15.10.2015   von rowohlt

Messeimpressionen, Tag 3

Nach den üblichen Anlauf- und Orientierungsschwierigkeiten am Tag 1 brummt und schnurrt die Buchmesse nun. Es wird voll und voller in den Hallen, die Betriebstemperatur steigt. Auch wenn die Bekanntgabe des Literaturnobelpreises 2015 an die beeindruckende weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch bereits in der Woche vor der Buchmesse lag: der hektischen Geschäftigkeit tut das keinen Abbruch. Hier unsere Messeimpressionen, Tag 3.

© iStockphoto.com
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Matthias Nawrat im Ratskeller

Mit dem Netzgewölbe, den Sandsteinsäulen und den Wandmalereien mit Alt-Frankfurter Motiven ist der Ratskeller am Römer eine der stimmungsvollsten Literatur-Locations während der Buchmesse. Hier hören die Zuschauer im Rahmen einer Open-Books-Veranstaltung gebannt Matthias Nawrat zu, der aus seinem Roman «Die vielen Tode unseres Opas Jurek» liest: ein großes Familenepos vor dem Hintergrund der Geschichte Polens und Europas im 20. Jahrhundert.


Poznanski/Strobel im Frankfurter Kunstverein

 Als Duo exquisite Kriminalromane zu schreiben, das schaffen nur wenige. Die Altmeister Sjöwall/Wahlöö und Fruttero/Lucentini sind Legenden des Genres; mit Sebastian Bergman haben die Schweden Hjorth & Rosenfeldt eine faszinierende Ermittlerfigur geschaffen. Auf diesen Spuren bewegen sich auch Ursula Poznanski und Arno Strobel: als Einzelautoren höchst erfolgreich, legen sie jetzt als Autorenteam mit «Fremd» einen großartigen Thriller vor. Auch bei Lesungen scheinen sich Poznanski (geboren in Wien) und Strobel (geboren in Saarlouis) bestens zu verstehen: starkes Teamwork eben.


Die Rowohlt-Party im Schirn

Nach dem ersten harten Arbeitstag bei der Buchmesse strömen alle, die eine Einladung ergattern konnten, zur ersten der legendären Großpartys der Messe: zu Rowohlt. Auch am Mittwochabend sind dort Hunderte feierfreudiger Gäste zusammengekommen. Nicht nur über große Autoren und ihre Bücher wird ja während der Messe in den Feuilletons berichtet, auch über die Frankfurter Abende und Nächte. Wer hat wen bei S. Fischer in der Hedderichstraße gesehen, was gab's bei Edel zu futtern, und wer hat eigentlich als DJ bei Piper aufgelegt? Vor ein paar Jahren bemühte die FAZ gar Rilkes berühmtes Panther-Gedicht, um angemessen zu beschreiben, weshalb am Messemittwoch das Rowohlt-Fest im Schirn-Café the place to be ist: «Um diesen geheimen Mittelpunkt dreht sich eine Nacht lang das große Karussell der Bedeutsamkeiten, wortmächtig zunächst, dann immer wilder, verzerrter, entrückter, schwereloser ..» Genau so ist es. Oder so ähnlich.


Treffauf, treppab, hin und her und wieder zurück

Wer noch nie bei der Frankfurter Buchmesse war, stellt sich das vermutlich ziemlich einfach vor. Von Rowohlt in Halle 3.1 zu Hanser Berlin in Halle 3.0 ... stimmt, das ist wirklich kinderleicht – auch wenn man manchmal dafür zehn Minuten braucht, um vom 1. Stock nach unten zu kommen. Oft schwimmt man förmlich gegen Menschenmassen an, wenn man im falschen Gang unterwegs ist. Falsche Gänge, das sind für Eilige jene Hallenwege, an denen gehäuft Attraktionen zu besichtigen sind: Großschriftsteller, Großkritiker, Lothar Matthäus und seine Entourage oder Johann Lafer samt Kochkumpel Horst Lichter.  Komplizierter ist es, wenn man sich von Hanser in 3.0 zu Wagenbach  in 4.1 oder zu Giangiacomo Feltrinelli Editore in Halle 5.0  durchschlagen möchte. Das kann dauern. Hier gilt es, alle nur denkbaren Abkürzungen (Außentreppen!) zu nehmen und die Laufwege zu optimieren. Wäre 2016 glatt ein neues Arbeitsfeld für Pep Guardiola


Lena Gorelik, eine Sinfonie in Rot

Am 3ast-Stand spricht Lena Gorelik mit Moderatorin Tina Mendelsohn über ihren neuen Roman «Null bis unendlich». Erzählt wird die berührende Geschichte dreier Menschen, die gegen die eigenen Unzulänglichkeiten kämpfen und sich an der Liebe versuchen. In diesen Tagen ist Lena Gorelik in vielfacher Hinsicht gefragt, auch als Schriftstellerin mit Migrationshintergrund. 1980 in Leningrad geboren, kam sie im Alter von elf Jahren als sog. «Kontingentflüchtling» nach Deutschland. Kein Wunder, dass in jedem ihrer Bücher all das mitschwingt: die Frage nach Dableiben und Weggehen, nach Heimat und Fremde.


Haben wir schon über das Wetter gesprochen?

Alter ausgelatschter SDS-Spruch: «Alle reden vom Wetter. Wir nicht.» Wir doch, und zwar jetzt und heute. In früheren Jahren waren Buchmessentage nämlich immer Schönwettertage, also fast immer. Der  Herbst pflegte sich von seiner heitersten, sonnigsten Seite zu zeigen. Dieses Jahr scheint alles anders zu sein. Nebel wabert frühmorgens edgarwallacemäßig um die Messehallen, später gesellt sich noch nerviger Regen dazu. Und eben erreichte uns ein Bild, das zwei Kolleginnen auf dem Weg nach Frankfurt aus dem ICE geschossen haben (und das wir Ihnen aus Pietätsgründen ersparen möchten – trotzdem: danke, Carla & Hannah!): Schnee. Schnee! Schnee!! Wo soll das alles hinführen? Aber noch liegen ja dreieinhalb Messetage vor uns, da kann sich noch viel tun. Genug lamentiert, jetzt wieder zu was Schönem …


Der Spiegel und Jojo Moyes

Wo immer sie geht und steht, zieht Jojo Moyes die Menschen in ihren Bann. Für sie ist der Messemarathon noch immer nicht zu Ende. Ihr Bestseller-Megaerfolg «Ein ganzes halbes Jahr» wurde mittlerweile in 31 Länder verkauft, die Filmrechte sicherte sich MGM. Dass die britische Autorin extrem medienerfahren ist, liegt auch an ihrer beruflichen Vita: Jojo Moyes, 1969 in London geboren, arbeitete als Journalistin beim Independent und der Sunday Morning Post, bevor sie sich ganz aufs Bücherschreiben konzentrierte. 

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