seine Lieblingsfigur ist Henning Bröhmann, Ex-Polizeikommissar am Vogelsberg, jetzt Hausmann (samt Ehegattin Franziska, die nach verbüßter Haftstrafe gerade wieder zu Hause ist; und Tochter Melina, die als Jungpolizistin in eine blöde Sache hineingeraten ist und im Preungesheimer Knast in U-Haft sitzt). Wie gesagt: Das Leben ist zu komplex, um es perfekt zu planen.


Danke, FAZ! Danke, taz! Ein kleiner Nachtrag zur Rowohlt-Party

Wir haben in unseren «Messeimpressionen» die Rowohlt-Party am Mittwoch einer Kurzinspektion unterzogen. Das war bestenfalls die halbe Wahrheit, was dort zu lesen war. Wir ergänzen aus dem Material, was Kolleginnen der taz und der FAZ in ihren hinreißenden Messeblogs berichten:
1. Wie die Häppchen waren? «Bescheiden. Früher gab es mal Sushi. Sushi!» (FAZ)
2. «Kurios übrigens der Einlass. Man kriegt, wenn man rein darf, einen Hello-Kitty-Stempel. Vier Jahre warte ich, um mal auf diese Party eingeladen zu werden, und dann ist mein Legitimationssymbol ein Stempel mit dem Kopf von Hello Kitty. So was ahnt man doch vorher nicht.» (taz)
3. Keine sexuellen Ausschweifungen, und die komplette Party ohne Musik? «Das ist tatsächlich immer so. Früher gab es parallel noch die Suhrkamp-Party im Techno-Keller, da wurde getanzt und nicht geredet, bei Rowohlt ist es umgekehrt. Jetzt gibt es nur noch den Suhrkamp-Kritikerempfang, da wird sowas von nicht getanzt und sowas von geredet.»
4. Und zum guten Schluss: die Klos im Schirn-Café? Hammer! «Alles ausprobiert. Komplett. Warm rear, rear (soft), Front, Pressure geändert, Massage, Dryer, alles.» (taz)
Soll keiner sagen, unsere Messe-Partys wären langweilig. Hier kann man sie noch erleben, die echten Abenteuer.

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